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In seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium (Lukas 24,35-48) geht unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir auf die Bedeutung von Auferstehung ein.

Hier die Worte seiner Predigt als Audio-Datei und anschließend im Textformat:

 

 

Können Geister etwas essen? Komische Frage! Warum interessiert mich überhaupt diese Frage?

Weil der auferstandene Jesus im heutigen Evangelium seinen Jüngern wie ein Geist vorkommt, er sie auffordert, ihn zu berühren und als sie immer noch skeptisch waren, er vor ihren Augen einen gebratenen Fisch aß.

Gibt es überhaupt Geister? Wenn man so in die Geschichte der Märchen, Mythen, ja sogar der Weltreligionen sieht, dann findet man verschiedenste Antworten darauf, ob es Geister gibt, was einen Geist ausmacht und ob er z.B. essen kann.

In der magischen Fantasiewelt eines Harry Potter z. B. gibt es die verschiedensten Geistwesen, die einerseits durch Wände gehen können oder andererseits untereinander und mit Menschen unterhalten können. Auf Dauer ist „Nicht-richtig-tot-oder-lebendig-sein“ frustrierend und führt – so zeigen es weltweit ja auch unzählige Gespenstergeschichten – dazu, dass ein Geist zum spukenden Gespenst werden kann.

Zu den wichtigsten Feiertagen der Chinesen zählt das Fest der hungrigen Geister. Es findet jedes Jahr gemäß des Mondkalenders am 15. Tag des 7. Monats statt. Der 7. Monat gilt als Geistermonat, in dem die Verstorbenen aus der Unterwelt die Lebenden besuchen. Während des gesamten Geistermonats werden diverse Zeremonien gehalten, worunter das Zhongyuan Jie den Höhepunkt bildet. Die Geschichte besagt, dass die Geister einen so riesigen Hunger entwickelt haben, dass die Lebenden ihnen Speisen, Gebete und Opfergaben geben müssen, um ihre Gemüter zu besänftigen.

Am Tag der Toten, spanisch Día de los Muertos, einem der wichtigsten mexikanischen Feiertage, wird traditionell der Verstorbenen gedacht. Die Vorbereitungszeit für die Feierlichkeiten beginnt Mitte Oktober; gefeiert wird vom Vorabend von Allerheiligen (31. Oktober) bis zum Gedächtnis Allerseelen am 2. November. Nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten einmal im Jahr zum Ende der Erntezeit zu Besuch aus dem Jenseits und feiern gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen. Spanische Missionare versuchten vergeblich, das Fest abzuschaffen, und so wurde es dem Hochfest Allerheiligen und dem Gedächtnis Allerseelen einverleibt. Parallelen zwischen der christlichen Vorstellung vom Tod und dem indigenen Glauben ermöglichten diesen Synkretismus. Schon die Azteken sahen den Tod nicht als Ende, sondern als Anfang neuen Lebens; eine Übergangsphase zu einer anderen Daseinsform.

Zurück zu Jesus im heutigen Evangelium und wie er gleichsam wie ein Geist durch Wände hindurch gehen kann.

Um zu beweisen, dass er kein Geist und schon gleich gar kein Gespenst ist, lässt er sich betasten und einverleibt sich durch Essen ein Stück Fisch. Bei einem Geist oder einem Gespenst wäre das nicht möglich.

Bis heute versuchen sich Gelehrte mehr oder weniger erfolgreich und vor allem leicht nachvollziehbar, was es denn mit Jesu veränderter Seinsweise nach seiner Auferstehung auf sich hat. Sogar Maria von Magdala und seine Jünger hatten ja gehörige Schwierigkeiten, Jesus wieder zu erkennen. Das ist ja auch wirklich nicht verwunderlich,

denn einen Toten wieder lebendig zu erleben gab es bis Jesus nicht.

Auf der Suche nach für mich plausiblen und verständlichen Antworten wurde ich fündig. Folgende Formulierungen des  jungen katholischen Theologen, Georg Dietlein, sagen mir sehr zu:

„Auferstehung bedeutet nicht Rückkehr zum Alten, in die irdische Existenz, sondern Wandel, Übergang zum Neuen, in die Ewigkeit Gottes. Mit Jesus wird nicht mehr alles so, wie es früher einmal war. Gott macht die Passion und den Tod seines Sohnes nicht einfach ungeschehen. Eben deshalb kann Jesus auch nicht mit seinem irdischen Leib aus dem Grab „kriechen“ und sich seinen Jüngern zeigen. Sein irdischer Leib wurde am Kreuz zerstört. Am Leichnam Jesu vollzieht sich eine Verwandlung: Gott schenkt Jesus einen verklärten neuen Leib, an dem die Wundmale des Gekreuzigten bleibend sichtbar sein werden. Er begegnet den Menschen bereits aus der Ewigkeit, aus der er kommt und in die er wieder zurückkehren wird. …

Der Auferstehungsleib ist ein ewiger und unvergänglicher Leib, der die Male des irdischen Leibes Jesu trägt. Der Kreuzweg ist mit der Auferstehung und der Himmelfahrt Christi nicht ausgelöscht (annihiliert), ignoriert oder vergessen, sondern aufgearbeitet, vollendet und erhöht. Am Auferstehungsleib Jesu wird deutlich: Die Passion war notwendig, sie hat allerdings nicht das letzte Wort.“

Und folgende Formulierung des heiligen Johannes Chrysostomos über den irdischen und den verklärten Leib Christi, die der junge Theologe dann zitiert, hilft mir sehr in meiner Begleitung von Leidenden, Sterbenden und deren Angehörigen, die irgendwie lebte ich schon danach, nun habe ich sie Schwarz auf Weiß – eine echte spirituell-christliche Lebenshilfe im Umgang mit der Vergänglichkeit:  „Wenn du das erloschene Auge siehst und den entstellten Mund und den regungslosen Leib, so denke nicht bei dir selbst: Jetzt redet nimmer dieser Mund, nimmer schauen diese Augen, nimmer wandeln diese Füße; alles verfällt rasch der Auflösung. Sage lieber: Dieser Mund wird besser reden, diese Augen Größeres schauen, diese Füße über Wolken schreiten, der verwesliche Leib wird mit Unsterblichkeit sich umkleiden, und herrlicher bekomme ich den Sohn wieder. Und wenn das, was das Auge schaut, dich zur Trauer stimmt, so sprich zu Dir selbst: Ein Gewand ist es, das er abgelegt hat, um es kostbarer zurückzuerhalten; ein Haus ist es, das abgebrochen wurde, um glänzender wieder zu erstehen.“ AMEN.