Gerade in der Promi-Welt scheint der Wert der Ehe zunehmend an Bedeutung zu verlieren. Pfarrer Christoph Kreitmeir geht, vor seinem anstehenden Urlaub in Norwegen, in seiner Predigt zum heutigen Sonntagsevangelium, in dem Jesus zum 6. Gebot („Du sollst nicht ehebrechen“) Stellung bezieht (Mk 10, 2-12), auf die Ambivalenz von real gelebten kurzen „Lebensabschnitten“ und der nachhaltigen Sehnsucht nach einer Liebe zu einem Menschen, die Bestand hat, ein.

Hier die Worte seiner Predigt:

Das sechste Gebot ist wohl das bekannteste der 10 Gebote, zumindest das Gebot, das heute am meisten mit kirchlicher Moralvorstellung verbunden wird: Du sollst nicht die Ehe brechen. Zugleich ist es das Gebot, mit dem sich wir Menschen besonders schwertun.

Zu allen Zeiten versuchten Menschen, diesem Gebot durch Hintertüren zu entkommen und das wird wohl auch in Zukunft so sein. Ist dieses Gebot denn auch dann noch vertretbar, wenn schwerwiegende Gründe vorliegen, etwa: schwerste Krankheit oder Kinderlosigkeit …?

Reicht es nicht auch schon, den Partner zu verlassen, wenn er einem nicht mehr gefällt oder wenn die „Chemie“ nicht mehr stimmt? Oder genügt es einfach auch, wenn ein anderer einem derzeit mehr Erfüllung verspricht? Wie war das letzte Woche? Der Altkanzler Gerd Schröder heiratete nun zum fünften Mal. Dieses Mal eine Frau, die seine Tochter sein könnte …

Man mag verwundert darauf schauen, wie schnell die Menschen heute ihre Partner wechseln, wie kurz „Lebensabschnitte“ definiert werden. Man mag auch darüber klagen, dass Treue und Verlässlichkeit heute offensichtlich für viele zum Fremdwort geworden sind.

Auf der anderen Seite erlebten viele Menschen in früheren Zeiten ihre Ehe eher als Pflicht? War die Ehe für so manche oder manchen nicht eher zu einer Hölle auf Erden verkommen? Blieben viele Eheleute nicht eher aus gesellschaftlicher Konvention zusammen, oder weil die Frauen wirtschaftlich gar keine andere Wahl hatten?

Ehe mehr als Verderb denn als Gedeih! Dies kann nicht Ziel des Gebotes eines Gottes sein, der doch das Heil der Menschen will.

Auch die Kirche tut sich schwer mit diesem Gebot. Einerseits will sie am Gebot festhalten, andererseits sucht sie nach „pastoralen“ Wegen für die Betroffenen. Eine Ehescheidung kennt das Kirchenrecht zwar nicht, aber die zahlreichen Gründe für eine Ehenichtigkeit lassen doch so manchen Spielraum, zum gleichen Ergebnis zu kommen.

Jesu klares Wort zur Ehescheidung ist und bleibt ein Stachel im Fleisch. Da gibt es nichts zu beschönigen. Gerade hier erweist es sich, dass Glaube nicht nur „Wellness“ bedeutet und nicht zum Nulltarif zu bekommen ist.

Jesus tappt nicht in die Falle eines „Kuschelcharismas“, das ihm viele zuschreiben. Vielmehr legt er die Motive von Menschen schonungslos dar: nur weil ihr so hartherzig seid!

Sein Vorwurf zielt in verschiedene Richtungen. Hartherzig ist, wer nur sich selbst sieht, seinem großen Glück hinterherläuft und dabei die übergeht, die ihn bisher dabei begleitet haben. Ehepartner und Kinder bleiben dabei aber oft auf der Strecke.

Hartherzig ist, wer sich vom Äußeren blenden lässt, andere am eigenen Schönheits- und Jugendideal misst und dabei übersieht, dass auch bei ihm nicht alles Gold ist, was glänzt. Lieben heißt bekanntlich auch, einzuwilligen, mit einem anderen alt zu werden.

Hartherzig ist aber auch, wer den Splitter im Auge des anderen sieht, den Balken im eigenen aber nicht bemerkt, wer also andere verurteilt – und sich selbst zum Herrn über die Moral aufspielt.

Jesu Wort von der Ehescheidung lässt sich nicht wohlgefällig auflösen.

Wir müssen es mit allen Ecken und Kanten nehmen, wie es ist. Es ist eine Herausforderung, uns stets mit ihm auseinander zu setzen. Beziehungen zwischen Menschen lassen sich nicht allein mit Gesetzen regeln. Das gilt besonders in Ehe und Partnerschaft. Wer da nur nach Rechten und Pflichten fragt, findet keine Lösungswege.

Denn die Grundlage jeder Beziehung ist das Vertrauen.

Jesus plädiert im heutigen Evangelium für die unverbrüchliche Treue von Menschen. Und genau das entspricht genau dem, was sich junge Leute heute von ganzem Herzen wünschen: eine Liebe zu einem Menschen, die Bestand hat in einer so wechselvollen Zeit und Welt, in der wir heute Leben.

Die Suche nach Heimat, Geborgenheit, Vertrauen, Beständigkeit findet ihre Ziele, indem sie das Angestrebte immer wieder selbst vorlebt.

5 Tipps, Vertrauen zu leben, möchte ich Ihnen hier und heute weitergeben. Sie stammen erstaunlicherweise aus der Finanzwelt, können aber 1 zu 1 in die Beziehungswelt übertragen werden. Das überlasse ich dann gerne Ihrer Phantasie und Kreativität:

Die 5 Grundregeln des Vertrauens

  1. Kommunizieren. Nichts schafft und erhält Vertrauen so sehr, wie regelmäßig und offen miteinander zu reden.
  2. Sagen Sie, was Sie meinen, glauben, fühlen und tun Sie, was Sie sagen. Das nennt man zuweilen auch authentisch sein – oder: vertrauenswürdig. Freilich sollten Sie nicht immer alles sofort und ungefiltert ausplaudern. Takt und Timing dürfen Sie dabei schon noch beachten.
  3. Seien Sie ehrlich. Im Job kann man nicht alles sagen, und mancher Chef weiß um Betriebsgeheimnisse, die eben nicht jeder im Betrieb wissen muss. Doch bevor Sie lügen: Schweigen Sie lieber. Oder sagen Sie ganz ehrlich: „Darüber kann ich nicht sprechen. Noch nicht.“
  4. Seien sie besonders ehrlich mit eigenen Fehlern. Dieser Punkt verdient eine Extra-Erwähnung, weil er im Job so oft unterschlagen wird. Gerade Chefs, Vorbilder eben, sollten beweisen, dass Fehler zu machen, keine Schande ist – nur nichts daraus zu lernen. Lassen Sie die Kollegen also an Ihren Lern-Erfolgen teilhaben!
  5. Lassen Sie sich Zeit. Weder Rom noch Vertrauen lassen sich in einem Tag aufbauen. Und nicht zuletzt braucht es irgendwann auch eine Bewährungsprobe, um das Band zu festigen. Vertrauen ist zwar gut – ein Beweis zu gegebener Zeit besser.

Es heißt, der frühere französische Außenminister Robert Schuman soll einmal gefragt worden sein, warum er nicht geheiratet habe.

Er antwortete: „Vor langer Zeit“, „als ich einmal in der U-Bahn fuhr, trat ich unabsichtlich einer Dame auf den Fuß. Bevor ich mich noch entschuldigen konnte, kreischte sie los: „Du Trottel, kannst du denn nicht aufpassen, wo du hin trampelst!“ Dann sah sie mich an, errötete und rief aus: „Oh, entschuldigen Sie bitte, mein Herr, ich dachte, es wäre mein Mann!’“

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