Foto von der Mehr-Konferenz 2020

In seiner Auslegung des heutigen Sonntagsevangeliums (Joh 1, 1-5.9-14) geht unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir auf die hochtheologischen Worte, mit denen das Johannesevangelium beginnt („Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott“), näher ein. Das von Pfarrer Kreitmeir Gesagte ist derzeit auf der Mehr-Konferenz in Augsburg spürbar zu erleben (siehe Foto).

Hier die Worte seiner Predigt:

Obwohl wir noch immer in der Weihnachtszeit sind und sehr viele Menschen bis Dreikönig frei haben, ist das Weihnachtsfest irgendwie schon in den Hintergrund gerückt. Silvester und Neujahr sind vorbei und man sucht irgendwie nach neuen Horizonten, die sinnhafte Wege für das neue Jahr aufzeigen.

Und siehe da, wir bekommen heute so eine Wegweisung für unsere Zukunft in geballter Form.

Es ist ja nicht so, dass wir die Worte des Johannesprologes schon mal gehört hätten. Allein in dieser Weihnachtszeit werden sie uns heute nun zum dritten Mal präsentiert. Aber, so ist es ja bei jedem Lernprozess: Die Wiederholung ist die Mutter des Studiums. Nur, was immer wieder wiederholt wird, hat die Chance, etwas tiefer zu sinken.

Wollen wir nun diese hochtheologischen Worte in ihren wichtigsten Aussagen noch einmal hören und dann konkret auf unser Leben herunterübersetzen, damit das göttliche Wort auch in unserem Suchen und Finden Fleisch werden kann.

Im Anfang war das Wort …
Es ist unglaublich, wieviel Geschwätz und Gewäsch jeden Tag auf unserem Planeten rauf- und runtergesagt oder -geschrieben wird. Das meiste davon ist Schall und Rauch und doch … Wir alle sehnen uns nach nachhaltigen Worten, die uns Nahrung geben, die uns ermuntern, aufrichten und motivieren.
Herr, unser Gott, schenke uns im neuen Jahr solche Worte und Männer, Frauen und Jugendliche, die sie aussprechen.

Durch das Wort ist alles geworden …
Die Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen beginnt mit dem schöpferischen Wort Gottes und seinem Geist, der in chaotische Verhältnisse Ordnung, Struktur und Entwicklung brachte. Und genauso ist es auch heute noch.
Herr, unser Gott, wir bitten Dich um Deinen Geist in oft so verfahrenen und chaotischen Zuständen, damit die Verantwortlichen unserer Welt die richtigen Worte für ein Klima des Vertrauens und der Verständigung finden können.

In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen.
Wo Gott ist, das ist Licht, Liebe und Leben. Wo Gott nicht ist, das ist Dunkelheit, Hass und Tod. „In ihm war Leben …“; es war nicht nur so, es ist auch heute noch so. Als Klinikseelsorger darf ich immer wieder Zeuge dafür sein, dass Gott, Licht, Liebe und Leben immer wieder in schwerste Lebensumstände hineinleuchten.
Herr, unser Gott, beschenke uns immer wieder mit Deiner erhellenden Gegenwart.

Das Licht leuchtet in der Finsternis …
In meinem Arbeitszimmer hängt ein Bild, wo jemand mit freundlichem Gesicht mitten in der Dunkelheit eine Kerze entzündet. Darunter steht: „Es ist besser, ein Licht anzuzünden als über die Dunkelheit zu klagen.“ Danach versuche ich, tagtäglich zu handeln, denn es stimmt: Jedes kleine Licht ist stärker als alle Dunkelheit.
Herr, unser Gott, sei Du immer wieder und überall das Licht in der Finsternis und entzünde unseren Lebensdocht immer wieder mit Deinem Feuer.

Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
Weihnachten ist nicht nur der Geburtstag von Jesus, sondern seit Weihnachten ist Gott auf einzigartige Weise in unser Sein eingetaucht – er ist einer von uns geworden. Die Menschwerdung Gottes ist unübertroffen und uneinholbar und doch wird sie von den meisten nicht erkannt. Warum? Weil, dann müsste sich ja etwas ändern.
Herr, unser Gott, wir danken Dir für Deine Menschwerdung in Jesus Christus, die uns hilft, unser Leben nicht alleine bewältigen zu müssen, denn wir wissen Dich an unserer Seite.

Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden …
Meistens brauchen wir Menschen Krisen, Krankheiten oder schwere Erfahrungen, um zu erkennen, dass Gott da ist und er darauf wartet, von uns aufgenommen zu werden. „Gott ist uns näher als wir es uns selbst sind.“ (Hl. Augustinus) Wer Gott in seinem Leben entdeckt, ihn hinein- und aufnimmt, der wird neue Dimensionen des Sinns erfahren können.
Herr, unser Gott, öffne unsere Sinne und unsere Herzen, damit wir Dich erkennen, Dich in unser Leben aufnehmen und dadurch ein kraftvolles, sinnvolles und seeliges Leben führen können.

Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt …
Ideen, Konzepte, Lösungsstrategien gibt es unzählige und auch die sind unzählig, die sie uns verkünden. Viel wichtiger ist es aber, dass diese umgesetzt werden, dass Worte Hand und Fuß bekommen, Fleisch werden.
Durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus ist die „Idee“, dass Gottes Gegenwart in seinem Namen „Ich-bin-der-ich-bin-mit-dir“ konkret Hand und Fuß bekommen hat. Der Name Jesus bedeutet und ist: „Gott rettet, Gott heilt.“
Herr, unser Gott, wir danken Dir für Deine Gegenwart unter uns. Hilf uns, sie immer wieder zu erkennen, zu spüren und durch sie unser Leben und das Leben anderer bewohnbarer zu machen.

Wir haben seine Herrlichkeit geschaut …
Wer Gott in seinem Leben kennengelernt hat, wer ihn hereinholt, wer sich durch sein heiliges Wort immer wieder inspirieren lässt, durch die heiligen Sakramente (Zeichen der Gegenwart Gottes) nährt und im Miteinander Gleichgesinnter vom Hl. Geist führen lässt, der wird die Herrlichkeit schauen und aus ihr heraus leben.
Herr, unser Gott, stärke alle, die sich haupt- und ehrenamtlich engagieren, um das Leben anderer leichter und heller zu machen. Amen.

 

Mehr spirituelle Impulse sowie Infos zu den Büchern von Pfarrer Christoph Kreitmeir gibt’s HIER