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In seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium (Joh 4,5-42), das von der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen handelt, geht unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir darauf ein, dass die Menschen heute genau wie damals die Frau am Brunnen voller Sehnsucht nach Erfüllung und Sinn sind, die in der Beziehung zu Jesus Christus nachhaltig ihre Heimat finden kann.

Hier die Worte seiner Predigt mit dem Titel „Der Brunnen der Sehnsucht ist tief „:

Eine Fachärztin für Radiologie, mit der ich befreundet bin, sagte einmal zu mir folgende Worte, die mich damals schon aufhorchen ließen

„Sehnsucht und Spiritualität sind eng miteinander verbunden. Die Sehnsucht führt mich zur Spiritualität. In dem Maße, wie ich mich nach Gott sehne, kann er in meinem Leben wirksam werden.“

Diese so wahren Sätze fallen mir bei der Begegnung von Jesus mit der Frau am Jakobsbrunnen wieder ein, denn diese Frau ist voller Sehnsucht nach Mehr, wurde bisher aber nie mit dem zufrieden gestellt, was sie so erlebte.

Zu Mittag bei ca. 40 Grad Hitze trifft Jesus sie bei diesem Brunnen in Sychar in Samaria. Es sind mehrere Gründe, warum Jesus ganz bewusst den Kontakt zu ihr sucht.

  • Sie gehört zu einem für die Juden unreinen Volk, mit dem sie nicht verkehrten. Die Samariter waren eine Mischrasse aus Juden und Assyrern. Letztere hatten früher das Land erobert, viele Juden verschleppt und das Land mit Ausländern besiedelt, um den Frieden zu sichern. Außerdem verehrten sie neben dem Gott Israels auch noch viele andere Götter aus den verschiedensten Herkunftsländern (2 Kön 17, 24-41).
  • Sie ist eine Frau, mit der ein religiöser Israelit in der Öffentlichkeit nicht spricht
  • Und sie hat obendrein einen zweifelhaften Ruf als Ehebrecherin und ist deshalb in ihrer Dorfgemeinschaft sozial geächtet.

Sie hatte also nicht nur die falsche Herkunft und das falsche Geschlecht, sie war obendrein eine sittenlose Götzenanbeterin. Alles zusammen ein No-Go für einen frommen Juden.

Jesus interessiert das alles aber nicht, er setzt sich wieder einmal bewusst über Konventionen hinweg und schaut hinter die oberflächliche Fassade.

Die Frau für ihren Teil meidet die Menschen, weil diese sie meiden. Deshalb kommt sie zur Mittagshitze zum Wasserschöpfen und nicht frühmorgens oder bei der Abenddämmerung, wenn es nicht so heiß ist.

Ein Gespräch zwischen Jesus und ihr entwickelt sich, welches sich wie ein Eimer beim Wasserschöpfen immer tiefer zu den wirklich wichtigen Dingen hinabsenkt, die einen Menschen bewegen:

  • Woher bekomme ich „lebendiges Wasser“, das meinen Lebensdurst wirklich löscht und nicht mehr zu sprudeln aufhört?
  • Wann findet meine Sehnsucht nach einem erfüllten und gelungenen Leben wirklich den Heimathafen auf der Irrfahrt durch´s Leben?
  • Wie finde ich durch den ermüdenden Alltagstrott hindurch zu einer geistig-spirituellen Frische und zu einer seelischen Widerstandskraft, die mich das Leben nicht nur bewältigen lassen, sondern zu wirklichem Glück führen?

In Anspielung auf den Brunnen, an dem sich beide befinden, spricht Jesus immer wieder von dem Mehrwert des lebendigen Wassers, das nur er zu bieten hat.

Israel im Speziellen (Jer 2,13), die gesamte Menschheit aber im Allgemeinen hat die Quelle lebendigen Wassers verlassen. Durch die Sünde und die Abwendung von Gott verlor der Mensch die Quelle und versucht seither den dadurch entstandenen inneren Mangel durch alles Mögliche zu kompensieren. Dabei sucht er verzweifelt nach Erfüllung und Sinn und findet sie nicht.

Wahre Erfüllung kann der Mensch aber nur in der Hinwendung zu Gott und zum lebendigen Gott, zu Jesus finden.

Die Begegnung Jesu mit der Frau, die fünf Männer hatte, mit einem sechsten nun unverheiratet und somit unerlaubt zusammenlebt und noch immer nicht das Glück und die Zufriedenheit finden konnte, schenkt ihr den siebten Mann, Jesus. Die Zahl Sieben bedeutet in der Bibel immer Fülle und Erfüllung.

Jesus hat ihr Besseres anzubieten. Ihre nicht erschlaffte Sehnsucht findet in ihm Erfüllung. Jesus ist die wahre Quelle, die ihr erfüllendes, gelingendes, beglückendes und ewiges Leben hervorsprudelt.

Eine mir bekannte einfache Hausfrau antwortete mir einmal auf meine Frage, wie man denn heute in dieser schwierigen Zeit Gott finden kann: „Gott kommt nicht wie ein Gast, den ich in mein Wohnzimmer lasse und dem ich Kaffee und Kuchen serviere. Er kommt in mein Herz. In meinem Herzen biete ich ihm einen Platz an. Dieser freigeräumte Platz entsteht durch die Sehnsucht, die ich nach Gott mit Herz, mit Verstand und mit all meinen Sinnen aussende. DANN KOMMT ER. Ich muss nicht einmal dabei beten, ich spüre nur, dass da etwas mit mir geschieht und ich fange zu lächeln an.“

Die Geschichte der Fachärztin für Radiologie, der einfachen Hausfrau, der Samariterin am Jakobsbrunnen, ja, unser aller Geschichten, ob wir Männer, Frauen, religiös, nicht religiös, Ausländer oder Deutsche sind: Wenn Du Dich wirklich auf die Suche machst, dann kommt Dir das Gesuchte entgegen!

 

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Hinweis: Aktuell finden sich auf der Homepage von Pfarrer Kreitmeir ein sehr schönes Gebet in der Corona-Krise sowie Tipps zum individuellen Umgang mit der Corona-Pandemie.