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In seiner Auslegung zum heutigen Evangelium am 4. Adventssonntag (Lukas 1,26-38) geht unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir auf die Heilung ein, die aus der Begegnung, von Mensch zu Mensch, vom Ich zum Du, geschieht. Das sich vom anderen in der Begegnung Berührenlassen befreit den Menschen aus seinem „Verkapseltsein“ hin zum Heilsein und Ganzsein.

 

Hier die Worte der Predigt von Pfarrer Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Text-Format:

 

 

„Es gibt Begegnungen, in denen alles in dir hell wird, die deine Seele aufleuchten lassen, als stünde ein Engel im Raum. Ich wünsche dir das Geschenk solcher Augenblicke, in denen dir das Licht des Himmels mitten ins Herz scheint.“

Was für schöne Worte, die Christa Spilling-Nöcker gefunden hat, um das Wertvolle und Lichtvolle von besonderen Begegnungen zu umschreiben.

Ich möchte diese Worte in mir nachwirken lassen, wenn ich das Bild von Maria alleine in ihrer Kammer vor meinem inneren Auge habe. Sie ist ganz bei sich, sie betet, sie meditiert, sie öffnet sich für die Welt Gottes, die auf einmal licht- und kraftvoll in Form des Engels Gabriel ihr begegnet. Diese Begegnung, von der wir im heutigen Evangelium hören, hat nicht nur ihr Leben von Grund auf verändert und im wahrsten Sinne des Wortes fruchtbar gemacht, diese Begegnung hat das Leben der Menschheit verändert. Maria bahnte durch ihr JA der Mensch- und Fleischwerdung Gottes den Weg.

Maria erlebt eine heilsame Begegnung mit der göttlichen Welt.

„Das Eigentliche im Leben ist Begegnung. Der Mensch wird am Du zum Ich.“ Das sind Grundaussagen des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber in seiner Schrift „Du und Ich“ aus dem Jahr 1923.

Das große Thema im Denken von Martin Buber und von Carl R. Rogers, des Begründers der personenzentrierten Gesprächspsychotherapie, war die zwischenmenschliche Beziehung und ihre Bedeutung für die Entwicklung und Heilung der Person.

Denn Heilung geschieht aus der Begegnung, von Mensch zu Mensch, vom Ich zum Du. Das sich vom anderen in der Begegnung Berührenlassen befreit den Menschen aus seinem „Verkapseltsein“ hin zum Heilsein und Ganzsein.

Wir leben erneut im sog. „tolalen Lockdown“, dessen Ziel es ist, so wenige Begegnungen wie möglich zwischen den Menschen zu ermöglichen. Merken Sie, wie diese Tatsache vielleicht zwar die richtige Maßnahme im Kampf gegen Corona sein mag, sie aber genau das verunmöglicht, was das Leben zu einem wertvollen Leben macht: Begegnung.

Seit einiger Zeit gibt es die sog. Corona-Warn-App für Smartphones, die anzeigen will, ob Begegnungen im Alltag gefährlich oder eben nicht sind. Begegnungen mit niedrigem Risiko, sich anzustecken, werden grün angezeigt, mit erhöhtem Risiko rot und mit unbekanntem Risiko grau. Wie viel Nutzen dieses digitale Hilfsmittel bisher gebracht hat, bleibt umstritten.

Begegnungen zwischen Menschen werden im Virusansteckungsgeschehen also als gefährlich, weniger gefährlich oder unklar angesehen. Heilsame Begegnungen zwischen Menschen lassen aber neue Lebensräume entstehen. In was für einer verdrehten Welt leben wir gerade?

Vor gut 2000 Jahren erlebte Maria eine heilsame Begegnung mit dem Botschafter der Welt Gottes, mit dem Engel Gabriel.

Eine Warn-App würde sie mit der Farbe Gold belegen. Maria erlebte gleichzeitig auch eine heilsame Begegnung mit der inneren Welt, ihrer eigenen inneren Welt. Beide Welten gehören zusammen, beide befruchten einander.

Der Engel Gottes bringt Maria in Kontakt mit dem Übernatürlichen und dadurch kann sie auf wunderbare Weise das göttliche Kind empfangen und der Welt schenken.

Dieses Kind bringt Licht in die vielfältigen Dunkelheiten des Lebens damals wie heute.

Wir, religiöse und weniger religiöse Menschen, werden 2020 ein ganz anderes Weihnachten erleben, ein Weihnachten der Kontakt- und Begegnungsbeschränkungen, des Rückzugs, oft auch des Alleinseins. Ich hoffe und bete dafür, dass wir auch die Chance erhalten, offen zu werden für Begegnungen mit dem Übernatürlichen, mit Engelbesuchen, die uns in den heilsamen Kontakt mit unserer Innenwelt und der Welt Gottes bringen können. Innerlich dann reich beschenkt können wir mithelfen, die Außenwelt etwas lichtvoller, wärmer und lebensfroher zu gestalten.

 

Anbei ein passender Song von Schwester Teresa Zukic und der Band „Stimmen der Berge“:20