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In seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium (Mt 22,1-10) beschreibt Pfarrer Rainer Maria Schießler – über den letzte Woche die sehenswerte Doku „Glaube, Liebe, Rebellion“ in der ARD lief – dass es die göttliche Bestimmung für den Menschen ist, glücklich zu sein.

Hier der Impuls von Pfarrer Schießler zu Mt 22,1-10, den er unter die Überschrift „Kleider machen Leute“ stellte:

Das Gleichnis ist absurd: Eingeladene kommen nicht; Hochzeitslader werden umgebracht; ein König führt zuerst Krieg gegen seine Feinde; noch eine Einladung zum Fest für alle Leute auf der Straße und dann der Rauswurf eines Gastes, weil er keinen entsprechenden Anzug trägt.

Doch das Gleichnis ist eine Deutung des Schicksals Jerusalems nach der Zerstörung durch die Römer und die Ablehnung der Einladung ins Reich Gottes durch ihre Bewohner.

Es geht auch nicht um einen Anzug oder ein Kleid, sondern um die Gesinnung, die uns umgibt wie ein Gewand. Umgürtet euch mit dem Band der Liebe, drückt es der Apostel Paulus aus. Kleider machen Leute, sagt man, schnell aber durchschaut man doch, was hinter einer Maskerade verborgen ist. Das Gleichnis zwingt zur Einsicht: Es geht nicht mehr nur um die herrschende religiöse Elite wie Priester, Schriftgelehrte und Pharisäer. Jetzt ist der kleine Mann dran.

Ist der Glaube nur ein Überwurf, der das eigentliche Leben, die Gier, die Gewalt, kleine Bosheiten und größere Gemeinheiten schamhaft verhüllt oder ein wahrhaft hochzeitliches Gewand, ohne das man das Fest nicht mitfeiern kann? Es geht um die rechte Gesinnung, den aufrichtigen Geist. Das Reich Gottes ist nicht weniger wirklich wie all die täglichen Gegenmächte von der Unsicherheit bis zur Angst, von Gewalt bis zu mörderischem Terror.

Reich Gottes aber bedeutet, die Zuwendung Gottes anzunehmen und sie für wichtiger zu erfahren als unser Ego oder als alle Strukturen dieser Welt.

Unter dem Bild des Hochzeitsmahles zeigt Jesus eine realistische Vision des Kommenden und schenkt den Menschen die überzeugende Hoffnung, dass es ihre göttliche Bestimmung ist, glücklich zu sein.

Gefeiert wird schon heute auf dem Boden des Optimismus, der Himmel und Erde miteinander verbindet. Reich Gottes sagt schon hier und jetzt: Das Leben macht Sinn trotz aller Schrecken und Tragödien.

Wer dieses hochzeitliche Gewand nicht trägt, zeigt deutlich, dass er vergessen hat, eigentlich doch gut gemeint zu sein. Und gegen dieses gefährliche Vergessen wendet sich das Evangelium. Schon deshalb ermahnt der Apostel im Kolosserbrief: Bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld.

Amen.