Foto: facebook.com/rainer.maria.schiessler (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Rainer Maria Schießler)

In seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium (Joh 15,1-8) zeigt der Bestsellerautor (aktuell: „Die Schießler-Bibel“) und Münchner  Stadtpfarrer Rainer Maria Schießler auf, dass die Art und Weise, wie wir das Evangelium auslegen und vor allem was wir von Jesus glauben immer auch eine Aussage über uns selbst ist.

Hier die Worte, die Pfarrer Schießler auf seiner Facebook-Seite unter dem Titel „Jesus schmecken“ veröffentlicht hat: 

Im religiösen, speziell im christlichen Leben ist es wie in einem großen Weinberg, in dem viele Rebstöcke stehen, die alle mit ihren Wurzeln auf den gleichen Grund zurück gehen. Es sind gerade diese einfachen Bilder in der Verkündigung Jesu, die so erfrischend und verständlich zugleich sind:

Nur wer seine Wurzeln im Evangelium hat, kann auch die Verbindung mit Jesus halten.

Nicht ohne Grund fragen v.a. kritische Menschen, ob Christen auch nach Evangelium schmecken. Leben sie, was sie öffentlich kundtun? Schmecken sie nach Jesus?

Was wir von ihm wissen, erfahren wir praktisch ganz und gar aus den vier Evangelien, also aus den ersten schriftlichen Aufzeichnungen, die aufmerksame Begleiter oder Zuhörer von Jesu Worten und Taten machten. Es sind vier verschiedene Sichtweisen, die es immer wieder neu richtig zu entschlüsseln gilt. So manche Ausschmückung und Zutat ist im Laufe der Zeit hinzugekommen, aber es geht immer um das Gesamtbild über diesen Jesus in den Evangelien. Dabei ist jedes Wort, jedes Buch über ihn bereits ein Glaubensbekenntnis.

Wer jetzt aber allein mit wissenschaftlichen Mitteln an das Evangelium herangeht und Buchstabenklauberei auf noch so fromme Art und Weise betreibt, wird nichts finden. Vielmehr sollen wir am Evangelium reifen.

Wie wir das Evangelium lesen und vor allem was wir von Jesus glauben, ist immer auch eine Aussage über uns selbst.

Wunderbar einfach drückt es Heinz Zahrnt aus: Ich glaube an den Jesus seinen Gott!

Der christliche Glaube kann nur begeistern, wenn sich das Christentum nicht einfach abspeisen lässt. Es ist wie beim Fast Food: Nur im Vorübergehen konsumieren, ist ungesund. Wir dürfen, ja wir sollen um das Brot ringen und den Wein prüfen. Das Evangelium will nicht einfach bloß gewohnheitsmäßig angehört, sondern miteinander geteilt und gelebt werden, zumindest was wir davon verstanden haben.

Unerfüllte Herausforderungen des Evangeliums gibt es zu allen Zeiten. Wie sehr hat doch ein Jesus von Nazareth seine Zeitgenossen schockiert, wenn er bedingungslos Herren und Knechte gleichstellt, die Trennung in Machthaber und Machtlose verurteilt, sich zu jedem an den Tisch setzte und seine Autorität auf Einfachheit und Augenhöhe aufbaute. Dennoch werden bis heute Menschen aus unserer Tischgemeinschaft ausgeschlossen und in der Institution nur zu gerne von oben nach unten regiert.

Christsein bedeutet aber immer mehr als einer Institution anzugehören, vor allem weil diese selbst zu jeder Zeit zum Evangelium hingeführt werden muss.