Der als „Popkaplan“ und Buchautor („Klartext, Bitte!“) bekannt gewordene Pfarrer Christian Olding äußerte sich im Interview mit Nadine Voglsberg von der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) kritisch zur aktuell in Rom stattfindenden Jugendsynode, bei der noch bis zum 28. Oktober im Vatikan 267 Bischöfe, 23 externe Fachleute und 49 Gasthörer tagen. Seine Erwartungen an das Treffen sind sehr gering.

Der Pfarrer fordert in dem Interview von der Kirche „einen anderen Tonfall“. Sie dürfe nicht mehr nur als mahnend und kritisierend auftreten. Die meisten Jugendlichen seien „auf alle Fälle“ kirchenfern, weil die Institution für viele Jugendliche an Glaubwürdigkeit „wahnsinnig verloren“ hat und die Lebenswelten von Kirche und Jugendlichen weit auseinander liegen, so Olding. Wem jetzt erst auffällt, dass die Jugendlichen in Sachen Homosexualität und Partnerschaft nicht mit den katholischen Idealen übereinstimmten, dem könne er nur sagen:

„Hallo wach! Wo wart ihr die letzten Jahrzehnte?“

Für eine Wiederannäherung sei es viel wichtiger einen Mehrwert des Christentums für die Alltagsgestaltung zu vermitteln als sogenannte katholische Werte wie Sakramente, der Gottesdienstbesuch und bestimmte Verhaltensweisen. Dazu sagt der 35-jährige:

„Wir müssen ihnen (den Jugendlichen) das Christentum in seiner Plausibilität erst mal wieder nahebringen – warum es sich denn lohnt, überhaupt christlich zu leben, oder was der Mehrwert davon ist, mit dem Christentum seinen Alltag zu gestalten.“

Dazu plädiert er „für den Grundsatz ‚Learning by doing'“. In den kirchlichen Gemeinden sollten junge Menschen erfahren können, wie Christen leben. Dazu betont Olding:

„An der Art und Weise, wie sie (Christen) ihren Alltag anpacken, muss man merken, dass da etwas anders ist.“

Auch Christen seien mit „ganz normalen Dingen“, mit Stress, Sorgen, Ängsten, Nöten und Verlusten konfrontiert wie jeder andere auch. Der Umgang eines Christen damit sei es, der Menschen zum Nachdenken bringen kann, dass da etwas anders sein muss „im Vergleich zu jemandem, der nicht glaubt“, so Olding.

Insbesondere junge Menschen müssten „das Besondere der Christen“, an dem, was sie im Alltag ausstrahlen, erkennen können. Dieses Besondere müsste sich am Arbeitsplatz , zum Beispiel von Lehrern oder Bankern, zeigen, so Olding. Und weiter:

„Im Grunde müsste das Christentum an Menschen, denen Jugendliche im Alltag begegnen, sichtbar und deutlich werden.“

Ein wichtiger Wert im Christentum, der junge Menschen in ihrer Sehnsucht anspricht, ist nach Ansicht von Christian Olding der Wert der Verlässlichkeit, wie er sich im verlässlichen „Ja“ in der Ehe zeigt. Dazu sagt er:

„Wir haben ja diese wahnwitzige Idee, dass man auf zwei Buchstaben ein ganzes Leben gründen kann. Da glaube ich natürlich schon, dass das mit Gottes Hilfe gelingen kann.“

Bei der Gestaltung von Gottesdiensten plädiert Olding für eine „moderne Inszenierung“, die auch ältere Menschen anspricht. Die moderne Inszenierung sei etwas, was die Kirche ursprünglich „super gekonnt“ habe, aber bei der Gestaltung von Gottesdiensten sei sie „irgendwie“ stehengeblieben.

Von der aktuell stattfindenden Jugendsynode der Bischöfe in Rom, von der die allermeisten Jugendlichen eh nichts mitbekommen haben, erwartet Christian Olding indes nicht viel und sagt:

„Denn wenn sich – böse formuliert – Senioren Gedanken über die Lebenswelten von Jugendlichen machen und dann Entscheidungen fällen wollen, ist das für mich schon ein kleiner Widerspruch in sich.“

Und weiter:

„Und wenn Frauen noch nicht einmal stimmberechtigt sind, sondern nur ‚ihre Stimme kundtun‘ dürfen, dann muss ich sagen: Okay, super, man hat da wieder ein Setting, das fernab der Jugend und jeder gesellschaftlichen Entwicklung steht.“

Abschließend bringt Christian Olding zum Ausdruck, dass ein Perspektivwechsel von Institutionsseite notwendig ist. Es gehe in erster Linie heute darum, „den Jugendlichen Angebote zu machen, wofür die Kirche und die Frohe Botschaft steht“. Die Menschen seien „dieses ständige Verurteilen“ und die Debatten darüber, „was man wieder nicht will“, sowie „dieses Debattieren um Homosexualität“ schlichtweg Leid. Überhaupt betont Olding:

„Die Lebenswirklichkeit sieht anders aus, der pragmatische Umgang vor Ort sieht anders aus. In vielen Pfarreien werden gleichgeschlechtliche Paare schon lange gesegnet. Da interessiert es herzlich wenig, was von Rom wieder verkündet wird.“

Der als „Popkaplan“ und Autor mehrerer Bücher bekannt gewordene Pfarrer Christian Olding ist Priester und Lehrer in Geldern am Niederrhein. Regelmäßig spricht er im Video-Format „Klartext“ von katholisch.de über aktuelle Themen aus Kirche und Gesellschaft.

Quellen: kirche-und-leben.de und katholisch.de