Foto: NASA/Paul Alers, Stephen hawking 2008 nasa, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

In diesen Tagen erschien posthum ein Buch des britischen Astrophysikers Stephen Hawking, der am 14. März dieses Jahres verstarb, in dem er kurze Antworten auf große Fragen geben möchte. Dabei geht es auch um die Gottesfrage.

Bereits in seinem Buch „Der große Entwurf“ mutmaßte Hawking, dass ein Schöpfergott überflüssig sei und das Universum sich spontan aus dem Nichts selber erschaffen habe. Ursache der Ganzen sei ein Zufallsprozess, den Hawking in diesem Buch mit mathematischen Modellen über Paralleluniversen beschrieb, in denen andere Naturgesetze als in unserem Universum gelten würden. Dass er damit selbst einen Glaubensansatz kreierte und die wissenschaftliche Bühne damit verließ, kritisierten seinerzeit nicht zuletzt der Astrophysiker Harald Lesch sowie der Philosoph Wilhelm Vossenkuhl, als sie bei einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Die großen Denker Lesch & Vossenkuhl beantworten Fragen“ danach gefragt wurden.

Harald Lesch kritisierte dabei den großen Kategorienfehler, den Hawking in seinem Buch „Der große Entwurf“ begehe, wenn er seine wissenschaftliche Kompetenz mit seinem Plädoyer für Atheismus vermische. Lesch weiter:

„Das sollte man nicht tun.“

Dadurch dass in Hawking’s Buch am Anfang „ordentliche Wissenschaft populär dargestellt“ werde und es dann zu dem „riesigen Kategorienfehler“ komme, auf einmal über etwas schreiben zu wollen, „was aber ansonsten in dem Buch nichts zu suchen hat“, so Lesch mit deutlichen Worten, entstehe ein falscher Eindruck. Weiter betonte Harald Lesch, der auch Philosophielehrer ist, bei dieser Diskussion:

„Ich glaube, dass es ganz schlimm ist, wenn Naturwissenschaftler auf einmal anfangen so zu tun, als hätten sie die Kompetenz über Begriffe zu reden, die mit ihrer Wissenschaft nichts zu tun haben.“

Dass, was Wissenschaftler wie Hawking und auch Richard Dawkins über Gott und die Welt schreiben, habe mit ihrer Wissenschaft nichts zu tun. Es werde aber der Marketingeffekt erzeugt, dass denjenigen, die sich über den Anfang des Universums Gedanken machen können, gleichzeitig die Kompetenz zukomme über Gott sprechen zu können. Dem sei aber nicht so, so Lesch weiter.

So definiert Stephen Hawking ‚Gott‘ als Begriff für etwas, was Menschen nicht verstehen. Diese Definition ist jedoch entfernt von der Liebe, die sich in dieser Welt in Jesus zeigt, weshalb Papst Benedikt XVI. einer Enzyklika über Gott den Namen gab: „Deus Caritas est (Gott ist Liebe)“.

Harald Lesch empfiehlt Wissenschaftlern wie Hawking und Dawkins, die meinen über Gott schreiben zu müssen, zuerst einmal bei einem Theologen oder Philosophen in die Lehre zu gehen. Weiter empfiehlt er: Um beim Leser keinen falschen Eindruck zu erwecken, sollten Naturwissenschaftler, wenn sie von ihrer wissenschaftlichen Kompetenz ausgehend über Gott schreiben, fairerweise folgenden Satz voranstellen:

„You are leaving the physical or biological sector of this book.“

Vossenkuhl betonte in dieser Diskussion, dass er den Atheismus für „viel zu fromm“ halte. An die Stelle Gottes trete nun der Wissenschaftler.

Welche Verwirrung dadurch entsteht, wird ersichtlich, wenn die Moderatorin Maybrit Illner in der Anmoderation zu Hawking’s Buch „Der große Entwurf“ tatsächlich Hawking als allwissend bis allmächtig darstellt und den Satz fallen lässt:

„Der Kosmos, den er in seinem neuen Buch entwirft, ist riesengroß. Fast so groß wie sein eigener.“

Vossenkuhl resümiert schmunzelnd mit Blick auf Hawking und Dawkins:

„Es ist eigentlich sehr erfrischend, wenn jemand mutig etwas sagt, auch wenn es völlig falsch ist.“

Im neuen Buch „Kurze Antworten auf große Fragen“ rudert dann Stephen Hawking in gewisser Weise posthum selber wieder etwas zurück. Das erste Kapitel trägt den Titel „Gibt es einen Gott?“. Dies sei „eine berechtigte Frage im Bereich der Wissenschaft“, erklärt Hawking abermals, drei Seiten nachdem er versichert hat:

„Dabei habe ich gar nichts gegen Gott. Auf keinen Fall möchte ich den Eindruck erwecken, in meiner Arbeit gehe es darum, die Existenz Gottes zu beweisen oder zu belegen.“

Genau diesen Eindruck hat er in seinen populärwissenschaftlichen Büchern aber erweckt, und das war auch ein Grund für seinen Ruhm.

Abermals wirft er auch in diesem Buch die Frage auf, ob „die Art und Weise, wie das Universum anfing, aus Gründen, die wir nicht verstehen können, von Gott gewählt oder durch ein wissenschaftliches Gesetz bestimmt“ worden sei. Dazu betont er, dass er „Letzeres“ glaube und führt fort:

„Wenn Sie wollen, können Sie die wissenschaftlichen Gesetze ‚Gott‘ nennen, aber das wäre dann kein persönlicher Gott, dem Sie begegnen und Fragen stellen könnten.“

Und weiter:

„Doch wenn es einen solchen Gott gäbe, würde ich ihn gerne fragen, ob er sich etwas so Kompliziertes wie die verallgemeinerte String-theorie oder die M-Theorie in elf Dimensionen ausgedacht hat.“

So ganz los ließ Hawking der Glaube an einen persönlichen Gott zeitlebens wohl doch nicht.

Über sich selbst stellt er in seinem letzten Buch nüchtern fest, dass er für seine Kollegen nur ein Physiker wie jeder andere gewesen. Für die Öffentlichkeit aber sei er der bekannteste Wissenschaftler der Welt – weil es in den Naturwissenschaften, außer Einstein, keine Rockstars gebe und „ich dem Klischee des behinderten Genies entspreche“.

Quellen: promisglauben.de, YouTube.com, blick.ch, diepresse.com und rp-online.de

Foto: NASA/Paul Alers, Stephen hawking 2008 nasa, Public Domain (gemeinfrei)

Autor: Markus Kosian

 

Wir empfehlen an dieser Stelle unseren Beitrag Ist der Glaube an Got (ir)rational?“ sowie das Buch„Gott – eine kleine Geschichte vom Größten“ vom Psychiater und Theologen Manfred Lütz.

 

Hier der oben beschriebene 4-minütige Beitrag von Harald Lesch und Wilhelm Vossenkuhl: