Der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel brachte letztes Jahr das Buch „Ehrlichkeit ist eine Währung. Erinnerungen“ heraus (wir berichteten).

Nun sprach der 80-jährige im Bunte-Interview u.a. über sein Verhältnis zur Kirche. Dabei erzählte er von seiner Heimatgemeinde Seeg und wie wunderbar er es finde, dort uneingeschränkt am kirchlichen Leben teilzunehmen, obwohl er wiederverheiratet sei und nicht jede Lehrmeinung der Kirche teile. Er verhält sich liberal, wenn er sagt:

„Ich bin dafür, dass Frauen auch Priesterinnen sein dürfen. Jesus hat die Frauen nicht ausgeschlossen.“

Weiterhin sprach er sich gegen das Pflichtzölibat aus, da es seiner Ansicht nach nicht in der Bibel geboten sei. Enttäuscht zeigt er sich von Papst Benedikt, der seiner Meinung nach mit zunehmendem Alter immer konservativer geworden sei.

Auch wenn Theo Waigel mit kirchlichem Personal nicht nur gute Erfahrung machte, hielt ihn das nicht vom Glauben und der Kirche an sich fern. Obwohl er mit 12 Jahren von einem Mesner geohrfeigt wurde und daraufhin mit dem Ministrieren aufhörte, hält er bis heute an seinem Glauben fest und nimmt an den kirchlichen Festen und Gottesdiensten teil.

Die Sichtweise von Theo Waigel zeigt, dass der Glaube mehr ist als die Menschen, die ihn vertreten. Diese Ansicht unterstrich auch due Theologin Veronika Hoffmann beim Theologie-Forum am 4. Januar auf der Mehr-Konferenz in Augsburg, die täglich von 12.000 Menschen besucht wurde. Zu ihrem Vortrag resümiert katholisch.de:

„Zweifel ist nach Ansicht der Theologin Veronika Hoffmann kein Zeichen eines schwachen Glaubens.“

Weiter betonte Veronika Hoffmann:

„Auch der Glaube muss erwachsen werden.“

Quellen: Bunte vom o9.01.20 (S. 72), katholisch.de (1), focus.de, katholisch.de (2)

Autorin: Stefanie Maier