Pater Christoph Kreitmeir: „Sehnsucht ist das Lebenselixier“
In seiner Predigt zum 3. Fastensonntag (Lesung: Ex 17, 3-7; Evangelium: Joh 4, 5-42) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir die enge Verbindung zwischen Sehnsucht und Spiritualität.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:
Vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit einem Mann, der auf Zuraten seines Doktors eines meiner Bücher gelesen hatte und daraufhin das Gespräch mit mir suchte. Bald wurde ein gemeinsamer Termin gefunden. Nach anfänglichem Kennenlernen und Sich-austauschen über den Inhalt des Buches und warum er ihn so angesprochen hatte, wurde das Gespräch immer tiefer.
Stationen seines Lebens, belastende und beglückende, kamen zur Sprache. Dieser in seinem Leben erfolgreiche Mann von Mitte Fünfzig dachte schnell, sprach schnell und antwortete schnell. Er sagte zum Beispiel: „Ich denke meine Gefühle, sie sind im Kopf.“ So war einer meiner Impulse der, ihn in seiner Geschwindigkeit zu verringern und ihm dadurch die Chance zu geben, an seine Gefühle heran zu kommen.
Das Gespräch wurde langsamer, ruhiger, er wurde ernster und auf meine Bitte, sich Zeit zu nehmen und zu spüren, welches Gefühl nun aus der Tiefe seiner Seele hochkommen will, flossen auf einmal Tränen über sein Gesicht. „Sehnsucht“; „Ich fühle mich nur halb“; „Ich möchte mich mit dem Dunklen in meinem Leben versöhnen“.
Das Gespräch bekam einen Wert und eine Tiefe, die ich nicht missen möchte. Wir werden uns wieder treffen, austauschen und nach Quellen des wahren Lebens suchen.
„Sehnsucht“; „Ich fühle mich nur halb“; „Ich möchte mich mit dem Dunklen in meinem Leben versöhnen“. Genau diese Aussagen könnten auch über dem Leben der Frau am Jakobsbrunnen stehen, von der wir im Evangelium gehört haben. Diese Gefühle betreffen Männer und Frauen gleich.
Jesus kennt all diese Gefühle auch und er gibt seinen Gesprächspartnern und -partnerinnen immer wieder die Chance, in einer heilsamen Begegnung, an diese Gefühle heran zu kommen, sie zu spüren und dadurch besser mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Nicht selten konnte aus solch einer wertvollen Begegnung eine Richtungsänderung des bisherigen Weges entstehen.
„Alles beginnt mit der Sehnsucht“ (Nelly Sachs) Sie zieht uns wie ein Magnet und sie treibt uns an wie ein Schwungrad. Sie ist das Lebenselixier und führt zu den echten Quellen der Zufriedenheit, des Glücks und des Heiles.
Jesus gibt dieser Frau aus einer den Juden nicht unbedingt freundlich gesinnten Volksgruppe der Samariter die Chance, tiefer zu schürfen, über alle Trennungen und Verletzungen in ihrer Lebensgeschichte hinweg. Er bereitet den Weg zu einem spirituell-geistlichen Austausch, der Trennung überwindet und zum Gott des Lebens, auch des ewigen Lebens führt.
Eine Fachärztin für Radiologie, mit der ich befreundet bin, sagte einmal zu mir folgende Worte, die mich damals schon aufhorchen ließen: „Sehnsucht und Spiritualität sind eng miteinander verbunden. Die Sehnsucht führt mich zur Spiritualität. In dem Maße, wie ich mich nach Gott sehne, kann er in meinem Leben wirksam werden.“
Diese so wahren Sätze fallen mir bei der Begegnung von Jesus mit der Frau am Jakobsbrunnen wieder ein, denn diese Frau ist voller Sehnsucht nach mehr, wurde bisher aber nie mit dem zufrieden gestellt, was sie so erlebte.
Ein Gespräch zwischen Jesus und ihr entwickelt sich, welches sich wie ein Eimer beim Wasserschöpfen am Brunnen immer tiefer zu den wirklich wichtigen Dingen hinabsenkt, die einen Menschen bewegen:
- Woher bekomme ich „lebendiges Wasser“, das meinen Lebensdurst wirklich löscht und nicht mehr zu sprudeln aufhört?
- Wann findet meine Sehnsucht nach einem erfüllten und gelungenen Leben wirklich den Heimathafen auf der Irrfahrt durch´s Leben?
- Wie finde ich durch den ermüdenden Alltagstrott hindurch zu einer geistig-spirituellen Frische und zu einer seelischen Widerstandskraft, die mich das Leben nicht nur bewältigen lassen, sondern zu wirklichem Glück führen?
Die Begegnung Jesu mit der Frau, die fünf Männer hatte, mit einem sechsten nun unverheiratet und somit unerlaubt zusammenlebt und noch immer nicht das Glück und die Zufriedenheit finden konnte, schenkt ihr den siebten Mann, nämlich Jesus.
Die Zahl Sieben bedeutet in der Bibel immer Fülle und Erfüllung. Jesus hat ihr Besseres anzubieten. Ihre nicht erschlaffte Sehnsucht findet in ihm Erfüllung. Jesus ist die wahre Quelle, die ihr erfüllendes, gelingendes, beglückendes und ewiges Leben hervorsprudelt.
Die Geschichte der Samariterin am Jakobsbrunnen, der Fachärztin für Neurologie oder des Mannes, der ein Gespräch mit mir suchte, eigentlich unser aller Geschichten, ob wir Männer, Frauen, religiös, nicht religiös, andersgläubig, Ausländer oder Deutsche sind, zeigt:
Wenn Du Dich wirklich auf die Suche machst, dann kommt Dir das Gesuchte entgegen!
Wenn Du Dein Inneres wieder frei legst, ihm begegnest, dann spürst du, wo du auf Holzwegen unterwegs bist und wo der für Dich freimachende Weg ist. Die österliche Bußzeit, die Fastenzeit will uns neu die Chance geben, uns selbst und unserer Sehnsucht zu begegnen. Denn, wenn Du Dich wirklich auf die Suche machst, dann kommt Dir das Gesuchte entgegen! Amen.
Hinweis: Mehr geistliche Impulse von Pater Kreitmeir gibt es auf seiner Webseite unter:



