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Pater Christoph Kreitmeir: „Der Hl. Geist ist denen gegeben, die an Jesus glauben“

In seiner Predigt am 6. Sonntag nach Ostern (Lesung: Apg 8, 5-8. 14-17; Evangelium: Joh 14, 15-21) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir den Heiligen Geist als Akku, an den wir uns nur anschließen müssen, um gut, richtig, wahrhaftig und aufrecht leben zu können.

 

Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:

 

 

Jeder von uns kennt das Gefühl des Verlassenseins oder das Gefühl eines Verlustes eines geliebten Menschen. Früher oder später holt uns alle diese Tatsache ein, dass ein Mensch, dem wir sehr nahe gestanden sind, uns im Sterben verlässt. Seelisch und körperlich spürt man den Verlustschmerz, man erinnert sich an Gemeinsames und versucht es, wieder herzuholen. Wie gut und auch tröstend ist es dann, wenn man an gemeinsam Erlebtes, wenn man an den gemeinsamen Geist andocken kann, der die Beziehung ausmachte. Der Weggegangene ist dann wieder präsent und das Gemeinsame bestimmt weiter das Leben des Hinterbliebenen.

Genauso war es auch bei Jesus und seinen Jüngern. Kurz vor seinem Tod kündigte Jesus seinen Freunden an, dass er sie nicht als Waisen zurücklassen werde, weil der gemeinsame Vater im Himmel – Gott – ihnen einen Beistand schicken werde, der immer bei ihnen bleibt. Das griechische Wort „Parakletos“ bedeutet nicht nur Beistand, sondern auch Tröster, Fürsprecher, Anwalt und Mutbringer. Gemeint ist jemand, der an die Seite gerufen wird, um zu helfen.

Diese bleibende Kraft ist der Hl. Geist, den wir Christen in der Taufe und der Firmung empfangen haben.

Oft ist er verschüttet, in die hinterste Seelenecke verbannt oder einfach nur vergessen, er ist und bleibt aber der Akku, an den wir uns nur anschließen müssen, um gut, richtig, wahrhaftig und aufrecht leben zu können. Wes Geistes Kind jemand ist, zeigt sich im Laufe der Zeit durch sein Reden und Handeln.

Im Evangelium dieses Sonntags wird deutlich, wie sehr die Christen des ersten Jahrhunderts auf den Hl. Geist als ihren Beistand in allen wichtigen und schwierigen Fragen vertrauten.

In diesem Text wird der Hl. Geist nicht als Monopol verstanden, der von einigen wenigen in Jerusalem oder Rom verwaltet wird, auch nicht als magische Kraft, die die Getauften auf unerklärliche Weise „happy“ macht und sie ihre Sorgen vergessen lässt.

Der Hl. Geist ist denen gegeben, die an Jesus glauben und seine Jünger werden und die Beziehung zu ihm lebendig halten.

Seine Wirkung erkennt man an der Veränderung der Menschen und deren positiven Charaktereigenschaften, weil sie sich an die Weisungen Jesu halten. Dieser Geist ist nicht greifbar oder festhaltbar, seine Auswirkungen aber sind erfahrbar. Die erfahrbaren Früchte des Hl. Geistes sind ein geordnetes und wahrhaftiges Leben, Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (vgl. Gal 5, 22-23).

Im Laufe der Kirchengeschichte gab es immer wieder Zeiten, wo der Geist Gottes, der Hl. Geist, irgendwie kaum spürbar oder erfahrbar war. In diesen Zeiten bestimmten andere „Geister“ das Denken und Handeln der Christen: Macht, Ansehen, Reichtum, Kreuzzüge und Hexenwahn, aber auch einfach nur der Geist der Bequemlichkeit, der Feigheit, des Eigennutzes. Gott sei Dank erweckte der Hl. Geist, der von Gott Vater und vom auferstandenen Jesus Christus ausging, geisterfüllte Menschen, welche die notwendige Korrektur aufzeigten und vorlebten.

Wir Christen von heute glauben auch an den heiligen Geist, leben aber meistens so als ob es ihn nicht gäbe. Auch heute verirren wir uns in Geistlosigkeit und Unproduktivität und verlieren dadurch nach Innen und nach Außen an Kraft. Auch heute gibt es aber Menschen, die sich auf die Kraft des Hl. Geistes besinnen, sich an ihn neu andocken und für sich und andere das Ruder herumreißen.

Nicht mehr Resignation, sondern mutiges Tun, nicht mehr negative Kritik, sondern Freude bestimmen das Denken, Fühlen, Reden und Tun dieser Wegweiser zum Leben aus dem Geiste Jesu. Dieser Geist ist die Kraft, welche die Kirche zusammenhält und in allen Herausforderungen der jeweiligen Zeit begleitet.

Mit diesem Geist können wir uns auch heute noch in allen Enttäuschungen trösten. Auch in unserer Zeit können wir aus der Gewißheit, dass der Hl. Geist in uns lebt und wirkt, Kraft schöpfen und neue Lebensenergie tanken.

Das Johannesevangelium, aus dem wir heute gelesen haben, zeigt uns den Weg dazu, wie der Hl. Geist Wirkung zeigt: Dieser Weg führt über das Glauben an Christus, ja, noch mehr: Über das Lieben von Jesus. Wer Jesus liebt, der hält seine Gebote. Und dabei, so sagt es Jesus selbst, wird ER sich dem Christen offenbaren. Hören wir noch einmal die mutmachenden Worte Jesu im heutigen Johannesevangelium: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ (Joh 14, 21)

Amen.

Anbei das Lobpreislied „Atme in uns Heiliger Geist“ interpretiert von Andreas Schätzle & Pater Sandesh Manuel: 

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