Nina Proll: „Ich bin katholischer, als mir eigentlich lieb ist“

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Am 16. Oktober findet im Bénazetsaal des Kurhauses Baden-Baden der Event „Marc Marshall & Friends“ statt, der von musikalischer Vielfalt, überraschenden Begegnungen und der besonderen Atmosphäre des gemeinsamen Live-Erlebnisses lebt. Als Friends dabei sind diesmal die österreichische Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Nina Proll und der Sänger Tobias Künzel, der Mitglied und Frontmann der Gruppe Die Prinzen ist.

Wie Gastgeber Marc Marshall (wir berichteten) äußerten Nina Proll und Tobias Künzel in der Vergangenheit, dass Glaube und Spiritualität in ihrem Leben von Bedeutung sind.

Nina Proll berichtete im Januar 2020 im Interview mit „Wien heute“, dass sie sich seit ihrer Kindheit mit den Themen Sünde, Schuld und Beichte beschäftigt habe, da sie bei ihrer „sehr religiösen“ Großmutter aufgewachsen sei. Im Zuge der vielen gesellschaftlichen Diskussionen habe sie das Thema später wieder begonnen, zu interessieren. Seinerzeit war die Schauspielerin und Sängerin mit ihrem Programm „Kann denn Liebe Sünde sein?“ unterwegs, das im Wiener Rabenhof Premiere feierte (Mehr dazu siehe HIER).

In einem Gespräch mit dem Innsbrucker Bischof Hermann Glettler betont Nina Proll, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Sie unterscheidet dabei oft zwischen gelebten christlichen Werten und den starren Strukturen der Institution Kirche (siehe HIER). In diesem Gespräch schildert Proll, wie ambivalent ihr Verhältnis zur Kirche aufgrund ihrer Prägung ist. Sie sei von ihrer Großmutter „sehr katholisch“ erzogen worden, im Alter von 13 Jahren ins katholische Gymnasium Sacre Coeur im 3. Wiener Gemeindebezirk gegangen und habe den christlichen Glauben als „eine einzige Verbotsreligion“ vermittelt bekommen, in der „die Leichtigkeit des Seins, das Leben und die Freuden des Lebens“ als etwas Belastendes gesehen wurde. So kam sie zu folgender Feststellung:

„Ich habe mich durch Religion immer eingesperrt gefühlt.“

Im Gegensatz zu ihr habe ihr Mann Glaube und Kirche in seinem Umfeld als „etwas Freies“ erleben dürfen. Insbesondere im Jugendzentrum der Jesuiten habe er „viele tolle Erlebnisse“ gesammelt.

Zu den Erfahrungen, die Nina Proll in ihrer Kindheit mit Glaube und Kirche machte, sagte der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler:

„Es ist schade, wenn Religion oder Kirche nur als Lebensverhinderungsinstanz erlebt werden. Das Gegenteil sollte der Fall sein. Schon auf den ersten Seiten der Heiligen Schrift heißt es: Das Leben ist gut! Gott sah, dass es gut war! Lebenslust, ja auch sexuelle Lust ist nicht ein Produkt des Teufels, sondern ein Geschenk Gottes.“

Hinweis: Das spannende Gespräch zwischen Nina Proll und Bischof Herrmann Gletter, in dem es u.a. um Themen wie „die Würde des Menschen“, die Bedeutung des Satzes „Ich bin nicht würdig“ in der Heiligen Messe vor der Kommunion, die Bedeutung der Eucharistie, die Freiheit des Menschen und die Erbsünde geht, gibt es:

HIER

 

Nina Proll ist bereits vor längerer Zeit aus der Kirche ausgetreten. Im Interview mit dem Kurier, erklärte sie im Jahr 2012 dazu, dass sie zwar an eine höhere Macht glaubt, die offiziellen kirchlichen Dogmen und Strukturen sie jedoch stören.

Im Interview mit der Kronen-Zeitung sprach Nina Proll im Oktober 2025 auch über ihre Prägung durch ihre Großmutter und ihr ambivalentes Verhältnis zu Glaube und Kirche. Ihre Großmutter väterlicherseits war Sudentendeutsche und wurde, wie drei Millionen andere, nach Ende des Zweiten Weltkrieges aus der Tschechoslowakei vertrieben. Bei ihrer Flucht war die zweifache Mutter 33 Jahre alt und hatte eine halbe Stunde Zeit, Hab und Gut in einen Leiterwagen zu packen, um sich in der Fremde eine neue Existenz aufbauen zu können.

Nina Proll berichtete gegenüber der Kronen-Zeitung, dass ihre Oma als Witwe ihre Kinder allein großziehen musste und es ihr gelang, ein Haus zu kaufen und ein neues Leben aufzubauen, auch wenn sie „das Trauma der Vertreibung nie ganz überwunden“ habe. Ihre Großmutter habe in ihrer Religion „Trost“ gefunden und sie als kleines Mädchen „täglich mit in die Kirche oder zum Friedhof genommen“, berichtete die Schauspielerin und erklärte zu ihren dabei gemachten Erfahrungen:

„Das hat in mir eine tiefe Ehrfurcht vor dem Tod bewirkt, aber auch eine gewisse Rebellion gegen die Kirche als Institution.“

Halt und Sicherheit habe sie in ihrer Kindheit dadurch erfahren, dass ihre Großmutter „immer für uns verfügbar“ gewesen sei. Dazu betont Nina Proll:

„Meine Oma war vor allem eines: immer da.“

Die guten Mehlspeisen und die Fähigkeit ihrer Oma, „aus wenig viel machen“, behielt Nina Proll in besonders guter Erinnerung. Diesbezüglich versuche sie, ihr nachzueifern, erklärt die Schauspielerin und stellt mit Blick auf die Prägung durch ihre Oma insgesamt fest:

„Ich merke es daran, dass ich manchmal katholischer bin, als mir eigentlich lieb ist.“

 

Prinzen-Frontmann Tobias Künzel, der neben Nina Proll beim diesjährigen „Marc Marshall & Friends“-Event teilnehmen wird,  äußerte sich im Januar 2025  im Interview mit der konservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zum Glauben an Gott (wir berichteten).

Der Sänger, der einst Schüler der Leipziger Thomasschule war und 1973 in den Thomanerchor aufgenommen wurde, feiert seit Anfang der 1990er mit der Popgruppe Die Prinzen, die zu den erfolgreichsten deutschen Bands gehört, mit Hits wie u.a. „Millionär“, „Mann im Mond“, „Alles nur geklaut“ oder „Deutschland“ große Erfolge.

Gegenüber der „Jungen Freiheit“ beantwortete Tobias Künzel einen standardisierten Fragebogen, in dem er u.a. darüber Auskunft gab, was er gerne verändern würde, was ihm wirklich wichtig ist, woran er glaubt und welche Werte für ihn von Bedeutung sind.

Wie in seinem Lied „Bombe“ aus dem Jahr 1992 stellte sich Künzel erneut gegen aufkommenden Extremismus. Auf die Frage, was er verändern möchte, betonte der Sänger mit Blick auf die Wendezeit Ende der 1980er Jahre in der damaligen DDR:

„Ich möchte nicht, dass alte Muster aus meiner Kindheit und Jugend, gegen die ich 1989 auf Leipzigs Straßen demonstriert habe, sich wieder in unser Land einschleichen.“

Kompetenz und Inhalt seien für ihn wichtiger als die Form, fügte er an.

Danach gefragt, woran er glaube, erklärt Tobias Künzel:

„Ich hoffe, es gibt Gott tatsächlich.“

Diese Hoffnung begründete er mit sich bildenden Religionsersatz bei schwindenden geoffenbarten Glauben. So sagte er, dass ihm „schon viele Ideologien, ‚historische‘ und ‚wissenschaftliche‘ Fakten als absolute Wahrheiten verkauft“ worden seien und dass seiner Ansicht nach heutzutage „eine neue Art Religiosität [herrsche], mit Menschen im Bundestag, die eher einen Guru-Status als den eines Politikers haben“. Weiter fügte Künzel an, dass er „die Leichtgläubigkeit vieler Menschen, die darauf reinfallen“, für gefährlich halte.

Als wirklich wichtig für sein Leben benannte er Liebe und Vernunft. Auch teilte er mit, dass ihm die Endlichkeit des Lebens durch den Tod seiner Eltern und seines Bruders in den vergangenen beiden Jahren deutlich wurde und ihm dabei bewusst wurde, dass der Tod für die Hinterbliebenen „am schlimmsten“ sei. An seine Kinder wolle er als wichtige Werte weitergeben, „dass man auf Dauer nicht auf Kosten anderer leben kann und dass man keinen dafür bestrafen darf, weil er fleißig ist und etwas erschafft“, so Künzel.

 

Quellen: badenbadenevents.de, krone.at, kurier.at, wien.orf.at, hermannglettler.com, jungefreiheit.de, promisglauben.de

Hinweis: Weitere Informationen zum Event „Marc Marshall & Friends“ am 16. Oktober 2026 finden Sie auf der Landingpage „Marc Marshall & Friends“. Alle Details zur aktuellen Veranstaltung sowie Informationen zu Tickets und Mitwirkenden gibt es auf der Veranstaltungsseite.