Foto: PromisGlauben e.V.

Der Benediktinerpater und Bestsellerautor Anselm Grün gab anlässlich seines neuen Buches „Was gutes Leben ist“ (Verlag Herder) dem Fernsehmagazin rtv ein Interview, in dem er u.a. über gutes Leben nach Corona sowie über die dem Menschen grundgelegte Sehnsucht nach Gott spricht.

Gegenüber rtv äußerte der 75-jährige Ordensmann die Hoffnung, dass die Welt nach der Pandemie eine bessere sein möge. Dazu sagte er:

„Ich hoffe, dass sich diese Krise zum Positiven auswirken wird, dass die Menschen nachdenklicher werden, dass sie mehr über unsere Mobilität nachdenken – wo ist sie notwendig, und wo nicht – und dass wir solidarischer werden“

Die Krise haben der Menschheit vor Augen geführt, „dass wir alle verbunden sind“ und „achtsam“ mit der Verantwortung für die ganze Welt umgehen müssen.

Die Grundzüge eines guten Lebens sieht Anselm Grün in einer Mischung aus „Einklang mit sich selber“ und der Übernahme von Verantwortung für andere.

Als Ordensmann kennt er die Erfahrung, zurückgezogen zu leben, allzu gut. So formuliert er die Chance, die er in Zeiten der Pandemie erkennt, wie folgt:

„Ich denke, die Herausforderung der Quarantäne ist, sich selber aushalten zu können und seiner eigenen Wirklichkeit begegnen, Selbsterkenntnis, und nicht zu fliehen in 1000 Aktivitäten, zu spüren: Was ist der Sinn meines Lebens.“

Weiter sei es wichtig, mit „all den Gedanken und Emotionen“, die wir in uns tragen, umgehen zu lernen.

Eine Gefahr sieht Grün in den in der Krise auch hörbaren Statements, die ernsthaft älteres oder krankes Leben als weniger wertvoll bezeichneten. Wenn dies geschehe, dann führe dass zu einer „Brutalität auch in der Gesellschaft“, die sich aus der Haltung „Die Alten sollen möglichst schnell verschwinden“ ergebe. In Äußerungen, die in die Richtung ‚Kranke kosten uns zu viel, lassen wir die lieber schneller sterben‘ gehen, sieht der Benediktinermönch „gefährliche Tendenzen“. Diesbezüglich betonte der 75-Jährige:

„Die Achtung des Lebens gehört zum Menschen!“

Auch äußerte sich Anselm Grün zum Wert des Glaubens, der in seinen Augen immer vom Dialog abhänge, für die Orientierung im menschlichen Leben. Dazu erklärte er:

„Ich glaube, dass die Menschen Sehnsucht haben nach Glauben, nach gesunder Spiritualität.“

Er wolle mit seinen Büchern und Vorträgen diese Sehnsucht ansprechen, ohne dabei über den status quo zu jammern. Vielmehr betont er in diesem Zusammenhang:

„Meine Aufgabe ist, an die Sehnsucht der Menschen zu glauben, und wenn ich an die Menschen glaube, dann kann ich sie auch ansprechen.“

An die Kirchen appelierend sagte Grün, dass es gelte, „Sprache und Rituale zu finden, die die Menschen heute ansprechen“.

Quellen: rtv.de, herder.de

 

Vor zwei Jahren sprach Anselm Grün im Interview mit uns über die Sehnsucht des Menschen nach Gott: