Im Frühjahr 2017 interviewte Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Wochenzeitung Die Zeit, Papst Franziskus. In einem spannenden Gespräch entlockte der 61-jährige Journalist dem Kirchenoberhaupt der katholischen Kirche, dass er selbst auch „die leeren Momente“ im Leben kenne. Nun sagte sagte di Lorenzo, der sich selbst zum katholischen Glauben bekennt (wir berichteten) gegenüber „Klartext“, dem Magazin des Ausbildungsjahrgangs 58A der Deutschen Journalistenschule in München, dass ihn das Gespräch mit Papst Franziskus so beeindruckt wie kein anderes und er heute noch immer gerne daran zurückdenke.

So habe ihn besonders berührt, dass Papst Franziskus offen über seine Zweifel und Sünden geredet habe und zudem zum Ausdruck brachte, dass er das Gefühl der Gottverlassenheit kenne. Dies war so spannend, dass di Lorenzo gar nicht erst dazu kam, den Papst nach dem Zölibat oder den Missbrauchsfällen zu fragen, weshalb das Gespräch dann „unendlich viel ergiebiger“ gewesen sei, so der Journalist.

Am Schluss habe der Papst zu ihm gesagt: „Beten Sie für mich.“ Auch das sei „sehr, sehr berührend“ gewesen.

Auch von Papst Johannes Paul II. zeigte sich Giovanni di Lorenzo vor einigen Jahren sehr beeindruckt. So berichtete er in seinem vor 10 Jahren erschienenen Buch „Wofür stehst Du?“, dass er das Leiden und Sterben von Papst Johannes Paul II. tief betrauert habe. So habe er sich wenige Stunden vor dem Tod des Papstes am 2. April 2005 auf den Weg zur St. Hedwigs-Kathedrale in der Nähe des Berliner Gendarmenmarkts gemacht. Über das dort Erfahrene berichtete Giovanni di Lorenzo wie folgt:

„Es war schon spät, und in der Kirche waren viele junge Leute, die nicht so aussahen, als seien sie geübte Besucher von Gottesdiensten. Wir zündeten Kerzen an und verharrten in Andacht. In diesem Moment fühlte ich mich ganz und gar eins mit meiner Kirche.“

Und weiter:

„Das Gefühl war: Nicht wir waren ihm, dem Papst, im Sterben nahe, sondern der Papst war sterbend bei uns.“

Weiter erklärte der Zeit-Chefredakteur seinerzeit in seinem Buch, dass ein Kirchenaustritt ihm trotz Phasen des Zweifels, trotz massiver Verfehlungen der Kirche nie in den Sinn gekommen sei. Zudem betonte er:

„Ich habe Angst davor, dass ein religiöses Bekenntnis als aufdringlich empfunden wird. Aber Kirche ist von meinem Leben nicht zu trennen.“

Als Giovanni die Lorenzo im Juni 2019 auf dem 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund eine Bibelarbeit zu Hiob 2,7-13 aus dem Alten Testament gestaltete, bekannte er sich im Laufe seines Vortrages dezent zu seinem Glauben:

„Ich bin, das habe ich bisher taktvoll verschwiegen, Katholik.“

Auch wenn er „voller Zweifel“ sei, halte er an seinem Glauben fest, erklärte di Lorenzo weiter.

Quellen: katholisch.de, zeit.de, domradio.de, pro-medienmagazin.de (1), freundederkuenste.de, pro-medienmagazin.de (2), promisglauben.de