Bundestrainer Joachim Löw hat sich emotional und mit intensiver Gesellschaftskritik in einer Videokonferenz zur Coronavirus-Pandemie zu Wort gemeldet. Mit nachdenklich stimmenden Statements machte er deutlich, worauf es aus seiner Sicht in diesen Krisenzeiten ankommt. In der Vergangenheit erwähnte er mehrmals, dass ihm die christlichen Werte Orientierung geben.

Der Trainer der deutschen Nationalmannschaft rief aktuell sichtlich angefasst zur Mäßigung im Kapitalismusdenken und zu mehr Empathie auf. U.a. betonte der 60-Jährige:

„Die Welt hat einen kollektiven Burn-out erlebt. Die Erde scheint sich zu wehren gegen den Menschen, der immer denkt, dass er alles kann und alles weiß.“

Zuletzt hätten „Machtgier, Profit und Rekorde“ im Vordergrund gestanden. „Das Tempo, das wir vorgegeben haben, war nicht mehr zu toppen“, so Löw in der Videokonferenz des DFB.

Angesichts dessen plädierte er für Entschleunigung und appellierte die wirklich wichtigen Dinge nun in den Blick zu nehmen. Dazu äußerte Joachim Löw:

„Jetzt haben wir etwas erlebt, was uns auf die wirklich wichtigen Dinge schauen lässt: Familie, Solidarität, tiefes Nachdenken steht über Aktionismus.“

Weiter erklärte, worauf es seiner Meinung nach im menschlichen Leben ankommt:

„Wir Menschen müssen aufeinander schauen, achtsam sein und uns an die Regeln halten, die jetzt vorgegeben sind. Jetzt müssen wir alle zeigen, dass wir es auch anders können, dass wir respektvoller miteinander umgehen können.“

Und:

„Der Fußball steht hinten an, aber jetzt geht es erstmal darum, wie kann ich meiner Familie, meinen Freunden und meinen Nachbarn helfen.“

Der DFB-Präsident Fritz Keller brachte es in Anlehnung an den Sehnsuchtssong „Über den Wolken“ von Reinhard Mey auf den Punkt. Er betonte:

„Was gestern noch richtig und wichtig erschien, ist heute nichtig und klein.“

 

Mit dieser Videokonferenz setzten Fritz Keller und Joachim Löw aktuell ein deutliches Zeichen hin zu den Werten, die unsere Gesellschaft wirklich tragen.

Diesbezüglich äußerte Joachim Löw vor Jahren einmal, dass ihm die christlichen Werte Orientierung geben. Im Jahr 2012 zitierte ihn der Kölner Express mit folgenden Worten:

„Der Glaube gibt mir die Zuversicht, dass es stärkere Kräfte im Menschen gibt als den Egoismus.“

Im August 2006 führte die Bild-Zeitung ein Exklusivinterview mit dem damals neuen Bundestrainer Joachim Jöw und stellte ihm dabei auch die Gretchen-Frage. Dazu bekannte Löw, der in seiner Schwarzwälder Heimat Messdiener war und in der kirchlichen Jugend aktiv war:

„Ich glaube an Gott in dem Sinne, dass es eine höhere Weisheit und eine Form von Liebe und Uneigennützigkeit gibt, die in jedem einzelnen steckt. Ich bin katholisch, aber man kann aus jeder Religion lernen. Damit beschäftige ich mich hin und wieder.“

Auf die anschließende Frage, was ihm der christliche Glaube gibt, erklärte Löw damals (etwas mehr als ein Jahr nach dem Tod von Papst Johannes Paul II.):

„Der christliche Glaube gibt mir die Zuversicht, dass es stärkere Kräfte im Menschen gibt, als den Egoismus. Nehmen Sie den Gedanken der Nächstenliebe. Sehr bewegt haben mich die letzten Worte des Papstes Johannes Paul II: Ich bin froh, seid ihr es auch.“

Im Dezember 2011 brachte Jogi Löw im Interview mit der Badischen Zeitung seine Werteorientierung zum Ausdruck. In diesem tiefgründigen Interview sprach er neben seinem Werteempfinden u.a. auch über Weihnachten und mentale Tiefs.

Zur Frage, was ihn stärkt, betonte der Bundestrainer:

„Jeder Mensch sucht nach Glauben oder nach Halt. Es gibt das Erleben der inneren Stärke, der Ruhe, die einem Kraft gibt, um durchs Leben zu gehen.“

In dem Interview, dass rund um den 24. Dezember 2011 geführt wurde, erklärte er auch, dass er an Heiligabend in die Kirche geht. Zum Beten müsse er aber nicht in die Kirche gehen, vielmehr tue er dies auf seine Art, so Löw.

Weiter sagte er damals, dass er nicht von der Kirche abgerückt sei, auch wenn er „manches kritisch“ sehe.

Quellen: welt.de, sport1.de, spiegel.de, sportschau.de, pro-medienmagazin.de, kirche-mv.de, bild.de, badische-zeitung.de