John Lennox: „Der Gott der Bibel ist kein Lückenbüßer“

Für viele Menschen scheint es heute so, als stünden Gott und Wissenschaft im Widerstreit. Die einen glauben an den Schöpfer, die anderen an empirisch erklärbare Prozesse. Doch für den britischen Mathematiker Prof. Dr. John Lennox ist diese Vorstellung ein grundlegender Irrtum. In Gesprächen und Vorträgen über den Glauben macht Lennox deutlich, dass Gott und Wissenschaft nicht in Konkurrenz stehen, sondern sich ergänzen.

Im Gespräch mit Moderator Eric Metaxas von „Socrates in the City“ aus dem Jahr 2019 benennt Lennox den zentralen Denkfehler, der vielen Debatten zugrunde liegt:

„Der Fehler, der gemacht wird – und Richard Dawkins hat das stark vorangetrieben –, ist die Annahme, dass Gott und Wissenschaft als Erklärungen miteinander konkurrieren.“

Für ihn ist es unverständlich, warum man Menschen vor die Wahl stellt: „Entweder man glaubt an Gott oder an die Wissenschaft, aber nicht an beides“, warnt Lennox und widerspricht dieser Gegenüberstellung entschieden.

Ein wesentlicher Punkt seiner Argumentation ist das Gottesbild, das heute viele vertreten:

„Sie nehmen automatisch an, dass man an einen sogenannten Lückenbüßer-Gott glaubt. Ich kann Blitz nicht erklären, also erfinde ich einen Gott. Sobald man dann Atmosphärenphysik betreibt, verschwindet dieser Gott.“

Lennox zitiert damit gängige Missdeutungen. Doch der Gott, an den er selbst glaubt, sei kein Gott der Lücken, sondern der Schöpfer, der alles umfasst – das Verstandene und das Unverstandene.

Zur Untermauerung seiner Sicht verweist Lennox auf einen der bedeutendsten Wissenschaftler der Geschichte: Isaac Newton. Für Lennox ist es kein Zufall, dass gerade Newton, der Begründer der klassischen Physik, seinen Glauben nie als Gegensatz zur Wissenschaft verstand. Im Gegenteil: Newton habe sein wissenschaftliches Arbeiten ausdrücklich als Weg zum Glauben gesehen.

Lennox erinnert an das Vorwort der Principia Mathematica, jenes Werkes, das bis heute als eines der einflussreichsten Bücher der Wissenschaftsgeschichte gilt. Dort habe Newton geschrieben: „Ich hoffe, dieses Buch überzeugt denkende Menschen, an eine Gottheit zu glauben.“

Für Lennox ist diese Aussage entscheidend, weil sie zeigt, wie eng für Newton Erkenntnis und Glaube miteinander verbunden waren. Je tiefer Newton in die Gesetzmäßigkeiten des Universums eindrang, desto größer wurde seine Ehrfurcht. Lennox fasst diesen Gedanken so zusammen:

„Je mehr er [Newton] verstand, wie alles funktioniert, desto mehr bewunderte er die Genialität des Gottes, der es so gemacht hat.“

Diese Haltung teilt Lennox ausdrücklich selbst. Er sagt:

„Newtons Glaube – und auch mein Glaube an Gott – wächst.“

Und erklärt warum:

„Weil der Himmel immer detaillierter seine Herrlichkeit verkündet.“

Für den emeritierten Oxford-Professor zeigt Newtons Beispiel eindrücklich, dass wissenschaftliche Erkenntnis den Glauben nicht verdrängen muss. Im Gegenteil: Wer die Welt immer genauer versteht, kann gerade darin einen Grund sehen, ihren Ursprung nicht als Zufall, sondern als Ausdruck von Vernunft und Sinn zu begreifen.

Besonders klar wird John Lennox’ Kritik dort, wo er das Menschenbild des Atheismus betrachtet. Häufig werde heute behauptet: „Du bist dein Gehirn. Das ist eine verbreitete Ansicht.“

Lennox nimmt diese Aussage ernst und fragt nach ihren Konsequenzen. Um diesen Gedanken verständlich zu machen, greift Lennox auf ein Beispiel aus dem wissenschaftlichen Alltag zurück. Denken sei das zentrale Werkzeug jeder Forschung – vergleichbar mit einem Computer im Labor. Doch genau hier werde das Problem sichtbar:

„Wenn du wüsstest, dass der Computer in deinem Labor das Ergebnis eines geistlosen, ungelenkten Prozesses ist – würdest du ihm vertrauen?“

Die Antwort liege auf der Hand:

„Nein.“

Damit macht der Mathematik-Professor deutlich, worum es ihm geht. Wissenschaft setzt voraus, dass menschliches Denken verlässlich ist. Wenn diese Verlässlichkeit jedoch selbst keinen rationalen Ursprung habe, verliere auch wissenschaftliches Erkennen sein Fundament. Deshalb zieht Lennox seine zugespitzte, aber folgerichtige Schlussfolgerung:

„Atheismus, konsequent zu Ende gedacht, zerstört Rationalität.“

Aus diesem Grund sieht Lennox keinen Gegensatz zwischen Glauben und Wissenschaft. Im Gegenteil: Der Glaube an einen rationalen Schöpfer bildet für ihn das tragende Fundament, auf dem Wissenschaft überhaupt möglich wird. Wer die Welt erforscht, kann zugleich glauben, dass sie nicht nur funktioniert, sondern sinnvoll gedacht ist.

Anbei das Gespräch zwischen Moderator Eric Metaxas und Oxford-Professor John Lennox zum Nachsehen: 

HIER

 

In einem weiteren Gespräch aus der Reihe „Socrates in the City“ spricht der Oxford-Professor John Lennox mit Eric Metaxas über seine Faszination für die Mathematik und wie er dadurch die überraschende Verbindung zwischen Mathematik, Naturwissenschaften und Glauben entdeckte. Lennox erzählt, wie sein eigener Werdegang von einigen der größten frühen Mathematiker wie Galilei, Kepler und Newton und dem Glauben dieser Männer beeinflusst wurde. Sie tauchen ein in die Atomtheorie, den Materialismus und vieles mehr!

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