Links, feministisch, kirchenfern – danach suchten die Macher eines Internetprojekts der katholischen Kirche und fanden die Journalistin Valerie Schönian, die für dieses Internetprojekt einen Priester ein Jahr lang durch den Alltag begleitete. Von Mai 2016 an teilte sie den Alltag mit Franziskus von Böselager, einem Kaplan in Roxel bei Münster für ein Jahr. „Valerie und der Priester“ hieß das Projekt. Nun hat Valerie Schönian ein Buch mit dem Titel „Halleluja“ geschrieben über ihren Versuch, den Glauben und die Institution Kirche zu verstehen. Darüber sprach sie nun aktuell im Deutschlandfunk. Heute steht sie dem Glauben weitaus weniger skeptisch gegenüber als vor dem Projekt und befindet, dass es besser sei, Halt bei einer Kirche zu finden als in der AfD.

Im Interview mit Christiane Florin sagt Valerie Schönian, die evangelisch getauft und konfirmiert wurde, dass Gott darüberhinaus in ihrem Leben keine Rolle gespielt habe und sie über den Glauben nicht weiter nachgedacht habe, ihn eher für irrational gehalten habe. Als sie dann den Anruf für besagtes Projekt erhielt, war ihr erster Gedanke:

„Wie irre, da werden Menschen heutzutage tatsächlich noch Priester! (…) Als ich dann (…) gesehen habe, was die machen, dass die jeden Tag diese Hostie wandeln und glauben, dass das der Leib Christi ist – dann habe ich am Anfang tatsächlich gedacht: Wow, das ist irre.“

Was sie von Anfang an bei der Teilnahme an der Eucharistie gefesselt habe, „war die Zärtlichkeit von Franziskus, die bei diesem Akt in seinem Blick liegt, was das alles ausgestrahlt hat“.

Und weiter:

„Mittlerweile sehe ich nicht, hinterfrage ich nicht mehr, ist da jetzt Jesus in diesem pappigen Plätzchen oder in dieser Hostie? Sondern ich sehe einfach, dass da hunderte Menschen stehen, die diese Gemeinschaft feiern und ihren Glauben feiern. Das hat mittlerweile etwas Anziehendes. Ich glaube, dass die Katholiken und Christen – oder Gläubige allgemein – nicht irrationaler sind als die meisten von uns.“

Das erste, woran sie vor dem Projekt über die katholische Kirche gedacht habe, war „eben auch Tebartz-van Elsts Missbrauchsskandal und der Umgang mit Frauen“. Darüber müsse auch geredet werden, aber:

„Trotzdem gibt es auch noch mehr, und wenn daran jetzt auch gedacht wird durch dieses Projekt, kann ich damit leben.“

Mehr über das, was in einem Menschen passiert bzw. was Valerie Schönian erfahren hat, als sie sich ein Jahr auf den Glauben eingelassen hat, gibt’s im Interview unter

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