Julian Sengelmann: „Beten bringt unendlich viel“
Der Musiker, Schauspieler und TV-Moderator Julian Sengelmann, der unter anderem als Jungkommissar in der ARD-Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“ oder als Bösewicht in der ZDF-Kinderserie „Löwenzahn“ bekannt wurde, ist auch promovierter Theologe, evangelischer Pastor und Autor, der seit Jahren Bücher mit Tiefgang veröffentlicht. Kürzlich ist sein neuestes Werk erschienen mit dem Titel „[Anzeige]. Aktuell sprach der 43-Jährige in der NDR-Sendung „DAS! Rote Sofa“ über die Motivation zu seinem Buch.
Wie Sengelmann zu seinem Buch mitteilt, sind für ihn „Ankerpunkte“ Schätze christlicher Tradition und Weisheit, hilfreiche Rituale, gute Gewissheiten, besondere Orte und schöne Momente sowie hoffnungsvolle Perspektiven einer Gemeinschaft im Zeichen der Liebe, der Hoffnung und des Glaubens. Der Theologe Julian Sengelmann teilt in seinem Buch wunderbare Geschichten als auch praktische Tipps und lädt dazu ein, sich auf eine ganz persönliche Entdeckungsreise zu begeben. Dabei geht er Fragen nach wie „Was kommt, was geht, was bleibt? Woran können wir (uns) festhalten? Und warum lohnt es sich, die Hoffnung nicht aufzugeben?“.
Gerade war er in St. Johannis in Harvestehude zu Gast und inspirierte in der Kirche, in der er getauft und konfirmiert wurde, die Zuhörer mit seinem neuen Buch.
In der NDR-Sendung „DAS! Rote Sofa“ sprach Julain Sengelmann aktuell über zentrale Fragen des Lebens. Dabei äußerte er sich auch zum Tod seines Vaters und den Umgang mit seiner Trauer, wozu er feststellt:
„Trauer ist die Kehrseite der Erkenntnis, dass wir geliebt haben. Wir hatten das Glück lieben zu dürfen.“
Trauer sei ein komplexes, nachhaltiges Gefühl, das eine Narbe an der Seele hinterlässt, fügte Sengelmann an.
Zuvor spielte der Musiker seinen Song „So wie du“ – ein Lied über Tod und Trauer. Bevor er dieses Lied präsentierte, berichtete Julian Sengelmann, dass Gebet und Lagerfeuer für ihn Ankerpunkte im Leben sind. Von Moderator Hinnerk Baumgarten darauf angesprochen, dass man Menschen zum Gebet animieren könnte, erklärte Sengelmann:
„Das Beten bringt Menschen auf unterschiedlichen Ebenen unendlich viel.“
Zum einen verändere Beten die Welt, weil der Mensch seine Energie „in die Hände von etwas“ gebe, das größer als er selbst sei. Dabei mache sich der Mensch frei von dem, was ihn unfrei macht, oder bringe seinen Dank für das Wundervolle zum Ausdruck. Dazu betont der 43-Jährige:
„Beten verändert einen selbst. Beten verändert die eigene Seele. Beten hilft Dinge loszulassen, die wir nicht in der Hand haben. Es ist wundervoll.“
Weiter sagt er:
„Im Gebet entsteht eine Klarheit.“
Auf die Frage, wie sich Gott ihm zeige, lässt Julian Sengelmann wissen:
„Ich finde Gott in ganz vielen unterschiedlichen Dingen. Ich finde Gott in meinem Zweifel. Ich finde Gott in meiner Wut. Ich finde Gott zwischen dem Leid, das ich selbst begleite und bei anderen wahrnehme. Ich finde Gott aber vor allem in Gnade.“
Zum Begriff der Gnade erklärt der promovierte Theologe und evangelische Pastor, dass Gnade mit Dingen zu tun habe, „die uns geschenkt werden, obwohl wir nichts dafür getan haben“. Als Beispiel nannte er Momente, in denen ihm mit Blick auf seine 9-jährige Tochter bewusst werde, wie beschenkt er durch sie ist. Als weiteres Beispiel schilderte er:
„Neulich ist mein Neffe auf meinem Arm eingeschlafen, während wir den Eurovision Song Contest geguckt haben. Das ist so ein Moment, wo dir klar wird: Ich habe dazu gar nichts beigetragen, aber dieser Moment macht mein Leben gerade so viel schöner und reicher.“
Dieses Bild vor Augen inspirierte Moderator Hinnerk Baumgarten zu folgendem Statement: „Solch Dinge zu sehen ist ja ganz wichtig. Um Gott zu erkennen, muss man ja auch mit offenen Augen durch sein eigenes Leben gehen.“
Darauf merkte Julian Sengelmann an, dass er sich in seinem Buch in einem Kapitel damit beschäftige, „dass es sich lohnt Staunen zu lernen, so wie Kinder staunen“.
Anschließend berichtete der vielseitige Künstler, dass das Lagerfeuer für ihn ein weiterer Ankerpunkt im Leben sei. Als Mensch, der bei den Pfadfindern groß wurde, habe er wichtig und tiefgehende Gespräche an Lagerfeuern geführt.
Hinweis:
- Das tiefgründige Gespräch aus der Sendung „DAS! Rote Sofa“ zwischen Moderator Hinnerk Baumgarten und Julian Sengelmann zum Nachsehen gibt es:
- Die Live-Performance von Julian Sengelmann zu seinem Song „So wie du“ zum Nachhören gibt es:
Im Jahr 2017 machte Julian Sengelmann die Bedeutung christlicher Feiertage zum Thema seines damals aktuellen Buches „Feiertag!“. Im Interview mit domradio.de sagte er damals zur Relevanz christlicher Feiertage für unser Leben heute:
„Feiertage machen im Kirchenjahr deutlich, dass alles seine Zeit hat, und sie können zum Innehalten anleiten. Streitigkeiten darüber, welche Feiertage staatlich geregelt sind oder ob man am Wochenende einkaufen darf, berühren genau diese Kernfrage. In der Bibel heißt es, am siebten Tag ruhte Gott – und er sah, dass es gut war. Diesen Moment der Reflexion, des Innehaltens und der Muße, durchatmen, zu sich selbst kommen – all das ermöglichen Feiertage.“
Im selben Jahr war Julian Sengelmann Reformationsbotschafter der evangelischen Kirche zum 500-jährigen Reformationsjubiläum. Im EKD-Interview zu diesem Anlass wurde der Theologe, Autor und Musiker darauf angesprochen, dass bei Martin Luther das Verständnis von Freiheit aus seinem Glauben heraus kam, weil dieser sich von Gott geliebt wusste, obwohl er sich oft als schwach und zweifelnd erlebt hat. Mit Blick darauf erklärte Julian Sengelmann:
„Ich zweifle total viel und das ist auch völlig in Ordnung. Die Frage ist, wie gehst du mit Zweifeln und wie gehst du mit Scheitern um? Eine meiner Lieblingsbands ist Coldplay. Sie haben eine sehr schöne Liedzeile: „Just because I’m losing doesn’t mean I’m lost“. Frei übersetzt könnte man sagen: Nur weil ich scheitere, heißt das nicht, dass ich gescheitert bleiben muss. Das ist wichtig und schön am Protestantismus: Wir dürfen scheitern, wir dürfen zweifeln. Wir sind in unserem Scheitern und in unserem Zweifeln geliebte Kinder Gottes. Scheitern hat nicht das letzte Wort. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Wir glauben daran, dass der Tod seiner Macht und seiner Endgültigkeit beraubt ist.“
Im Dezember 2025 sprach Julian Sengelmann im Interview mit der evangelischen Medienakademie über die Hoffnung, die aus dem christlichen Glauben erwächst. Dabei betonte er:
„Ich hoffe auf Weihnachten! (…) als Vergewisserung, dass die Weihnachtsgeschichte davon erzählt, dass die ultimative gute Nachricht – denn das ist die Übersetzung des Wortes „Evangelium“ – da ist. Nicht in einem luftleeren Raum, nicht kitschig und laut, sondern klein und zerbrechlich, aber lebensverändernd.“
Und weiter:
„In einer Welt aus Katastrophen und schlechten Nachrichten erinnern wir uns an Weihnachten, dass die ultimative gute Nachricht längst da ist und es unsere Aufgabe ist, davon zu erzählen. Alle Jahre wieder…“
Zu Beginn des Jahres 2026 predigte Julian Sengelmann im ZDF-Fernsehgottesdienst und erinnerte angesichts weltweiter Katastrophen daran, „dass wir die mit der Nächstenliebe sind und an Gnade glauben“.
Quellen: ardmediathek.de, ndr.de, abendblatt.de, domradio.de, evangelisch.de, ekd.de, evangelische-medienakademie.de
Anbei das offizielle Video zum Song „So wie du“, den Julian Sengelmann in der NDR-Sendung „DAS! Rote Sofa“ präsentierte:
Hinweis:
Im „Zuckerbrot und Peitsche“-Podcast stellte sich Julian Sengelmann im Sommer 2023 souverän und geduldig einem theologischen Fragenmarathon rund um „Leben, Tod & Glaube“. Diesen Podcast zum Nachhören gibt es:
In diesem Podcast sprach Julian Sengelmann u.a. mit Revolverheld-Frontmann Johannes Strate. Julian Sengelmann war lange Zeit Frontmann, Sänger und Gitarrist der Band FEINKOST, die des Öfteren als Support von Revolverheld auftrat.


