Symbolbild - Bild von Ulrike Mai auf Pixabay

„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von den Bösen“. So lautet eine wichtige Fürbitte im Vater-Unser-Gebet. Während es Zeiten gab, in denen die Macht des Bösen allzu zentral gestellt wurde, leben wir heute in einer Zeit, in der diese Macht tabuisiert, ja sogar verniedlicht wird. In aktuellen Statements haben nun Papst Franziskus, Heinrich Bedford-Strohm sowie Gloria von Thurn und Taxis in unterschiedlichen Kontexten auf die Macht des Bösen und deren Wirken in unserer Zeit hingewiesen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, richtete in einem Facebook-Post am 23. Mai seinen Blick auf die Vater-Unser-Bitte „Erlöse uns von den Bösen“, die er als die „bedrängenste Bitte im ganzen Vater unser“ bezeichnete (siehe Clip unten). Dabei betonte er:

„Das Böse ist da. Es hat Macht. Es zerstört Leben.“

Dabei wies er neben politischen auch auf religiösen Fundamentalismus hin, der dem Bösen freie Bahn verschafft. In diesem Zusammenhang erinnerte Bedford-Strohm daran, vorsichtig zu sein, wenn man vom Bösen spricht, und warnte vor einer allzu einfachen Aufteilung der Welt in gut und böse. Vielmehr forderte er mit Blick auf die zuvor stehende Vater-unser-Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ dazu auf, beim Beten auf die eigene Unzulänglichkeiten zu blicken, im Sinne von:

„Erlöse uns vom Bösen und fange bei mir an.“

So könne Liebe in unser Herz fließen, die auf den Nächsten überfließen kann und damit das Böse überwindet, erklärte der EKD-Vorsitzende weiter.

 

Auch Papst Franziskus erinnerte in seiner wöchentlichen Videoansprache am Mittwoch die Menschen an das Bewusstsein für die Macht des Bösen in unserer Welt. Dazu sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche u.a.:

„Gottes Plan für die Menschheit ist gut, aber in unserem täglichen Leben erfahren wir die Gegenwart des Bösen – das ist eine alltägliche Erfahrung.“

Dabei warnte er vor einem menschlichen „Allmachtswahn“. Weiter betonte Franziskus mit Blick auf die ersten Kapitel des Buches Genesis , dass die Rebellion gegen den Schöpfer in dem Glauben, dass Gott den Menschen am Glück hindere, gründe. In dieser „Versuchung des Bösen“ liege die Ursünde.

Als Mittel gegen die Wirkmacht des Bösen betonte der Papst das Gebet mit folgenden Worten:

„Das Gebet der Gerechten bildet einen Schutzwall gegen das wachsende Böse in der Welt, denn es richtet den Blick auf den Herrn aus, der Wüsten des Hasses in blühende Gärten verwandeln kann.“

Gottes Wirken durchziehe über eine „unscheinbare, aber wirkmächtige Kette“ dieser oft unbemerkten Gerechten die Geschichte der Menschheit. Ziel dieser Entwicklung sei die Erlösung in Christus.

In diesem Zusammenhang erinnerte sich der Papst „an die Geschichte eines Mannes, eines wichtigen Regierungschefs (nicht von heute, sondern aus früherer Zeit)“, der Atheist war und „keinen Sinn für das Religiöse im Herzen hatte“. In einer schweren Lebenssituation habe dieser sich an die Gebete seiner Großmutter erinnert. Dazu berichtete Franziskus weiter:

„Und so fing er an, mit den Formeln der Großmutter zu beten – und so hat er Christus gefunden.“

Das Gebet sei eine „Kette des Lebens“ und säe Leben aus. Gerade deshalb ist es nach seiner Auffassung so wichtig, dass Eltern ihren Kindern das Beten beibringen. Dazu erklärte Franziskus:

„Mich schmerzt es, wenn ich Kinder sehe, die noch nicht einmal das Kreuzzeichen schlagen können. Man muss ihnen zeigen, wie man das Kreuzzeichen richtig schlägt, denn das ist das erste Gebet! Es ist wichtig, dass Kinder lernen zu beten. Später mögen sie es wieder vergessen und einen anderen Weg einschlagen, aber die ersten Gebete, die man als Kind lernt, bleiben einem im Herzen, denn sie sind ein Same des Lebens, der Same des Dialogs mit Gott.“

Die Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz am 27. Mai im Wortlaut gibt es HIER

 

Auch die Unternehmerin Fürstin Gloria von Thurn und Taxis wies erneut auf die Wirkmacht des Bösen hin. Nachdem sie sich in einem Interview mit der Zeitung Die Welt bereits mutig zu diesem Thema, das im gesellschaftlichen Kontext nicht en vogue ist, geäußert hatte (wir berichteten), sprach sie nun abermals im Interview mit der Augsburger Allgemeinen über die Macht des Bösen in der derzeitigen Krisenzeit. Dazu erklärte die bekennende Katholikin:

„Der Teufel ist die Ursache für alles, was auf der Erde schlecht läuft.“

Ähnlich wie Papst Franziskus beklagt sie eine „allgemeine Müdigkeit in der Glaubensweitergabe“ und sieht dabei einen Zusammenhang zwischen der Macht des Bösen und der Glaubensferne. Diesbezüglich äußerte die Chefin des Regensburger Fürstenhauses:

„Je weiter wir uns von Gott entfernen, desto breiter wird die Machtbasis des Bösen.“

Sie selbst habe sich „früh entschieden, auf der Seite der Guten für den Glauben an Gott zu kämpfen“, so die Fürstin weiter.

Bei genauer Betrachtung können man „in allem, was auf der Welt passiert“, versuchen, „den Fingerzeig Gottes zu erkennen“. Jedoch habe in der heutigen Gesellschaft das Thema Religion und Glaube „im Bedürfniskanon der Menschen keinen Stellenwert mehr“, beklagte die 60-Jährige.

Quellen: Facebook, vaticannews.va, domradio.de, rnd.de

 

Hier der Facebook-Post vom 23. Mai von Heinrich Bedford-Strohm: