Vor 40 Jahren wurde in Polen die unabhängige Gewerkschaft Solidarność gegründet, was ein wesentlicher Baustein für den Beginn der Freiheitsbewegung im damaligen Ostblock war. Anlässlich des Gründungsjubiläums erinnerte sich der damalige Vorsitzende der Gewerkschaft Solidarność und spätere Friedensnobelpreisträger Lech Walesa im gemeinsamen DW/Newsweek-Interview zurück. Dabei betonte er auch seinen christlichen Glauben als wesentlichen Motor seines Handelns.

Der Solidarność-Gründung war im Sommer  1980 ein Streik auf der Danziger Leninwerft vorangegangen. Lech Walesa wollte bereits 10 Jahre früher mit einem Streik im Dezember 1970 die Initiative zu seinem Freiheitskampf ergreifen, womit er damals jedoch scheiterte. Infolgedessen wandte er sich an Gott. Dazu sagte der heute 76-Jährige im DW/Newsweek-Interview:

„Ich sagte: Gott, gib mir noch mal die Chance, zurück zu kommen und das Werk zu Ende zu bringen.“

Weiter würdigte Lech Walesa die Rolle von Papst Johannes Paul II. für die Motivation der polnischen Bevölkerung, sich für die Freiheit einzusetzen. Auch wenn der Papst nicht die Revolution machte, so habe er aber die Menschen in Polen „mobilisiert“, als er ein Jahr nach seiner Wahl nach Polen kam und dabei „fast das ganze Volk kam, um ihn zu treffen“, so Walesa. Mit seinem Statement „Dein Geist komme herab und ändere das Antlitz dieser Erde“ habe Johannes Paul II. die Menschen ermutigt, woraufhin die Solidarność  ein Jahr später zehn Millionen Mitglieder gehabt habe.

Im Interview mit der „Kleinen Zeitung“ zum 40. Jahrestag betonte Lech Walesa die Rolle des Papstes mit folgenden Worten:

„Johannes Paul II. hat eine riesige Rolle gespielt, unser polnischer Papst.“

Er habe sich mit dem Papst „ohne Worte“ verstanden, so Walesa weiter.

In ähnlicher Weise hob aktuell der frühere Bundespräsident Joachim Gauck die Rolle von Papst Johannes Paul II. gegenüber der Deutschen Welle hervor. Dessen Besuche in seiner Heimat seien „Demonstrationen von einer demokratischen Gegenkultur und einer lebendigen Religiosität“ gewesen. Der Mut Johannes Pauls II. habe vielen Menschen imponiert. Seine Worte „Fürchtet euch nicht“ hätten die „ganz gewaltige Botschaft“, transportiert „dass man trotz aller Machtmittel der Herrschenden auf Veränderung hoffen dürfe“, so Gauck.

Lech Walesa betonte bereits im Jahr 2014 im Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit die Rolle der katholischen Kirche für den Systemumsturz hin zur Freiheit. Sich an die damaligen Verhältnisse zurückerinnernd, berichtete Walesa, dass damals „niemand“ mehr daran geglaubt habe, „dass es eine Chance gäbe, jemals aus diesem System herauszukommen“. Auch „die Mächtigen dieser Welt“ wie „Präsidenten, Premierminister, selbst Könige“, die er fragte, hätten es für unmöglich gehalten, „dass wir den Kommunismus besiegen könnten“. Nach deren Einschätzung hätte „nur ein Nuklearkrieg“ die Macht der Sowjetunion brechen können. Mit Blick auf Gott erklärte Lech Walesa weiter:

„Doch dann schickte uns der Himmel Johannes Paul II. Und aus 2.000 Jahren Christentum erwuchs für mich wieder eine riesige Kraft.“

Ähnlich wie Walesa interpretiert der Journalist und Vatikan-Experte Andreas Englisch die damaligen Geschehnisse, was ihn persönlich zum christlichen Glauben zurück brachte (wir berichteten).

Selbst der ehemalige Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der SowjetunionMichail Gorbatschow, schrieb in seinen Memoiren, dass die Geschehnisse in Osteuropa ohne Johannes Paul II. nicht möglich gewesen wären. Schon während des historischen Treffens am 1. Dezember des Jahres 1989 im Vatikan, drei Wochen nach dem Mauerfall in Berlin, erklärte Gorbatschow gegenüber Papst Johannes Paul II.:

„Ohne Sie, Heiliger Vater, wäre die Berliner Mauer nicht gefallen.“

Als Lech Walesa anlässlich seines 75. Geburtstags im September 2018 im Interview mit der katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) auf die Ereignisse von damals angesprochen wurde, sagte er:

„Wie Sie wissen, bin ich praktizierender Katholik. Und ich glaube, dass die Kirche vom Heiligen Geist geführt wird. Der Heilige Geist gab uns den polnischen Papst, der uns alle vereinigt hat. Wir beseitigten den Kommunismus.“

Quellen: dw.com, domradio.de (1), zeit.de, domradio.de (2), bild.de, promisglauben.de (1), promisglauben.de (2)