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Am gestrigen Montag wäre Papst Johannes Paul II. 100 Jahre alt geworden. Der am 18. Mai 1920 im polnischen Wadowice geborene Karol Wojtyła war vom 16. Oktober 1978 bis zu seinem Tod am 2. April 2005 26 Jahre und 5 Monate lang Papst der römisch-katholischen Kirche. Er avancierte zum „Jahrhundert-Papst“, der eine klare Haltung an den Tag legte und mit friedlichen Mitteln entscheidend zum Fall des Eisernen Vorhangs beitrug. Wie so viele Zeitgenossen hinterließ Wojtyla auch auf den Journalisten und Bestsellerautor Andreas Englisch, der in den 80er Jahren fern vom Glauben als Korrespondent in den Vatikan kam, einen bleibenden Eindruck.

Wie domradio.de aktuell berichtet, würdigte der Ministerpräsident des Landes NRW Armin Laschet zum 100. Geburtstag von Johannes Paul II. dessen Lebensleistung mit folgenden Worten:

„Christ sein heißt nicht sich zurückziehen, sondern sich in der Welt zu engagieren. Und das ist das, was er [Papst Johannes Paul II.] eigentlich immer vorgelebt hat.“

Mit diesem  Engagement aus der Liebe zu Gott heraus leistete Papst Johannes Paul II. einen wesentlichen Beitrag zum Fall des Eisernen Vorhangs, in dem er u.a. die Solidarnosc-Gewerkschaft in Polen geschützt hatte, die zur Keimzelle des Aufstands in Osteuropa wurde.

Bundetagspräsident Wolfgang Schäuble, der seit 1972 Mitglied des Deutschen Bundestages und damit der dienstälteste Abgeordnete in der deutschen Parlamentsgeschichte ist, äußerte sich zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2015 im Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ auf die Frage, wer es sich zuschreiben dürfe, die Wiedervereinigung möglich gemacht zu haben. Zu denen, die auf Erden dazu beigetragen haben, zählt Schäuble Papst Johannes Paul II., Lech Walesa, Ronald Reagan, Michail Gorbatschow und die Bürgerbewegung der DDR sowie Helmut Kohl. Weiter sagte Schäuble zum Zustandekommen der Deutschen Einheit:

„Als Protestant würde ich schon sagen: Es war ein Wunder.“

Gegenüber der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ erklärte der Philosoph und frühere italienische Europaminister Rocco Buttiglione im November 2019, dass die Umbrüche vor 30 Jahren ohne Bürgerkrieg und Blutvergießen friedlich verlaufen seien, daran „hatte die Kirche, aber besonders Johannes Paul II. entscheidenden Anteil“, so Buttiglione. Wie auf vaticannews.va zu lesen ist, führte Buttiglione weiter aus, dass es die „politische Strategie“ des polnischen Papstes gegenüber dem Kommunismus gewesen sei, an das Gewissen des Menschen zu appellieren. Dieser Weg habe viele Märtyrer das Leben gekostet. Am Ende aber habe der Papst damals einen Kommunisten mit Gewissen gefunden: „Und der hieß Michail Gorbatschow.“ Dass der Staatschef der damaligen UdSSR die Bitte Erich Honeckers 1989 ausgeschlagen habe, die Rote Armee gegen die Proteste in der DDR einzusetzen, „macht ihn zu einem großen Menschen“, sagte Buttiglione.
Zentrale Themen der Gespräche zwischen Johannes Paul II. und Gorbatschow seien „Wahrheit, Freiheit und Gewissen“ gewesen. Gorbatschow sei zudem für das Christentum empfänglich gewesen, „schließlich war er von seiner Großmutter ja getauft worden“.
Nicht überschätzt werden könne auch der Einfluss der Kirche und besonders der Karol Wojtylas auf die Intellektuellen in Polen, so der frühere italienische Europaminister weiter.

Der Journalist und Bestsellerautor Andreas Englisch erlebte die Zeit des Umsturzes in den 80er Jahren als Vatikan-Korrespondent in Rom mit. Im Mai 2009 berichtete Englisch für die Bild-Zeitung im Rahmen des Seligsprechungsprozesses von Papst Johannes Paul II., dass sich der ehemalige Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, für die Seligsprechung von Johannes Paul II. einsetzte. Dazu schrieb Englisch, dass Gorbatschow schon während des historischen Treffens am 1. Dezember des Jahres 1989 im Vatikan, drei Wochen nach dem Mauerfall in Berlin, dem Polen Karol Wojtyla außergewöhnliche Fähigkeiten zugestand, indem Gorbatschow erklärte: „Ohne Sie, Heiliger Vater, wäre die Berliner Mauer nicht gefallen.” Wie Andreas Englisch weiter berichtete, lehnte Papst Johannes Paul II. dieses Lob Gorbatschows aber stets ab. Im November 1999 sagte Johannes Paul II. zu BILD: “Es war nicht ich, es war die Hand Gottes, die die Berliner Mauer eingerissen hat.”

Für Andreas Englisch, der als Schriftsteller Bestseller über die letzten drei Päpste schrieb, bringt in diesen Büchern auch zum Ausdruck, dass für ihn auf seinem Weg zum Glauben Papst Johannes Paul II. wichtig gewesen ist. Über den aktuellen Papst, Franziskus, sagte Englisch in der NDR-Talkshow gar einmal, dass er das Gefühl habe, dass „der beste Kumpel von Jesus von Nazareth“ in den Vatikan gezogen sei.

Weiter berichtete Andreas Englisch, dass er beim Beginn seiner Tätigkeit als Vatikan-Korrespondent in den 80er Jahren weit vom Glauben entfernt gewesen sei. Dazu erklärte er einmal im Gespräch mit dem Journalisten Hanno Gerwin:

„Als ich nach Rom kam, war ich weder an der Kirche noch am Papst oder Religion interessiert. Ich habe einfach nicht an Gott geglaubt.“

Heute bezeichnet sich Andreas Englisch als Christ und schätzt die katholische Kirche. Der Sinneswandel erfolgte durch „Karol Wojtyla“ (Papst Johannes Paul II.). Diesbezüglich erklärte Englisch im Interview mit Hanno Gerwin u.a.:

„Früher war ich gegenüber Karol Wojtyla immer kritisch eingestellt. (…) Was mich aber trotz der ganzen Kritik immer wieder zum Nachdenken gebracht hat, war seine Hilflosigkeit. Als ich in den Vatikan kam, stand die Mauer noch und ich merkte, dass er im Grunde ein hilfloser Mann war, der außer seinen beiden leeren Händen und seinem Glauben nichts hatte. Er war kein Politiker, der wiedergewählt werden wollte, oder jemand, der mit Macht etwas durchsetzen konnte. ›Ich selbst kann gar nichts durchsetzen. Wenn der liebe Gott etwas durchsetzen will, dann wird er das tun. Wenn er es nicht will, dann wird er es nicht tun. Ich spiele nur seine Geige.‹ Das hat er immer zu verstehen gegeben.“

Und weiter:

„Mich hat fasziniert, dass jemand der so schwach ist – auch körperlich – letztlich mit leeren Händen die Welt zum Besseren verändern konnte. Meiner Ansicht nach konnte das nicht die Kraft eines alten, kraftlosen Mannes aus Polen sein, es musste einen Gott geben, der diese Welt verändern will.“

Sein persönlicher Weg zum Glauben sei „eine lange Entwicklung“ gewesen, so Andreas Englisch. Diesbezüglich brachte er zum Ausdruck, dass er in diesem Prozess an Johannes Paul II. immer wieder die Kraft des Glaubens erlebte. Dazu erklärte Englisch:

„Es gab Momente, die mich unheimlich fasziniert haben, wie etwa auf den vielen Reisen nach Osteuropa, wo viele Menschen leben, die an gar nichts mehr glauben. Wojtyla hat stets betont, dass er zu allen Menschen guten Willens spricht. Er beteuerte, dass es nicht darum geht, ob man katholisch sei oder nicht, sondern darum, die Welt mit gutem Willen zu verbessern.“

Und weiter:

„Etwas, was mich ebenfalls faszinierte, war sein guter Umgang mit jungen Menschen. Er hat den Vorwurf widerlegt, dass junge Menschen und die Kirche nicht zusammenpassen. Wojtyla forderte die Jugend auf, die Welt besser zu gestalten, als seine eigene Generation. Er äußerte sein Vertrauen in die Jugend, eine bessere Welt zu schaffen.“

Auf Initiative von Papst Johannes Paul II. entstand der Weltjugendtag, der 1984 zum „Internationalen Jubiläum der Jugend“ in Rom erstmals stattfand und seitdem im Rhythmus von 2-3 Jahren an den verschiedensten Orten der Welt stattfand. Der nächste Weltjugendtag wird im Jahr 2023 in Lissabon in Portugal sein.

Quellen: evangelisch.de, vaticannews.va, bild.de, domradio.de, gerwintrifft.de