Die Fernsehmoderatorin Michelle Hunziker beschreibt in ihrer Autobiografie „Ein scheinbar perfektes Leben“ ihr Leben in den Fängen einer Sekte. Sie beschreibt detailliert, wie sie die Kontrolle über ihr Leben verlor und wie ihr der Weg aus der Sekte gelang. In Interviews zu ihrem Buch sprach sie mit der Bild und mit der Berliner Zeitung darüber und auch über ihre heutige Vorstellung von Gott.

Michaelle Hunziker berichtet, dass die Sekte komplett ihre Lebensführung bis ins kleinste Detail übernommen hatte. Zum Wendepunkt kam es, als ihr bewusst wurde, wie fremd sie ihrer Tochter Aurora geworden war. Der nachhaltige Ausstieg aus der Sekte gelang ihr mithilfe eines Franziskaner-Paters namens Frat’ Elia, den sie ein Jahr nach ihrem Sektenausstieg kennenlernte. Dazu schreibt sie:

„Durch ihn (Pater Frat‘ Elia) habe ich meinen Seelenfrieden zurückgewonnen. Bevor Sole und Celeste (ihre anderen beiden Kinder) zur Welt kamen, habe ich mich des Öfteren in seinen Konvent zurückgezogen, um dort in Exerzitien zu gehen.“

Frat’ Elia habe ihr „die Richtung zu einem wirklich lichtdurchfluteten spirituellen Weg gewiesen“. Durch ihn habe sie gelernt, „dass Gottes Schönheit in den einfachen Dingen liegt, im Lächeln, in einer Umarmung“ liegt.

Ihr Gottesbild heute beschreibt sie wie folgt:

Heute ist Gott für mich Freude, nicht Strafe und Verzicht. Er ist das Gleichgewicht, denn er fordert nie von uns, dass wir ins Extreme abgleiten, weder im Guten noch im Bösen.“

Im Interview mit dem Berliner Kurier berichtet Michelle Hunziker, dass sie katholisch erzogen wurde. Dazu sagt sie:

„Ich hatte ein schönes Verhältnis zu Gott. Ich habe ihn immer mit Liebe verbunden.“

In die Fänge einer Sekte sei sie geraten, als ihr Vater alkoholkrank wurde und sie in eine persönliche Krise geriet. Sie sei böse auf ihren Vater und auf Gott geworden. Gerade mit Blick auf ihr Gottesbild hatte sie viele Fragen. Außerdem litt sie an mangelndem Selbstvertrauen und fühlte sich nicht geliebt. Deshalb sei sie „ein perfektes Opfer“ für die Sekte gewesen.

Mit ihrem Buch möchte sie andere Betroffene davor warnen und davor bewahren, dass sie „den gleichen Fehler machen“ und das erleiden, was sie erlitten habe. Außerdem habe das Schreiben für sie selbst auch eine heilende Wirkung gehabt.

In der heutigen Zeit sei es sehr einfach, sich selbst zu verlieren, so Hunziker. Ihre Botschaft beschreibt die 41-jährige wie folgt:

„Leute, die euch wirklich lieb haben, verlangen kein Geld. Ein echter Lifecoach ist ein Kind, ein Ehepartner, ein Freund oder ein Priester.“

Das sei jemand, der Geld verlangt, nicht. Jemandem zu helfen sollte ihrer Meinung nach an eine Mission und nicht an Geld gebunden sein.

Auf die Frage, wie gläubig sie heute sei, antwortet Michelle Hunziker:

„Ich war immer eine gläubige Person und bin es heute noch.“

Trotz ihrer Erfahrung in der Sekte habe sie Gott nie aufgegeben. Jedoch habe sich ihr Glaube verändert. Dogmen oder einen „Meister“, der ihr sagt, wo es lang geht, habe sie „abgestreift“. Weiter sagt sie:

„Ich gehe aber weiter gerne in die Kirche. Am liebsten, wenn sie leer ist und ich dort für mich beten kann. Dann finde ich dort meinen Frieden.“

Damit Menschen, vor allem Kinder und Heranwachsende, auch heute Antworten auf ihre Lebensfragen aus der Bibel erhalten, betont Michelle Hunziker, wie wichtig es ist, dass im Religionsunterricht und im Gottesdienst verständliche Antworten gegeben werden, was aber nur wenigen Theologen gelänge. Man müsse „Verständis schaffen“ jenseits von Sanktionen, dann hätte der Glaube auch wieder eine Faszination für viele Menschen und es würden weniger Leute aus der Kirche austreten, schlussfolgert Michelle Hunziker.

Quellen: bild.de und berliner-zeitung.de