Er ist der bekannteste Mönch Deutschlands. Millionen Leser vertrauen auf die Lebensweisheit des Benediktinermönchs Anselm Grün. Im Gespräch mit Christine Kloth von der Saarbrücker Zeitung erklärt Grün u. a., warum das Zölibat viele Priester überfordert, warum aus seiner Sicht keine theologischen Gründe gegen die Priesterweihe der Frau sprechen und warum er den Begriff Ehe nicht für homosexuelle Beziehungen verwenden würde.

Die heute leeren Kirchenbänke führt Anselm Grün zum einen darauf zurück, dass die Kirche „früher und zum teil auch heute noch“ zu sehr moralisiert habe und den Menschen ein schlechtes Gewissen vermittelt habe, wohingegen sich viele heute wehren. Zum anderen habe die Kirche

„zu wenig die frohe Botschaft verkündet, also gezeigt, wie der Glaube helfen kann, mit den Ängsten und Problemen des Lebens fertig zu werden“.

Ein weiteren Grund sieht er aber auch darin, „dass sich Menschen heute schwer tun mit Regelmäßigkeit, mit dem sich in die Kirche einbinden lassen“. Wichtig sei es auf die Sehnsüchte der Menschen zu hören und diese anzusprechen.

Auf die Frage, wie er das Thema „Priesterweihe der Frau“ sieht, antwortet Grün u. a.:

„Es gibt keine theologischen Gründe gegen die Priesterweihe der Frau, das ist mehr ein geschichtliches Thema, das nicht von heute auf morgen gelöst werden kann.“

Dies sei ein Schritt, der nicht in den nächsten 10 Jahren passieren werde und den man wachsen lassen müsse. Wenn der Papst dies von heute auf morgen einführen würde, wären Konflikte innerhalb der Kirche die Konsequenz. Deshalb müsse man hier „behutsam umgehen“, damit es keine Machtfrage werde, sondern breite Akzeptanz erfahren kann. Ein erster Schritt wäre die Diakoninnen-Weihe der Frau. Weiter betont Grün:

„Und ich denke, die Kirche muss aufpassen, dass sie nicht den Reichtum der Frauen verliert.“

Seine Meinung zum Zölibat:

„Die Ehelosigkeit ist ein hohes Gut – und für viele Priester auch eine Unterstützung, um gute Priester zu sein. Aber das Priestertum muss nicht an das Zölibat gebunden sein. Es ist schade, dass Priester ihr Amt aufgeben müssen, weil sie in eine Frau verliebt sind und sie heiraten wollen. In einer Gemeinschaft von Mönchen, in der ich lebe, ist es klar, dass man da ehelos lebt, aber für den Weltpriester wären beide Möglichkeiten sinnvoll. Und dann wäre es für die Kirche sicher auch ein Gewinn.“

Es gehe bei dieser Frage auch nicht um Zeitgemäßheit, denn:

„Das Zölibat gab es nicht von Anfang an, es gehört für mich nicht zum Wesen der Kirche.“

Es sei „eine gute Weise“ und könne „eine Herausforderung für Spiritualität sein“, so Grün weiter. Er gibt aber auch zu bedenken, dass sich die sozialen Bedingungen heute gewandelt haben. Früher habe der Pfarrer „in einer Art Gemeinschaft mit anderen in einem Haus gewohnt“. Dagegen würden heute viele Pfarrer ganz alleine wohnen, womit überfordert seien. Weiter sei das Zölibat in Afrika „einfach nicht angemessen, weil es zu wenig gelebt wird“.

Nach seiner Meinung zur „Ehe für alle“ gefragt, antwortet Grün:

„Ich bin dafür, dass Homosexuelle in einer gleichberechtigten Partnerschaft und Freundschaft leben, aber den Begriff Ehe würde ich dafür nicht benutzen.“

Nach dem Warum gefragt, sagt er:

„Weil Ehe von der Tradition her für die Verbindung von Mann und Frau steht und für die Familie. Man kann nicht alles gleichsetzen.“

Auf das Thema „christliche Werte“ angesprochen, auf die zur Zeit in Politik und Medien immer öfter verwiesen wird, betont Anselm Grün:

„Die klassischen Werte der Philosophie sind Gerechtigkeit, Tapferkeit, Maß und Klugheit. Die christlichen Werte sind Glaube, Hoffnung, Liebe. Glaube an den guten Kern im Menschen und Hoffnung, das ist für mich ganz wichtig.“

Und weiter:

„Politik muss Hoffnung vermitteln. Hoffnung auf Versöhnung, Hoffnung auf Gerechtigkeit, auf eine gute Zukunft. Hoffnung heißt nicht Zweckoptimismus, sondern Hoffnung für die Menschen.“

Das komplette Interview gibt’s unter saarbruecker-zeitung.de