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In seiner Auslegung zur heutigen Sonntagslesung (Epheser 1,3-10) und zum heutigen Sonntagsevangelium (Mk 6,7-13) betont unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir die tief-existentielle Grunderfahrung des Christen: Gottes Segen liegt über meinem Leben – was auch immer mir widerfährt.

Anbei die Worte seiner Predigt als Audio-Datei und anschließend im Textformat:

 

 

Am letzten Sonntag hörten wir von der Ablehnung Jesu in seiner Heimatstadt Nazareth. Am Schluss hieß es: „Und er wunderte sich über ihren Unglauben.“ Die Leute meinten, Jesus zu kennen, und darum glaubten sie ihm nicht viel. Die Ablehnung gehört von Anfang an zur Glaubensgeschichte. Auch uns heutigen Christen macht sie zu schaffen. Und der Gegenwind wird immer stärker…

An diesem Sonntag erfahren wir, wie Jesus auf die Ablehnung und den Unglauben reagiert hatte. Jesus zieht sich nicht zurück und jammert über die Verstocktheit der Leute. Was er vielmehr tut, ist: er sammelt seine Jünger. Das wird ganz kurz angedeutet mit den Worten: „Jesus rief die Zwölf zu sich…“

Er ruft die zu sich, die zu ihm gehören wollen, das heißt auch uns. Vor der Sendung steht die Sammlung. Wir sind versammelt, um uns zu sammeln und uns auf das Zentrum des Glaubens zu besinnen. So hat es auch Paulus gemacht, als er im Gefängnis saß und nichts mehr tun konnte als Briefe schreiben. Seinen Brief an die Epheser beginnt er mit einer Besinnung auf Gottes erwählende Liebe: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, … er hat uns aus Liebe im voraus dazu bestimmt, seine Kinder zu werden durch Jesus Christus…“

Der Christ / die Christin erfährt sich im Laufe des Lebens als geliebtes Kind Gottes, am Anfang, in der Mitte oder am Ende seines Lebens.

Wenn er diese Erfahrung nicht macht, dann wird sein Christentum hölzern, bleiern und nichts ausstrahlend werden. Wie eine leere Hülse wird es sein und ihm keine Heimat geben.

Echte Glaubenserfahrung gibt Geborgenheit, Glück und den Wunsch, diese Erfahrung weiterzugeben.

Erwählung – Sammlung – Sendung , immer wieder und auch andersherum: Das Gesendetsein, das Hergeben bedarf Zeiten der Sammlung, die das Gefühl der Erwählung wieder stärken können.

Die tief-existentielle Grunderfahrung des Christen ist: Gottes Segen liegt über meinem Leben – was auch immer mir widerfährt. 

Dieses Bewusstsein ist nötig, damit unser Tun Wirkung und Erfolg haben kann. Ohne die Sammlung beim Herrn sind wir einsam und versprengt, anfällig dafür, von den oberflächlichen Strömungen des Lebens bewusstlos hin und her gerissen zu werden. Das ist auch der eigentliche Grund, warum die Mitfeier der sonntäglichen Eucharistie so wichtig ist.

Dann kann der nächste Schritt folgen, die Sendung in die Welt und ihre konkreten Aufträge, die sie uns gibt.

Wir sind gesandt, die Frohe Botschaft durch Wort, durch Tat und vor allem durch unsere Echtheit zu bezeugen.

Dieses Authentisch-Sein lässt ja oft zu wünschen übrig. Man kann sich hinter Ausbildungen, Titeln, Positionen verschanzen oder verstecken und falsche Fassaden aufbauen. Die Menschen werden spüren, ob jemand echt ist als Mensch, aber und vor allem auch in seinem Glauben.

„Pharisäer“, Betweiber, Sakristeiwanzen und Frömmlinge gibt es viel zu viele.

Diese Authentizität braucht nicht viel, sie entsteht durch Arbeit an sich selbst und durch Gottes Arbeit an einem im Laufe des Lebens. Das ist vielleicht der Grund, warum Jesus seine Jünger mit Nichts auf den Weg schickt. Echtheit kommt überall an und wird in die Häuser eingelassen. Irgendwann wird dann die Frage gestellt werden, warum jemand so etwas tut und schon kann der Nachfolger / die Nachfolgerin Christi von seiner Hoffnung, seiner Kraft- und Inspirationsquelle erzählen und somit Zeugnis geben. Die Art und Weise, wie man dann von Jesus, seinem Gottvertrauen, seiner Liebeskraft erzählt, wird Kreise ziehen. Warum? Weil Menschen sich zu allen Zeiten nach solchen Erzählungen sehnen, weil ihr Alltag und ihre Welt so anders sind. Die Dichterin Mascha Kaleko brachte dieses Grundgefühl in ihrem Gedicht „Sehnsucht nach anderswo“ in treffende Worte:

Drinnen duften die Äpfel im Spind,

prasselt der Kessel im Feuer.

Doch draußen pfeift Vagabundenwind.

Und singt das Abenteuer!

Der Sehnsucht nach dem Anderswo.

Kannst du wohl nie entrinnen:

Nach Drinnen, wenn du draußen bist.

Nach Draußen, bist du drinnen.

Im Alltag sind die meisten Menschen aber – leider auch viele Gläubige – eher mit ganz anderem oder dem beschäftigt, was nicht gut ist, was sie stört, was ihnen nicht gefällt, was alles anders sein sollte. Sehr heilsam ist es, sich ab und an zu sammeln, sich bewusst zu machen, was alles gut ist im eigenen Leben. Wer beginnt, sich alles Gute vor Augen zu führen, wird staunen, wie viel Gutes es gibt im Leben und auf der Welt. Es gibt mehr als genug Gründe, dankbar zu sein und dies wird man dann auch ausstrahlen.7

Und wer andere, die von etwas begeistert sind, in sein Haus und in seine Seele lässt, der wird beschenkt werden.

Und wer Gottes Wort und eine gemeinschaftliche Glaubensversammlung an sich heranlässt, der wird gestärkt und ermuntert werden.

Aus dem Inneren heraus eine Freude und eine Ruhe ausstrahlen, nicht locker lassen, immer wieder von Gott werbend und authentisch erzählen und von innerer geistiger Nahrung, die einen wirklich leben lässt, das wird Kreise ziehen.

Wo andere Menschen solches erleben, werden sie kommen und fragen: „Was hast du, was ich nicht habe?“ Und sie werden bitten: „Erzähl mir mehr von deinem Glauben.“ Und dann … genau dann sind wir dabei, Jesu Auftrag zu erfüllen, den Menschen zu erzählen, dass das Leben in Gott geborgen ist und einen tiefen Sinn hat. Amen.