Pater Christoph Kreitmeir: „Unsere Taufe ist etwas Wunderbares“
In seiner Predigt zum Fest der Taufe des Herrn, das den Abschluss des Weihnachtsfestkreises bildet (Lesung: Jes 42.5a 1-4.6-7; Evangelium: Mt 3, 13-17), beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir, dass Jesus Christus im Bewusstwerden der eigenen Taufe zu finden ist.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:
Was für eine laute Welt es geworden ist. Überall. Sogar die Wale im Ozean und viele andere Tiere leiden unter dem Lärm, der von uns Menschen gemacht wird.
Und dann der tägliche Lärm auf der Selbstdarstellungsbühne der Großen und Kleinen. Präsidenten verkünden von Tag zu Tag neu, wie toll und wichtig sie sind und dass sie alles dürfen, weil sie mächtig sind und starke Armeen haben. Und so viele kleine Selbstdarsteller, man nennt sie Influencer, machen es auf kleiner Flamme genauso, wenn sie sich selbst oder unnütze Produkte auf den Internetkanälen anpreißen.
Wie tröstend, wie heilend, wie guttuend hören sich da diese Worte aus der Lesung aus dem Propheten Jesaja an: „Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht.“
Wer ist der „Er“, wo finde ich ihn?
Dieser „Er“ ist Jesus Christus und ich finde ihn im Bewusstwerden meiner eigenen Taufe. Wie das?
Die Taufe gilt seit Jahrhunderten als Ritus eines Einschnittes, einer Reinigung, eines Neuanfanges. Der Christ, der auf JESU Tod und Auferstehung getauft wurde, darf mehr und mehr in dieses heilige Zeichen hineinwachsen, hineinkriechen, es für die eigene Persönlichkeitsentwicklung entdecken. Wenn er, wenn sie das tut, dann wird der Christ, die Christin erfahren, dass Vieles, das in Ausrichtung auf Gott geschieht, dann auch von Gott begleitet und gesegnet wird.
Unsere Taufe ist etwas Wunderbares, wenn wir den tieferen Sinn dieses Geschehens an uns heranlassen, wenn wir wirklich aus der Taufgnade leben.
Wir gedenken heute der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer. Mit dem heutigen Fest endet der Weihnachtsfestkreis, der sich von der Geburt Jesu bis zum Beginn seines öffentlichen Auftretens erstreckt. Wie in einem Zeitraffer haben wir nun in wenigen Wochen die 30 verborgenen Jahre Jesu nacherlebt. JETZT beginnt er öffentlich aufzutreten.
Die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer zeigt die Neuausrichtung seines Lebens an.
Er löst sich von seinem bisherigen, eher sesshaften Leben und wird Wanderprediger für das Reich Gottes. Dieser Neuanfang wird durch die Taufe besiegelt – deshalb besteht Jesus auch darauf, sich von Johannes taufen zu lassen, obwohl dieser sich lieber von Jesus taufen lassen wollte. Dieser Neuanfang wird in der Evangeliumserzählung durch GOTT autorisiert. Dies kommt bildhaft durch den Geist zum Ausdruck, der herabkommt und durch die Stimme, die das Geschehen theologisch deutet: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“
Wenn wir im Laufe unseres Leben, wenn wir im Laufe unserer Existenz den Sinn unserer Taufe als Babies durch eine ernsthafte Nachfolge Jesu nach und nach verstehen, dann werden wir auch erfahren, dass unsere Existenz einen ganz tiefen Sinn hat.
Ähnlich wie Jesus werden wir dann erfahren, dass nicht Lautsein, Härte und Stärke zum Ziel führen, sondern Gottesnähe, Weichheit und Gottvertrauen. In der Lesung hörten wir das 1. Lied vom Gottesknecht, das Jesaja uns hinterlassen hat. Hier wird ein Bild vom Knecht Gottes geschildert, der ein sanfter Knecht ist. Man würde einen starken Feldherrn als Retter und Befreier erwarten, aber Gott hat einen sanften Menschen auserwählt, der nicht laut schreit, der „das geknickte Rohr nicht zerbricht und den glimmenden Docht nicht auslöscht“. Man fühlt sich erinnert an den Sinnspruch: „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Das Weiche höhlt das Harte aus, ist stärker als das, was zunächst viel stärker erscheint.
Im Gespräch mit vielen suchenden Menschen wird mir immer klarer, dass es heute immer wichtiger wird, im Austausch mit anderen seine Position – auch seine religiöse Position – immer besser zu kennen. Denn dann kann ich sie auch stimmig und kraftvoll vertreten. Schon 1968 begann der damalige Professor Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., seine „Einführung ins Christentum“ mit der Feststellung: „Die Frage, was eigentlich Inhalt und Sinn christlichen Glaubens sei, ist heute von einem Nebel der Ungewissheit umgeben wie kaum irgendwann zuvor in der Geschichte.“
Wir dürfen, nein, wir müssen den Nebel dieser Unwissenheit immer wieder lichten, mit Licht erfüllen. Mit Licht von oben, von Gott, und mit dem Licht der Erkenntnis.
Wer weiß, was er glaubt, dem wachsen auch Kräfte zu, Schwierigkeiten zu überwinden.
Nichtwissen dagegen macht schwach und anfällig für Wankelmut. So geschwächt kann jede daher kommende Krise einen aus der Bahn werfen.
Wer aber weiß, dass er auf Jesu Leben, Tod und Auferstehung getauft ist und immer wieder die Nähe zu Jesus sucht und seine Botschaft in dieser Zeit und dieser Welt lebt, der wird im Tun seelenkräftig und glücklich werden.
Wir dürfen immer wieder nachschauen, uns mit anderen austauschen, in unseren eigenen Positionen wachsen und vor allem einen großen Schatz entdecken und ausgraben, der in unserer Taufe grundgelegt wurde: Ein Schatz, der unbezahlbar ist.
Wenn du wirklich getaufter Christ wirst, dann bist du nie allein, Christus ist mit dir und in dir.
Wer diese Erfahrung kennt und aus ihr mehr und mehr lebt, der wird erfahren, dass das Weiche stärker ist als das Harte, der wird erfahren: Die Liebe ist stärker als der Tod. Gott sei Dank. AMEN.
Anbei ein schönes Tauflied, das die Worte von Pater Kreitmeir nachklingen lässt:


