Foto: PromisGlauben e.V.

In seiner Auslegung zum Evangelium am 1. Weihnachtsfeiertag (Joh 1,1-5.9-14) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor, dass unser Universum kein Zufallsprodukt ist. Dabei verweist er auf die besondere Bedeutung von Weihnachten für unser Leben.

In seinen einführenden Worten zum Weihnachtsgottesdienst am 25.1.2.2020 in der St. Marien Kirche in Sonnefeld (Oberfranken) betont Pater Peter die Chance, die in dieser ungewöhnlichen Corona-Zeit darin liegt, die Botschaft von Weihnachten neu zu hören:

„Denn das Geschehen in Bethlehem ist nicht nur eine berührende Geschichte von damals, die in reichen Traditionen gefeiert wird. Es ist eine Botschaft für heute und eine bleibende Wirklichkeit. Gott kommt in die Welt – in diese Welt, wie sie ist, mit all ihren Gefährdungen, die uns dieses Jahr durch ein Virus so bewusst geworden sind.

Gott geht in unser Menschsein hinein. Er teilt unsere Lebensbedingungen, unsere Verletzlichkeit und unsere Bedürftigkeit. Er will uns darin Leben schenken und Licht und Hoffnung. Wir sind nicht allein und verloren in der Welt. Gott ist da – mitten unter uns! Deshalb: Frohe Weihnachten!“

 

Hier die Worte seiner Predigt „Wie Gott in mir Fleisch werden kann“

 

Weihnachtliche Erwartungen – und dann dieses Evangelium?

Wer am Weihnachtstag zur Messe kommt, erwartet meist etwas anderes als das eben gehörte Evangelium (Joh 1,1-5.9-14). Wo sind denn das Kind in der Krippe, Maria und Josef in Bethlehem, der Engelchor und die Hirten auf den Feldern? Die Krippe in der Kirche zeigt, was wir Weihnachten feiern wollen, die Geschichte, die wir erwarten! Die Krippe entspricht der Weihnachtsgeschichte nach Lukas, die in der Christmette gelesen wird.

Das heutige Evangelium ist die „Weihnachtsgeschichte“ im Evangelium des Johannes; es ist die Geschichte Jesu auf den Punkt gebracht.

Die äußeren Umstände seiner Geburt interessieren Johannes nicht. Ihm geht es um den Kern all der Geschichten rund um die Geburt, um die Deutung des Geschehens, und damit um die Bedeutung dieses Jesus von Nazaret.

Es beginnt lange vor Jesu Geburt, am Anfang des Lebens überhaupt, als die Welt und alles, was ist, entstand: Alles, was ist, wirklich alles – ist entstanden, weil Gott es wollte, weil ER es geschaffen hat.

Die Welt ist kein Zufall, wir Menschen nicht nur Ergebnis der Evolution. Der Ursprung liegt in Gott. (Im Anfang war das Wort – und das Wort war Gott.) Alles, was ist, entstand aus Gottes Willen und Kraft. In der Schöpfung und auch im Menschen steckt Gottes Leben, Gottes Licht, Gottes Liebe.

Gott hat sich auch nie zurückgezogen von seiner Schöpfung, im Gegenteil: Gott selbst ist in diese Welt hinein gekommen: „Das Wort ist Fleisch geworden.“ Das, was wir heute, an Weihnachten, feiern, ist ja nicht nur der Geburtstag eines Kindes, das unter schwierigen Bedingungen vor mehr als 2000 Jahren im heutigen Israel geboren wurde. Wir feiern Weihnachten mit reichen Traditionen und mit viel Liebe, weil damals und über die Jahrhunderte hinweg, Menschen mit diesem Jesus, tiefgreifende Erfahrungen gemacht haben. Sie haben erfahren:

Wer ihm begegnet, der begegnet Gott selbst.

Er ist ganz eins mit Gott. Er zeigt in Wort und Tat, wie Gott zu uns steht – und wie wir mit Ihm leben können. In ihm ist Gott selbst in die Welt gekommen, in unser menschliches Leben mit allem, was dazu gehört: Geburt und Tod, Freude und Angst, Liebe und Ablehnung. Gottes Wort – Gott selbst – wird Mensch, wird „Fleisch“.

Eigentlich ist das Grund zu größter Freude, wie es in der Lesung aus Jesaja (Jes 52, 7-10) hieß: Der Freudenbote verkündet es: Der Herr hat sein Volk getröstet und erlöst und schenkt sein Heil.

Die Realität der Welt sieht oft anders aus. Johannes fasst es lapidar zusammen: Die Welt erkannte ihn nicht, die Seinen nahmen ihn nicht auf. Schon kommen die vertrauten Geschichten in den Sinn: keine Herberge für die schwangere Maria, Geburt im Stall, armselig, voller Not; dann die Flucht vor Herodes, dann Jahre in der Verborgenheit. 30 Jahre später sind es einige, die seinen Worten staunend lauschen, andere bleiben gleichgültig. Viele haben ihn nicht erkannt, abgelehnt, schließlich verfolgt, getötet.

Aber die Geschichte Jesu geht weiter. Viele machen weiter Erfahrungen mit ihm, wie die Jünger in den Ostergeschichten. Gott gibt nicht auf, er lässt die Seinen nicht fallen: Jesu Wirken geht weiter.

Bis heute begegnen Menschen ihm auf unterschiedliche Weise und erleben, wie ihr Leben anders wird: heller, reicher, hoffnungsvoller. Mit den Worten des Johannes: „Wir haben seine Herrlichkeit geschaut.“

Menschen, damals wie heute, glauben diesem Jesus, vertrauen darauf, das Gott gegenwärtig ist und für seine Menschen da ist – und finden in ihm ihre Lebensperspektive: Gottes Geschöpf zu sein, geliebt ohne wenn und aber, Hoffnung zu haben über den Tod hinaus.

So wie Jesus war, so ist Gott: voller Kraft, voller Liebe, voller Licht und Leben.

Und das will er uns schenken – auch heute und hier – jeder und jedem. Mit den Worten des Johannes: „Allen, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden.“

Die Jünger haben nach Ostern als erste erlebt, dass Jesus immer noch bei ihnen war. Jünger sein, das hieß  damals: miteinander die Erinnerung bewahren und daraus leben, Jesu Worte weitererzählen, und tun, was er aufgetragen hat: Gott ehren und den Nächsten lieben, den Bedürftigen beistehen, Trost und Vergebung schenken, leben wie er. So wird das Wort Fleisch – immer wieder, zu jeder Zeit und an jedem Ort – wie er versprochen hat: „Ich bin bei euch alle Tage …“.

Heute sind wir in der Situation der Jünger, alle Getauften, ja alle, die an ihn glauben und auf ihn bauen.

Eine Frage für diese Feiertage an uns ganz persönlich könnte sein:

Welches Wort Jesu trifft mich ins Herz?

Welche Geschichte von ihm oder welche Erfahrung, die ich mit Gott in Zusammenhang bringe? Wie kann ich dieses „Fleisch“ werden lassen – d. h. fruchtbar werden lassen in meinem Leben und erfahrbar und glaubwürdig für einen anderen Menschen?

Ist es vielleicht: Friede sei mit euch! – oder: Kommt zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe schenken. – oder: Liebt einander wie ich euch geliebt habe – oder … Die Evangelien bieten einen reichen Schatz. Es lohnt sich, auf Schatzsuche zu gehen.

Als weihnachtliche Menschen leben, das heißt, darauf vertrauen, dass Gott da ist, dass er mit uns, ja mit mir und dir ist, dass er für uns – für mich und dich – da ist, hier und heute und auch morgen.

Der Stall von Bethlehem, das ist unsere Welt, auch und gerade mit Corona, mit Not und Elend überall, mit Unfrieden und Egoismen. – Das ist auch unser eigenes Leben, unser Herz. Da hinein will ER geboren werden. Da hinein will ER Licht und Frieden und Lebensperspektiven bringen. Machen wir uns auf, Gott zu suchen – hinter allem Festschmuck und frommen Bräuchen – und das nicht nur an Weihnachten!

Amen.

 

Hier ein TV-Beitrag aus der Talkshow „Markus Lanz“ vom 11. November 2020, der zum Staunen führt, das in den Worten von Pater Peter Uzor eine lebendige Antwort findet:

Einleitender Impuls:

„Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war.“ (Genesis 1,3-4)

„Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ (Johannes 1,9)

Wir feiern Weihnachten als Fest der Liebe und des Lichts!

 

Astrophysiker Heino Falcke bei Lanz:

„Raum und Zeit sind nicht absolut, sondern sind veränderlich. Das einzige, was konstant ist, ist das Licht. (…) Licht bestimmt den Raum und die Zeit! (…) Licht ist der entscheidende Faktor. Raum und Zeit leiten wir durch die Eigenschaften des Lichts ab.“

Und an späterer Stelle:

„Ich liebe Zahlen. Aber wir brauchen auch Glaube, Liebe und Hoffnung in dieser Welt. Das macht uns zu Menschen. (…) Dass wir glauben, lieben, hoffen können, ist etwas ganz besonderes in diesem Universum!“

 

 

 

Ganz aktueller TV-Beitrag – Blick in die Sterne: Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm trifft Astrophysiker Harald Lesch

Heinrich Bedford-Strohm: „Das Faszinierendste an Weihnachten ist für mich, dass wir sagen: Gott wird Mensch! Das ist ein faszinierender Glaube, dass Gott eben nicht da draußen irgendwo ist und auf die Welt schaut, sondern dass Gott mitten hinein kommt in die Welt, mitten hineinkommt da, wo die Menschen leiden, lachen und leben, und in einem kleinen, verletzlichen Kind sichtbar wird. Das ist für mich faszinierend und das ist Weihnachten!“

Harald Lesch: „So ist es! Genau so ist es!“

 

 

 

Impuls zur Besinnung aus dem Weihnachtsgottesdienst von Pater Peter Uzor am 25.12.2020

Gott,

der Allmächtige,

der Barmherzige,

der Ewige,

der Schöpfer der Welt,

der Unsichtbare,

der Liebende –

dieser Gott wird Mensch.

 

Ein Mensch mit Anfang und Ende,

mit Geburt und Tod.

Das ist ganz schön riskant.

Er hat sich dem Risiko gestellt,

ist solidarisch mit seinen Menschen.

Er ist Gott geblieben und Mensch geworden.

 

Das Wort ist Fleisch geworden

und wohnt unter uns – heute.

Das Licht kommt in die Welt –

für uns, für dich und für mich – heute.