Foto: PromisGlauben e. V.

Heute vor über 2000 Jahren kam Gott als kleines Kind in diese Welt. Wer ist dieser Jesus von dem heute die beiden Lesungen (Jes 52, 7-10 und Heb 1, 1-6) und das Evangelium (Joh 1, 1-8) berichten? Darauf ging heute unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor in seiner bewegenden Predigt im Weihnachtsgottesdienst in St. Josef in Grub am Forst bei Coburg genauer ein, auf dass wir immer mehr Menschen werden, wie Gott sie gemeint und geplant hat.

Hier die Worte seiner Predigt

Der Zauber der Heiligen Nacht ist schon etwas verflogen, die Sprache der Weihnachtsmesse am Tag ist etwas nüchterner, herber, wen auch sehr feierlich.

Der Anfang des Johannesevangeliums ist ja durchaus ein literarisches Kunstwerk und ein Ohrenschmaus. Aber auch die anderen Worte der Liturgie bringen uns wichtige Botschaften. Ein paar wollen wir zusammen bedenken!

„Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.“

Was Gott beispielsweise durch den Propheten Ezechiel – aber auch durch andere – angekündigt hatte (denn „viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten“ hat es in der Zweiten Lesung heute geheißen), das macht er jetzt wahr: dass er selbst kommen werde als der Gute Hirte, weil die meisten, die eigentlich als Könige gute Hirten hätten sein sollen, kläglich versagt hatten.

Und dann kommt ER – aber so ganz anders, als viele es erwartet hatten, und wohl auch für uns überraschend unspektakulär: nicht in Pracht, mit Macht und Herrlichkeit, sondern als keines Kind, das sich im Grunde von anderen Neugeborenen in keiner Weise unterscheidet, und weder im Zentrum der damaligen Welt, in Rom, auch nicht in Jerusalem, der Hauptstadt Isarels, sondern ein paar Kilometer daneben in der Kleinstadt Bethlehem.

Aber der Evangelist Matthäus sieht in der Geburt Jesu in der Stadt Davids die Verheißung des Propheten Micha erfüllt, dass von dort ausgehen wird der Hirte Israels, ja der ganzen Welt.

„Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn…“ sagt uns der Verfasser des Hebräerbriefs heute in der Zweiten Lesung.

„Viele Male und auf vielerlei Weise… .“ Ja, wirklich oft und auf verschiedene Weisen: Jubelnd-freudig wie heute in der Ersten Lesung, dann wieder sehr kritisch und nachdenklich stimmend, die Umkehr fordernd – damit es nicht zur Katastrophe kommt. Wie oft hören wir Texte der einen oder anderen Tonart in den Ersten Lesungen der Sonntagsliturgie.

Jesus redet nicht Belangloses.

Er, der Abglanz der Herrlichkeit Gottes und das Abbild seines Wesens ist, in dem wir Gott selbst erkennen können, Er, „der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht“, bringt uns die Kunde von der großen Liebe Gottes zu den Menschen.

Das, was in den ersten Sätzen des Johannesevangeliums wie in einer Ouvertüre anklingt, können wir finden, wenn wir hier nicht aufhören, sondern weiterlesen.

Da finden wir dann Stellen wie: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird“ (Joh 3,16 f.), oder auch: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9).

Wenn wir uns die Sprache Jesu anschauen, dann gibt es darin zwar durchaus auch ernste Worte, aber der Grundton ist der Ton der Liebe. 

Es ist die Kunde davon, dass bei Gott eine Wohnung für uns bereitsteht, dass er uns liebt und alles gibt, um uns zu retten. Was Gott von keinem einzigen Menschen verlangt – auch nicht von Abraham -, ihm sein Kind zu opfern, das tut er selber in seiner Liebe für uns:

Er schickt seinen eigenen und einzigen Sohn, den, „der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht“, der dort ganz daheim ist und jede Herzensregung des Vaters kennt, um uns Nachricht zu bringen davon, was Gott für uns fühlt.

Und Christus spricht zu uns durch sein ganzes Leben – nicht nur mit Worten, sondern auch durch sein Tun: durch seine Krankenheilungen, seine Wunder, seine Vergebungszusagen, seine Totenerweckungen. Das alles ist Verkündigung des Reiches Gottes, genauso wie seine Predigten. Während seines ganzen öffentlichen Wirkens hat Christus diese Botschaft des barmherzigen Vaters bezeugt.

Ja, Jesus selbst ist von seiner Menschwerdung bis zu seiner Auferstehung und Himmelfahrt diese Botschaft der Barmherzigkeit Gottes in Person!

In der Ersten Lesung war auch die Rede davon, die Trümmer Jerusalems sollten in Jubel ausbrechen, weil der Vater sein Volk tröstet. Schauen wir heute auch auf die Trümmer, in denen unsere Welt vielerorts liegt, und denken wir dabei einmal nicht nur an die Krisenregionen der Welt, die Katastrophenregionen der Welt, sondern auch – neben vielen lichtvollen Momenten – an manches Ruinöse direkt bei uns: an die vielen zerbrochenen Beziehungen, an den verdunstenden Glauben und die damit auch einhergehende Entwurzelung der Menschen, das Flüchten in den Aberglauben, ihr Herumirren, ihre Süchte, die oft auch Hinweis auf ihre uneingestandenen Sehnsüchte sind, die Vereinsamung und selbstgewählte Isolation, die Infragestellung des Lebensrechts bzw. des Lebenswerts der ungeborenen und der alt und krank gewordenen Menschen, da und dort auch die Verrohung und Brutalität …

In all das will Gott kommen und heilen!

Das bedeutet jetzt nicht, dass es schon passt und wir selbst gar nichts zu tun bräuchten.

Das Erbarmen Gottes geht uns voraus und entgegen, aber wir sollen es aufnehmen, sollen IHN aufnehmen, Christus, sollen sein Licht in unsere Finsternisse hineinleuchten lassen, so sagt es uns der Apostel Johannes heute im Evangelium, damit wir Kinder Gottes werden.

Von Kindern sagen wir manchmal: „Der ist ganz nach seinem Vater / seiner Mutter!“

Wenn uns der Lichtstrahl Christi wirklich getroffen hat, wenn wir uns entschließen, aus der Finsternis in das Licht Christi zu treten, uns von ihm den Weg weisen zu lassen, dann sollen die Menschen auch an unserem Leben merken, dass wir ganz nach dem Bild Gottes sind, dann sollen sie durch uns und an unserem Leben Gottes Wirken erkennen können.

Lassen wir uns immer neu ein auf Christus, das Wort Gottes, geben wir ihm Macht über unser Leben und überlassen wir IHM die Führung.

Lassen wir IHN Fleisch werden in uns, damit wir wirklich Menschen werden. Menschen, wie Gott sie gemeint und geplant hat! Menschen, die einmal auch ohne Schwierigkeiten vor dem bestehen können, der damals als kleines Kind gekommen ist.

Aber der, der einst als Kind gekommen ist, wird wiederkommen, so sagt uns die Zweite Lesung heute auch, „zu richten Lebende und Tote“. Und damit wir es nicht vergessen, sprechen wir es an jedem Sonn- und Feiertag im Glaubensbekenntnis feierlich aus. Werfen wir uns so wie die Engel vor ihm nieder, unterwerfen wir uns seiner Herrschaft, folgen wir seinem Wort, damit wir Kinder Gottes werden und einst mit ihm herrschen können. Amen!

 

Pater Peter Uzor ist Doktor der Theologie, Priester in der Pfarrgemeinde St. Otto Ebersdorf bei Coburg und begleitet unser Projekt PromisGlauben im Gebet.

Die Welt berichtete im März 2016 über ihn mit dem Titel „Pater Peter aus Nigeria, froher Pfarrer in Bayern“ und resümierte mit den Worten: „Ein erstaunlicher Mann“.