Foto: PromisGlauben e.V.

Pater Dr. Peter Uzor: „Jesus war kein naiver Träumer, er war Realist“

Seine Predigt am 4. Sonntag im Jahreskreis zu den Seligpreisungen der Bergpredigt (Mt 5,1-12) stellt unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor unter die Überschrift „Das Glück der ‚Anderen‘ – Jesu Traum von einer neuen Welt“.

 

Anbei die Worte der Predigt von Pater Peter:

 

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Ministranten,

haben Sie in den letzten Tagen einmal bewusst auf die Schlagzeilen geschaut oder durch Ihre Social-Media-Feeds gescrollt? Wir leben in einer Zeit, die uns sehr präzise vorschreibt, wer als „selig“ – also als glücklich und erfolgreich – zu gelten hat.

Die Logik unserer Welt im Jahr 2026 ist oft laut und hart: „Selig sind die Influencer, denn ihnen gehört die Aufmerksamkeit. Selig sind die Durchsetzungsstarken, denn sie kommen ganz nach oben. Selig sind die, die ihre Ellenbogen einsetzen, denn sie setzen sich durch.“

Und dann hören wir heute diesen Jesus. Er sieht die Menschenmenge, er steigt auf den Berg und er setzt sich – wie ein Lehrer, ein Rabbi, der etwas Grundlegendes zu sagen hat. Was er dann ausspricht, ist kein sanftes Hintergrundrauschen. Es ist eine Provokation. Der Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton sagte einmal: Wer die Bergpredigt zum ersten Mal liest, hat den Eindruck, dass alles auf den Kopf gestellt ist.

 

  1. Ein Glückwunsch, der irritiert

Jesus beginnt nicht mit Verboten. Er beginnt nicht mit „Du musst“ oder „Du sollst“. Er beginnt mit einer Gratulation. Das alte Wort „selig“ bedeutet im Griechischen eigentlich: „Herzlichen Glückwunsch!“

Doch wem gratuliert er da? Er gratuliert den Armen, den Trauernden, den Sanftmütigen, denen, die Hunger nach Gerechtigkeit haben.

Wenn wir ehrlich sind, klingt das in unseren Ohren erst einmal absurd, fast schon zynisch. Wer gratuliert denn jemandem, der gerade einen geliebten Menschen verloren hat? Wer nennt denjenigen „glücklich“, der am Ende des Monats nicht weiß, wie er die Rechnungen bezahlen soll?

 

  1. Kein Vertrösten, sondern ein „Trotzdem“

Ist das billige Vertröstung? Ein „Haltet nur durch, im Himmel wird alles besser“? Ein religiöses Beruhigungsmittel, um die Menschen in ihrer Not ruhigzustellen? Nein.

Jesus war kein naiver Träumer, er war Realist.

Er sah das Elend seiner Zeit, und er sieht das Leid unserer Welt heute – am 31. Januar 2026:

Er sieht die Einsamkeit der Älteren in unseren Städten.

Er sieht die Zukunftsangst der jungen Generation angesichts globaler Krisen und Kriege.

Er sieht die Erschöpfung derer in der Mitte des Lebens, die zwischen Beruf, Kindererziehung und der Pflege der Eltern aufgerieben werden.

Jesu Seligpreisungen sind kein Schlafmittel, sondern eine „gefährliche Erinnerung“.

Er sagt uns: „Die Welt, wie sie jetzt oft ist – mit ihrer Härte und Ungerechtigkeit – ist nicht das letzte Wort.“ Er malt uns das Bild einer Gegenwelt – das Reich Gottes. Er sieht die Welt vom Ziel her.

 

  1. Der Stachel im Alltag

Diese Worte sind ein Stachel, der uns herausfordert, unser Leben heute neu zu justieren:

An die Jüngeren: Ihr müsst nicht perfekt sein, um wertvoll zu sein. Ihr müsst nicht jeden Wettbewerb gewinnen oder jede Erwartung erfüllen. Selig seid ihr, wenn ihr den Mut habt, sanftmütig zu sein in einer Welt, die oft nur die Lauten bewundert.

An die in der Mitte des Lebens: Selig seid ihr, wenn ihr euch die Barmherzigkeit bewahrt, auch wenn der Stress euch eigentlich hart machen will. Wenn ihr Zeit für ein echtes Gespräch findet, obwohl der Terminkalender überquillt.

An die Älteren: Selig seid ihr, wenn ihr eure Hoffnung nicht verliert. Wenn ihr eure Lebenserfahrung nutzt, um Friedensstifter zu sein – in euren Familien und in unserer oft so zerrissenen Gesellschaft.

 

  1. Alles auf den Punkt gebracht

Martin Luther sagte auf seinem Sterbebett einen berühmten Satz: „Wir sind Bettler, das ist wahr.“

Das klingt zunächst traurig, ist aber eigentlich befreiend. Es bedeutet: Wir müssen uns unser tiefstes Glück nicht selbst erkämpfen oder verdienen. Wir dürfen mit leeren Händen vor Gott stehen und darauf vertrauen, dass er sie füllt.

Jesus weiß, dass eigentlich alles gegen seinen „Traum“ zu sprechen scheint: die Macht der Rücksichtslosen, das Leid der Gequälten, die Ohnmacht der Guten. Und trotzdem fragt er uns heute: „Traust du dich, meinen Traum zu teilen? Traust du dich, an eine Welt zu glauben, in der am Ende nicht die Gewalt siegt, sondern die Liebe?“

Es ist ein Wagnis, so zu leben – ganz ohne „Reiserücktrittsversicherung“.

Aber es ist der Weg zu einem Glück, das tiefer reicht als jeder Erfolg. Gottes Herrschaft beginnt dort, wo wir anfangen, Jesu Worten zu glauben: Dass die Sanftmütigen die Erde erben werden.

Fangen wir heute damit an. Mit einem barmherzigen Wort, einem Moment der Stille oder einem mutigen Schritt für die Gerechtigkeit. Denn wir sind beglückwünscht – nicht von der Welt, sondern von Gott selbst. Amen.

 

Anbei ein Song zur Bergpredigt, der die Worte von Pater Peter nachklingen lässt: 

HIER