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In seiner Auslegung zum heutigen Evangelium zum Heiligen Abend (Lukas 2,1-20) wirft unser geistlicher Begleiter Pater Peter Uzor einen Blick darauf, was das Weihnachtsereignis für unser Leben heute bedeuten kann.

Einleitend betont Pater Peter:

Es ist eine großartige Begegnung, die wir in diesen Minuten feiernd erleben:

Der „Himmel“ öffnet sich und kommt uns mit froher Botschaft entgegen.

Wir machen uns auf, das göttliche Kind, den Retter und Heiland zu begrüßen. Gerade in diesem Jahr, das so voller Zumutungen ist, viele einsam gemacht, liebende Menschen voneinander ferngehalten, Krankheit und Ängste zugemutet hat, können wir diese Botschaft, dieses Ereignis Gottes mehr als gut brauchen.

Jesus steigt ein in unser Leben.

Unser „Geburtstagskind“ bringt Hoffnung und Freude und lässt uns gewiss sein: Ich bringe euch ein Stück Himmel – mitten hinein in diese Welt mit all ihren Zumutungen und Herausforderungen, in eure Sehnsucht nach Liebe, Licht und Frieden. Mitten hinein in alles Leid, alle Armut dieser Welt, alles Unheil, das unzählige Menschen erleben. Tief hinein auch in dein Herz und in deine Gedanken.

 

Hier die Worte seiner Predigt „Wir sind nicht allein“:

 

Registrierungen gibt es auf allen Ebenen. Alles wird erfasst. Tag für Tag werden Statistiken erstellt, neue Zahlen herausgegeben. Ja, auch heute werden Volkszählungen auf vielerlei Weise und aus unterschiedlichsten Gründen vorgenommen. Wen kann ich beeinflussen? Wie viele Menschen erreiche ich? Wie viele Follower oder Freunde habe ich in den sozialen Medien? Überblick gesucht!

So erlebe ich auch die Situation im Weihnachtsevangelium. Da herrscht ein Kaiser, der Statistiken erheben, Wohnsitze festschreiben und alles genau wissen will. Ihm geht es ums Geld. Dafür versetzt er die ganze Bevölkerung in Aufruhr. Jeder muss dahin, wo seine familiären Wurzeln sind. Egal ob schwanger, Kind, alt oder krank. Egal ob der Weg zumutbar ist oder krasse Anstrengung. Egal, ob die Betroffenen die Notwendigkeit der Verordnungen einsehen wollen oder nicht …

Ganz anders die Hirten. Sie sitzen am Feuer, sie wachen nach getaner Arbeit. Die Einen ruhen aus, die Anderen reden miteinander bis der Himmel sie in Bewegung und völlig aus dem Häuschen bringt. Sie sind auf ganz andere Art und Weise aufgestöbert worden. Sie zählen in der damaligen Gesellschaft nicht, sind soziale Randsiedler, keiner Notiz wert, mit nichts und niemand im Kontakt, außer mit ihren Tieren. Wer nichts hat, braucht auch nichts zu bezahlen. Bis heute ist das so. Unzählige Menschen haben weltweit keine Papiere und keinerlei Rechte.

Ausgerechnet die Hirten bekommen keinen römischen, sondern einen himmlischen Boten geschickt. Dieser bringt keine Zahlungsaufforderung und keinen Marschbefehl. Er bringt Licht und strahlt sie an. Er verkündet völlig überraschend große Freude.

Nicht: Eure Sorgen sind vorbei. Nicht: Ihr braucht nicht mehr zu arbeiten! Nicht: Ihr seid jetzt keine Outlaws mehr! Nein! – Große Freude. Ihr seid nicht übersehen.

Gott lässt euch und keinen Menschen im Dunkel sitzen. Ein Retter ist geboren, einer, der Windeln kennt, für den auch kein Platz in der Herberge, in der Gesellschaft ist: Einer wie sie, wie wir: auf Augenhöhe, zum Anfassen, in der Futterkrippe.

Endlich ist da jemand, der sie wahrnimmt, Seite an Seite mit Armen und Bedürftigen das Leben teilt, Hoffnung bringt, Resignation nimmt und wieder Mut macht. Auf jeden Fall einer, der den Himmel im Dunkel der Welt zum Singen bringt und nicht nur den Hirten zujubelt, dass Friede und Rettung wird und alle Menschen sich Gottes Zuneigung, seines Gefallens sicher sein dürfen.

Jesu Geburt wird kaum erwähnt: Der Entbindungstermin war gekommen. Das Kind kommt zur Welt, wird versorgt und findet einen Platz zum Schlafen. Kein Pomp, keine Geburtsurkunde, keine Einwohner-Meldeamt, keine Geburtenstatistik, keine Willkommensparty, keine Zeitungsanzeige, ein paar glückliche Menschen. Und die Tatsache: Er ist da.

Als Erste kommen die Hirten, berichten vom himmlischen Geschehen und bringen Maria und Josef zum Staunen. Nachher geht es für sie zurück in den Alltag, aber eben um diese Erfahrung reicher: Gott hat uns angeschaut. Wir haben Hoffnung, ein Neugeborenes bringt Zukunft. Wir haben gehört: Gott ist am Werk, mitten in der Welt – und für uns.

Mit den Hirten dürfen wir dem Kind erzählen, was wir erleben, auf dem Herzen haben, was uns überrascht und auf den Weg zu ihm bringt.

Darum geht es wenn wir heute Jesu Geburt feiern. Der Himmel bricht in die Welt ein. Ganz egal, was um uns herum alles passiert, es gilt: Der Retter ist da. Der Heiland ist geboren!

Wir sind eingeladen, mit Maria diese Botschaft im Herzen zu bewegen und zu bewahren und in unser Leben und somit in das Geschehen der Welt hineinzuweben. Ob Corona oder was auch immer: Menschen, die im Dunkel sitzen, sind nicht allein in ihrem Elend, ihren Ängsten, ihrer Krankheit oder ihren Leid.

Licht strahlt für alle auf, weltweit.

Menschen, die von Soldaten niedergeknüppelt werden, haben einen Grund, ihren Glauben an Freiheit und Frieden zu bewahren. Menschen, deren Armut und Not sie chancenlos aussehen lässt, bleiben nicht ohne Hilfe. Menschen, die fertig gemacht und eingeschüchtert werden, sind wahrgenommen und sollen auch in uns Sprachrohre finden, die für sie und mit ihnen den Mund aufmachen und ihre Rechte einfordern. Menschen, die Scheitern hinter sich haben oder mitten drinnen stecken, erfahren: Da ist einer, der verurteilt mich nicht, sondern schafft mir Heil. Nicht mein Titel, mein Geldbeutel, meine Stellung oder mein Besitz sind wichtig, da ist einer, der sucht nach mir, dem ist wichtig, wie es mir geht.

Denn: Dieses Kind ist geboren, weil Gott retten will, sich finden lässt und seine Liebe zeigt. Dieser Jesus ist da, weil Gott heilend und befreiend, rettend und Mut machend in die Welt einsteigt.

Der, dessen Geburt wir heute feiern, mit dem wir Begegnung suchen, zeigt uns: Ich bin auch in deinem Leben, deinem Arbeiten und Lieben, deiner Sehnsucht und deinem Glück mitten drinnen. Ich freue mich, wenn es dir gut geht. Und er ist gleichzeitig derjenige, der uns sendet: Nicht nur Statistiken und Fallzahlen zur Kenntnis nehmen und abhaken, sondern für Welt und Menschen nach Kräften und auf seine Art und Weise da sein. Auf solche Menschen kommt es an, überall und immer. Sie zählen vor Ort. Sie tun gut, auch wenn sie nirgends groß in Erscheinung treten. Auf sie kann man zählen, wenn Hilfe nottut. Mitten in den unterschiedlichsten Situationen des Lebens zeigen sie: Der Himmel ist offen.

Im Vertrauen auf das Kind in der Krippe, den leidenden, gewaltfreien Jesus am Kreuz, den auferweckten Herrn, meistern wir, was uns fordert, können wir uns alledem stellen, was uns ängstigt, werden wir zum Segen, zur Heimat, zum Beistand und zum Himmelsboten für viele.

Wir müssen keine Listen führen, sondern eifrig das Gute tun, für uns, für die Menschen unserer Zeit, für die Schöpfung, für alle, die uns brauchen. Dann erscheint Gottes Herrlichkeit sichtbar, dann wird Hoffnung greifbar – und wir sind selig.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

 

Anbei der Song „Licht“ von den O’Bros: