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Zum heutigen Festtag Patrona Bavariae geht unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir in seiner Auslegung des Evangeliums (Joh 19, 25-27) auf die Mütterlichkeit Gottes ein. Dabei blickt er auch auf sein heutiges 25-jähriges Priesterjubiläum zurück.

 

Hier die Worte seiner Predigt als Audio-Datei und anschließend im Text-Format:

 

 

Was für ein Bild, was für ein ausdruckstarkes Bild:

Jesus stirbt am Kreuz und sieht unter sich seine Mutter, deren Schwester, daneben die treue Maria von Magdala und seinen Lieblingsjünger Johannes stehen, weinen, mitleiden und trauern. Und dann empfiehlt er seiner Mutter den Jünger und seinem Jünger die Mutter an. Sie sollen füreinander da sein, füreinander sorgen.

In der Nähe der antiken Stadt Ephesus gibt es das sog. „Haus der Mutter Maria“ ein restaurier-tes byzantinisches Kirchen- oder Klostergebäude, das von Pilgern als zeitweiliger Wohnort und mögliches Sterbehaus Marias, der Mutter Jesu, betrachtet wird. Das in Ephesos verehrte Grab des Apostels Johannes wird als eine Art Beweis herangezogen, dass die Mutter Jesu gemäß dem Bibelwort „Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19, 27) nach den Osterereignissen bei Johannes gelebt habe. Nach dieser Auffassung hat Maria die letzten Jahre ihres Lebens in Ephesos verbracht, wohin sie zusammen mit dem Jünger Johannes vor Christenverfolgungen unter Herodes Agrippa I. aus Jerusalem geflüchtet sein soll.

Ich selbst durfte dort schon einmal sein und war beeindruckt von diesem Ort, auch deswegen, weil er ein Ort ist, wo Christen und Moslems zusammen eine Wallfahrtsstätte haben. Für gläubige Moslems ist Maria (Maryam)  selbst und als Mutter des Propheten Isa (Jesus) verehrungswürdig.

Johannes hat also Wort gehalten, er kümmerte sich um die Mutter Jesu. Und so konnte Maria zur Mutter der sich entwickelnden Kirche werden.

Maria als Mutter Gottes – Maria als Mutter der Kirche – Maria als unsere Mutter.

Jede/r von uns denkt immer wieder an seine/ihre Mutter, ob sie noch lebt oder ob sie im neuen Leben, in der Ewigkeit ist. Je älter wir werden, umso mehr merken wir, was unsere Mutter alles für uns getan hat. Sie hat uns ins Leben gebracht, beschützt, genährt, behütet, getröstet, ermuntert, uns Lebensweisheiten eingepflanzt, die nach und nach Früchte tragen.

Unsere Mutter zeigte in den Höhen und Tiefen des Lebens Kraft, Liebe, Ausdauer, Mut, sie lebte uns Wichtiges vor.

Heute vor 25 Jahren wurde ich nach langer Ausbildung am großen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen mit drei anderen Franziskanern zum Priester geweiht. Ich weiß es noch wie heute. Meine Mutter, mein Vater, meine Geschwister waren bei diesem besonderen Fest dabei. Ein paar Tage später durfte ich dann die ersten heiligen Messen in meiner Heimatstadt Eichstätt feiern. Unvergesslich war für mich, wie meine Mama mir am Gartentor, bevor sich der feierliche Zug in Richtung Kirche in Bewegung setzte, mir ihren mütterlichen Segen gab. Ich kniete mich in vollem Ornat vor sie auf der Straße hin und sie sagte bewegt Segnungsworte über mich.

25 Jahre sind ins Land gegangen. 25 Jahre mit unzählbaren Begegnungen mit Menschen als Mitmensch, Franziskaner und Priester an verschiedensten Orten und in allen Lebenslagen. Taufen, Erstkommunionen, Firmungen, Hochzeiten, Beerdigungen, Krankensalbungen, Beichten, Gespräche, Segnungen, Hl. Messen, Predigten und vieles mehr durfte ich als geweihter Jünger Jesu leisten und dabei immer wieder auch auf Jesus Christus hin transparent werden. Seit gut vier Jahren bin ich nun Krankenhausseelsorger und darf Menschen in schweren Lebenssituationen beistehen.

So möchte ich Sie an etwas teilhaben lassen, das gut zum Fest der Mutter Gottes, die auch unsere Mutter ist, passt.

Zwei Jahre lang durfte ich einen Mann von Mitte Sechzig immer wieder ein Begleiter auf Zeit hier im Klinikum sein, wenn er wegen seiner multiplen Krebserkrankung hier in Behandlung war. Vor ein paar Wochen war er wieder hier, weil seine Gesamtsituation sich verschlechtert hatte. Jeden Tag durfte ich mit ihm und manchmal auch mit seiner Frau und seinen erwachsenen Kindern mich austauschen. Die sehr persönlichen Gespräche mit ihm angesichts des bald bevorstehenden Todes gehören zu den wertvollen Schätzen in meinem Leben. Eines Tages lies er mich über den Pfleger rufen und wir sprachen über einen Traum, den er hatte und der ihn sehr bewegte. Seine schon lange verstorbene Mutter – er nannte sie Mutti – erschien ihm nun immer wieder im Traum. Das kannte er so nicht. Da mir so etwas im Rahmen von Sterbegeschehen bekannt ist, wies ich ihn darauf hin, dass er mit ihr doch Kontakt aufnehmen sollte, da sie ihn vielleicht abholen will. Die Gespräche in den Tagen darauf drehten sich immer wieder um diesen Dialog, den er mit seiner Mutter auf geistiger Ebene führte. Auch, wenn sein Sterben kein leichtes war, er verlor so nach und nach die Angst davor, denn seine Mutti war ja da und holte ihren Bub nach Hause.

Was für ein Trost! Was für eine Wahrheit! Der Tod ist nichts! Er ist Durchgang zu einem neuen Leben, wo wir die Unseren wieder neu und für immer um uns herum haben werden.

Wie hieß es im Evangelium: „Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.“

Dass dieses gegenseitige Annehmen und Aufnehmen nicht nur in dieser, sondern auch in der neuen Welt gilt, möge folgende Geschichte zeigen.

Wie alle Mütter in besonderer Weise bei ihren Kindern sind, wenn sie leiden, ist auch die Mutter Gottes immer bei uns, besonders wenn wir sie brauchen.

Ein Beispiel für die Gegenwart unserer Mutter Gottes ist Papst Johannes Paul II., dessen Mutter starb, als er noch jung war. Er nahm daraufhin die Mutter Gottes als seine geistliche Mutter in sein Herz auf. Während seines ganzen Lebens empfand Papst Johannes Paul II. die Führung der Mutter Gottes als seine Mutter, besonders aber am 13. Mai 1981, dem Fatimatag, als er auf dem Petersplatz angeschossen wurde. Er sagte später, dass eine Hand den Schuss abgefeuert hatte, eine mütterliche Hand aber den Weg der Kugel lenkte, was bedeutete, dass die Mutter Gottes die Kugel davon abhielt, ihn zu töten. Als Danksagung pilgerte Papst Johannes Paul II. im folgenden Jahr nach Fatima, und diese Kugel ist in der Krone der Statue Unserer Lieben Frau in Fatima eingearbeitet worden.

Lernen auch wir, vertrauensvoll Maria mütterlich liebend und lenkend in unser Leben herein zu lassen, damit sie für uns sorgen kann. Und sorgen wir ähnlich wie der Lieblingsjünger Johannes uns auch immer wieder um Maria und ihre Kirche, der es nicht so gut geht und die unseren Einsatz, unser Gebet, unsere Fürsorge und unsere Liebe braucht.

Am Ende meiner Predigt möchte ich das älteste überlieferte Mariengebet aus dem 3. Jahrhundert in großem Vertrauen beten:

Unter deinen Schutz und Schirm

fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin;

verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten,

sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren.

O du glorreiche und gebenedeite Jungfrau,

unsere Frau, unsere Mittlerin,

unsere Fürsprecherin.

Versöhne uns mit deinem Sohne,

empfiehl uns deinem Sohne,

stelle uns vor deinem Sohne.

Amen.

 

 

Pfarrer Christoph Kreitmeir in der Kapelle im Klinikum Ingolstadt: