In seiner Auslegung des heutigen Sonntagsevangeliums (Mt 4,1-11) mit der berühmten Redewendung „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ geht unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir am ersten Fastensonntag darauf ein, welche spirituellen Schätze das Fasten / der Verzicht mit sich bringen.

Hier die Worte seiner Predigt:

Fasten ist wieder in. Ein Blick in die Zeitschriftenangebote zwischen Winter und Frühjahr zeigt dies.
Viele Menschen suchen und finden heute wieder heilsame Wege zu „einem besseren Leben“. Nicht wenige wenden sich der „Heilkraft des Verzichts“ deshalb zu, weil seelische Überbelastung, wie zum Beispiel Burnout, oder körperliche Krankheiten, wie Diabetes zum Beispiel, sie dazu gleichsam „zwingen“.

Das Verzichten, das Fasten birgt aber auch spirituelle Schätze in sich, die wieder neu entdeckt werden wollen.

Die Kirche bietet uns mit der 40-tägigen Fastenzeit eine besondere Zeit, neu zu sich und zu Gott zu kommen. Dabei sind Fasten, Gebet und das Erkennen seiner eigenen Grenzen Hilfen, um seinem Leben eine neue, sinnvolle und befreiende Orientierung zu geben.

Die Versuchungen Jesu in der Wüste betrafen sein ganzes Menschsein … und somit auch unseres:

  • Die erste Versuchung betrifft existentielle Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken. Es geht um die tieferliegende Frage, was uns eigentlich nährt und wovon wir wirklich leben.
  • In der zweiten Versuchung geht es um geistig-geistliche Grundbedürfnisse und hier vor allem um das Gottvertrauen.
  • Und die dritte Versuchung tangiert die psychischen Grundbedürfnisse. Es geht um Macht und Ehre, um Prestige. Wer bin ich?

Wer fastet, kommt in Kontakt mit seinen Urfragen, seinen Beschränkungen, seinen eingeschliffenen Verhaltens-, Denk- und Fühlweisen.

Er wird sich bedürftig erleben. Das oft so Selbstverständliche wie Essen, Trinken, sicherer Wohnraum, Kraft und Energie werden als wertvolle Geschenke erlebt.

Wer fastet, der kommt mit den tieferen Quellen der Seele und der Geistigkeit in Berührung.

Für die einen sind diese Quellen rein humanistischer Art, für andere öffnet sich ein spiritueller Hintergrund. In allen Religionen spielt das Fasten eine sehr wichtige Rolle.

Fasten lässt in uns die Sehnsucht nach Mehr neu aufleben, Träume werden lebendig und bringen uns in Kontakt mit unseren Schattenseiten.

Verdrängtes, Verstecktes, Ungewolltes kommt aus der Deckung hervor, will beachtet und integriert werden.

Für Christen gilt das Beispiel Jesu, wie er mit den Bedürfnissen des Alltages umging, wie er fastete, wie er betete. Wir Christen sehen in Jesus Christus Gottes Sohn. Gott bringt seinen Sohn in der Wüste an die Grenzen der Belastbarkeit. Sein Festhalten am Eigentlichen und wirklich Lebenswichtigen durch alle Versuchungen hindurch gibt uns Hoffnung und Mut für unser Leben.

Jesus zeigt uns das Land der Freiheit, das durch Wüstenzeiten hindurch entdeckt und errungen werden will, das uns aber auch geschenkt wird.

Jesus ist entschieden in seinem Tun, er weist den Satan, den „Schattenbruder unserer Seele“ in seine Schranken … „und dieser ließ von ihm ab und es kamen Engel und dienten ihm“.

Wer Jesus glaubt, wer an Jesus glaubt, der erfährt den „Lichtbruder an seiner Seite“, der ihm den Weg zu innerer und äußerer Freiheit zeigt. Jesus macht uns den Weg frei zu uns selbst, zu größerer Menschlichkeit, zu ihm, zu Gott. Wer auf Jesus vertrauen lernt in den Licht- und Schattenseiten des Lebens, der wird das große Vertrauen ins Leben, der wird Gottvertrauen lernen. Er wird die echte „Freiheit eines Christenmenschen“ entdecken und leben können.

Fastenzeit ist nicht die Zeit der Trübsal,
sondern eine Einladung, intensiver, bewusster, erfüllter zu leben –
Gespräche, die nicht an der Oberfläche bleiben,
Gespräche, bei denen uns etwas aufgeht,
bei denen wir nicht nur um uns selber kreisen,
sondern zu uns selber finden, Fragen an uns heranlassen:

Woraus stille ich meinen Durst? Was gibt mir Kraft und Orientierung?
Was sind die Ursachen für meine Traurigkeit, Unzufriedenheit, Unausgeglichenheit?
Nicht erst am Lebensende will ich spüren, dass in uns eine Sehnsucht brennt, die mit materiellem Reichtum, mit der größten Villa,
mit der Bilderbuchkarriere,
mit dem Traummann oder der Traumfrau nicht erfüllt sein kann.

Sehnsucht nach einem Sinn des Lebens will ich spüren,
nach Angenommensein, Liebe und Geborgenheit,
wie nur Gott sie schenken kann –
und eine lebendige Beziehung zu ihm, die es uns möglich macht,
Lebensquellen zu entdecken und zu erschließen.

(Maximilian Himmel)

 

Mehr spirituelle Impulse von Pfarrer Christoph Kreitmeir gibt’s HIER

 

Hier ein aktueller TV-Beitrag über die Seelsorge im Klinikum Ingolstadt, wo Pfarrer Kreitmeir tätig ist: