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In seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium vom Gleichnis „Der gute Hirte“ (Johannes 10,11-18) betont unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir:

„Gott ist in jedem Menschen daheim.“

In der Mitte unserer Mitte, ganz tief drinnen in uns ist er und durchwebt uns. Gleich einer Quelle schenkt er uns immer wieder frisches Wasser, das uns von innen heraus reinigt und gesund macht. Von dieser Gotteserfahrung und Gottesberührung sagt Augustinus: „telegisti me!“ – Du hast mich angerührt“ – eine Berührung, die eine Gänsehaut auslöst, weil sie so glücklich macht.

Gotteserfahrung ist wie eine tiefe Liebeserfahrung: Man fühlt sich trotz aller Fehler und Mängel angenommen, wohlwollend erkannt, geliebt, aufgerichtet und gestärkt.

 

Hier die Worte der Predigt von Pfarrer Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Text-Format:

 

 

Von Hunden kennt man das, was wir gerade im Evangelium gehört haben: Er kennt die Stimme seines Herrchen oder seines Frauchen und folgt mehr oder weniger deren Rufe.

Jesus spricht heute die berühmten Worte vom „Guten Hirten“ und was dieser im Vergleich zu jemandem, der nur ein bezahlter Knecht ist, für die ihm anvertrauten Schafe tut.

Mich interessiert heute dieses besondere Vertrauensverhältnis zwischen Hirten, Herde und vor allem dem einzeln anvertrauten Tier.

Der Jude Jesus verwendet Bilder und Erfahrungen, die jeder Jude kennt. Jahrhundertelang waren sie Nomaden. Auch, wenn sie sesshaft wurden, das „Volk der Hirten“ kannte dies: Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Vertrautheit, sich um den Anvertrauten kümmern, ihn lenken, hüten, beschützen.

Jesus sagt, dass er der gute Hirte ist, der, welcher die Menschen kennt, jeden, jede und genau weiß und fühlt, was er oder sie nötig hat.

Dieses Vertrauensverhältnis nährt sich aus einer tiefen Quelle, nämlich der Beziehung zwischen Jesus und dem Vater, also Gott: So wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne… An einer anderen Stelle sagt Jesus dann sogar: Ich und der Vater sind eins.

Das gerade Gehörte kann man leicht überhören, es ist aber, wenn man es wirklich an sich heranlässt ungeheuerlich und umwerfend:

Das, was zwischen Jesus und mir und Jesus und dir schwingt an „Kennen“, an „Wissen voneinander“, „Schwingen miteinander“, das gleicht dem, was Jesus mit seinem Vater, also mit Gott verbindet.

So wie Gott, so kennt Jesu uns.

So wie er steht niemand zu uns. Er kennt den Menschen bis in seine letzte Wurzel hinab, die in Gott ruht, der ihn kennt, wie er ist. Jesus und der Vater-Gott sind eins und Gott ist uns näher, so sagt der hl. Augustinus, als wir uns selbst sind: „Gott ist dir näher als du dir selbst nahe bist!“ (Augustinus, Bekenntnisse III, 6, 11).

Das heißt ja so viel, wie:

Gott ist in jedem Menschen daheim.

In der Mitte unserer Mitte, ganz tief drinnen in uns ist er und durchwebt uns. Gleich einer Quelle schenkt er uns immer wieder frisches Wasser, das uns von innen heraus reinigt und gesund macht. Von dieser Gotteserfahrung und Gottesberührung sagt Augustinus: „telegisti me!“ – Du hast mich angerührt“ – eine Berührung, die eine Gänsehaut auslöst, weil sie so glücklich macht.

Gotteserfahrung ist wie eine tiefe Liebeserfahrung. Gotteserfahrung ist wie eine tiefe Liebeserfahrung: Man fühlt sich trotz aller Fehler und Mängel angenommen, wohlwollend erkannt, geliebt, aufgerichtet und gestärkt.

Der deutsche Mystiker Meister Eckhart – und darin bestärken ihn eigentlich die Mystiker aller Religionen – bestätigt diese tiefe innere Erfahrung, wenn er sagt: Gott ist mir näher, als ich mir selber bin. Mein Dasein hängt daran, dass Gott mir nahe und gegenwärtig ist. 

Es braucht mehr als nur den Verstand, um die Jesus-, Christus- oder Gottesspur heute in unserem ganz alltäglichen Leben zu entdecken. Es braucht ein Berührt-Sein von und durch Gott.

Dann kann jeder und jede von uns erfahren, was der hl. Franz von Sales in so schöne Worte fasst: „Nicht nur an dem Ort, wo du bist, ist Gott, er ist auch ganz besonders in deinem Herzen und in der Tiefe deiner Seele, er belebt und beseelt dich mit seiner göttlichen Gegenwart, er ist da.“

Im Evangelium haben wir davon gehört, dass Jesus folgenden Satz sagte: „Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir …“ Ich möchte heute den ersten Teil des Satzes herausnehmen: „Meine Schafe hören auf meine Stimme …“

Wie geht das, auf Jesu Stimme, auf Gottes Stimme zu hören?

Diese Frage haben Sie sich vielleicht auch schon einmal gestellt.  Wohl die meisten Christen fragen sich: Sind die Ideen, Gedankenblitze, Fantasien … in mir von Gott, der sich in Erfahrung bringt, oder bin ich es nicht vielmehr selbst, der das innerlich Gehörte dann auf Gott hin deutet?

Wie kann ich also richtig geistlich „Hören lernen“ und somit die Stimme Gottes aus meiner eigenen herausfiltern?

In einer Predigt kann ich diese wichtige Frage nur andeuten. Ich will hier nur einige Tipps geben. Gefunden habe ich sie in diesem sehr lesenswerten Beitrag über das Hörenlernen – Auf Gottes Stimme hören von Markus Lerchi.

 

  1. Lektüre der Bibel, die ja in einmaliger Weise Wort Gottes ist. Ähnlich auch die Auseinandersetzung mit Predigten, geistlichen Gesprächen oder die Beschäftigung mit dem Leben von Heiligen. Von all dem geht eine Botschaft aus, die in der hörenden Bereitschaft:„Gott, was willst du mir damit sagen“? erst noch zu entziffern ist.
  1. Mit allem Ernst aufmerksam Tag für Tag fragen:Wo, in welchen Ereignissen und Begegnungen liegt ein Anruf Gottes verborgen? Machen wir uns die Blick- und Hörweise Jesu zu eigen.Aktuelle Tagesereignisse wie eine politische Mordtat oder der Zusammenbruch eines Turmes vernahm Jesus als Anruf Gottes, der damit die Menschen zur Umkehr bewegen will. So waren Welt und Geschichte für Jesus durch und durch transparent für Gottes Stimme und Ruf.
  1. Von Zeit zu Zeit ist es gut, längere Gebetszeiten zu halten.Die folgende Gliederung hat sich bei vielen Christen bewährt: 10 Minuten pro Tag, 1 Stunde pro Woche, 1 Tag pro Monat, 1 Woche pro Jahr. Es ist sehr wertvoll, nicht nur kurze Momente der Stille, sondern auch längere Stille-Zeiten zu pflegen. Dabei zeigt die Erfahrung, dass diese bewusst geplant werden müssen. Zunächst kommen einem dann ganz viele Gedanken, Ideen, Dinge, die man noch hätte tun wollen… Doch mit der Zeit wird man leer. Und es kommen Stimmen auf. Fragt sich jetzt nur: Welche dieser Stimmen ist Gottes Stimme? Wo spricht in all dem Gott, wo ist Gottes Heiliger Geist am Werk?

 

Wie man das herausbekommen kann, das bedarf einer tieferer Auseinandersetzung damit. Ich empfehle dafür folgendes Buch: Gisbert Greshake, Hören auf den Ruf und geistliches Unterscheiden, Topos-Plus-TB, Kevelaer 2012.

Amen.