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In seiner Predigt zum heutigen 1. Advent erinnert unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir an das Versprechen Jesu „Wer anklopft, dem wird geöffnet werden“ und verbindet dieses Bild von der geöffneten Tür mit der Stimmung der Adventszeit – einer Zeit, in der sich Christen seit 2000 Jahren darauf besinnen, dass Gott sich in Jesus gezeigt hat und uns die Türen zum Leben öffnete.

Hier die Worte der Predigt von Pfarrer Kreitmeir zur Auslegung des heutigen Sonntagsevangeliums (Mt 24,37-44)

Vielleicht kennen Sie das noch aus Ihrer Kindheit: Je näher das Weihnachtsfest kam, desto mehr wurden manche Zimmer oder Schränke geheimnisvoller, weil hinter den Türen sich liebevoll vorbereitete Geschenke oder besonders geschmückte Räume befanden. Am Hl. Abend wurden die verschlossenen Türen dann geöffnet und … ja, welche Erinnerungen haben Sie da? Gute? Enttäuschende?

„Die Tür wird aufgehen”, das sagte auch Jesus auf dem Hügel, auf dem er seine Bergpredigt hielt.

„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.”

Ein Satz ohne Wenn und Aber. Wenn du klopfst, dann wird sich dir eine Tür öffnen. Hab Vertrauen, dass du nicht draußen stehen gelassen wirst. Mut und Zuversicht drücken Jesu Worte aus, die uns anstecken können.

Er selbst stand mit seinen Eltern am Beginn seines Lebens vor verschlossenen Türen … und öffnete uns die Türen zum Leben.

Maria hatte man als hochschwangere Frau draußen vor der Türe stehen lassen. Sie schleppt sich begleitet von Josef von Herberge zu Herberge, um halbwegs einen geschützten Ort für die Geburt ihres Kindes zu finden. Hilflos, ohne Rechtsanspruch, als Bittseller stehen Maria und Josef vor verschlossenen Türen. Sie müssen sich von oben bis unten mustern lassen.

Egal, ob die Wirte mitleidig-bedauernd den Kopf schütteln oder das Paar arrogant wegscheuchen. Im Ergebnis ist es das gleiche: Die Türe bleibt zu. Hilflos und verzweifelt bleiben sie draußen, weil eben alles Klopfen nichts geholfen hat. Hat Jesus diese Geschichte vergessen, als er da auf dem Berg stand und predigte?

Sie bleiben immer wieder zu, diese Türen. Das wissen wir aus Erfahrung. Nicht jeder Wunsch geht in Erfüllung, nicht jeder Lebensweg führt genau dorthin, wo ich das gerne hätte. Nicht jedes Gebet wird erhört, nicht jeder Plan gelingt. Da stehen wir dann dumm da, spüren die Hilflosigkeit, merken, wie die Verzweiflung die Kraft aus unserem Körper und aus unserer Seele saugt.

Verschlossene Türen sind kein Spaß, und je wichtiger uns gerade diese Tür war, umso mehr schmerzt es, wenn sie sich einfach nicht öffnen lässt.

Es ist manchmal zum wahnsinnig werden – und so mancher möchte dann sein Ziel mit Gewalt erreichen – aber wir wissen: Die wirklich wichtigen Türen im Leben kann man nicht so einfach aufbrechen.

„Die Tür wird aufgehen”, sagte Jesus auf dem Hügel, bei seiner Bergpredigt. „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.” Aber:

Haben wir schon mal überlegt, ob wir vor einer falschen Türe stehen?

Nebenan, da war die Türe zum Stall von Bethlehem. Und die stand sperrangelweit offen. So hatten sich das Maria und Josef nicht vorgestellt. Der Stall war für sie eine Notlösung, eine hygienische Katastrophe. Und doch:

Genau das war der richtige Platz für dieses einmalige Kind, für das einmalige Ereignis, dass Gott Mensch wird.

Kein anderer Ort wäre so symbolhaft, so prägend für das gewesen, was da kommen sollte.

Die Tür stand offen, es war nur eine ganz andere als die, auf die man gewartet hatte.

Vielleicht verzweifeln wir auch manchmal an verschlossenen Türen, klopfen uns die Finger wund, und sind so fixiert auf diesen einen Weg, dass wir nicht bemerken, wie sich nebenan eine andere Tür weit öffnet.

„Dein Wille geschehe”, so hat Jesus uns zu beten und zu hoffen gelehrt, und doch sind wir manchmal vernarrt in die eine Wunsch-Türe, dass wir ausblenden, dass unser Gebet bereits erhört wurde, nur zeigt der Kompasspfeil in eine andere Richtung.

Jesus Christus, er ist der Erfinder der offenen Türen. Er hat sie aufgerissen, die Türe zwischen dem Reich Gottes und unserer kleinen Welt. Das trennende Tor zwischen Gott und Mensch wurde aufgesperrt.

Darum ist ER in unsere Welt gekommen, als kleines Kind in Bethlehem. Er hat sich nicht von verschlossenen Gasthaustüren davon abhalten lassen, hier bei uns zu wohnen.

Vielleicht wird sich hinter mancher Tür auch etwas anderes zeigen, als wir es erwartet oder uns gewünscht haben – mit Gottes Hilfe werden wir lernen, zu erkennen, welch andere Wege er uns dadurch eröffnen möchte.

Es kommt für einen gläubig-vertrauenden Menschen auf folgendes an:

  • tatsächlich mit dem Vertrauen eines Gotteskindes zu klopfen,
  • sich von unserem himmlischen Vater etwas zu erbitten,
  • mit Gottes Augen zu suchen, was in dieser Welt wirklich wichtig ist
  • und wachsam an der Tür unserer Seele zu stehen, damit keine Kraftdiebe und Seelenräuber in unser Inneres eindringen können.

Denn nur wer wachsam ist, bleibt beschützt, wer sucht, der findet, wer bittet, dem wird gegeben und dem Klopfenden, dem wird aufgetan. Amen.

 

Hinweis: Weitere schöne Impulse zur Adventszeit von Pfarrer Christoph Kreitmeir finden sich in seinem Buch „Zeit für mich – Zeit für Gott: Seelennahrung für Advent und Weihnachten“.