Foto: Carlo Dolci creator QS:P170,Q503322, Dolci Madonna p1070185, cropped, CC0 1.0

Aus gegebenem Anlass bringen wir die Sonntagspredigt von unserem geistlichen Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir schon heute, um zur Europawahl einen Impuls im christlichen Bewusstsein zu setzen. In seiner Predigt zum Sonntagsevangelium (Joh 14,23-29) nimmt Pfarrer Kreitmeir Bezug auf den morgigen Wahlsonntag zur Europawahl. Dazu hat er die Lesung (Apg 16,6-15 – Paulus wird nach Europa gerufen) abweichend zur Sonntagsordnung gewählt, weil diese Stelle aus der Apostelgeschichte sehr gut zeigt, wie Paulus im damaligen „Europa“ unterwegs war und durch seine Reisen und Gemeindegründungen den Geist Jesu Christi an den Schaltstellen des damaligen „Europa“ eingepflanzt hatte.

Hier die Worte der Predigt von Pfarrer Kreitmeir:

Die Worte des heutigen Evangeliums schwingen gut in mir nach: Jesus wird den Beistand vom Vater senden, den Hl. Geist. Er hinterlässt uns Frieden, einen Frieden, den die Welt nicht geben kann. Er wünscht, dass unser Herz sich nicht beunruhige und nicht verzage…

Auf Jesu Wort, da kann und will ich mich verlassen. Ich weiß aber auch, dass ich meinen Teil dazu beitragen darf. Sein Wort will in mich eindringen, mich inspirieren, in mir arbeiten und mich dann zum Fühlen, Reden und Handeln in seinem Geiste bewegen.

Ich gehöre zu einer auserwählten Generation – und ich empfinde das dankbar als ein großes Geschenk, aber auch als eine Herausforderung – , die über 70 Jahre keinen Krieg erfahren musste, auch wenn der Jugoslawienkrieg und so manch andere unmenschliche Erfahrungen mir zeigen, wie nah dran wir oft schon an Katastrophen waren.

Seit einiger Zeit wird an der Idee Europas von allen Seiten negativ gesägt und neuere politische Entwicklungen in vielen Ländern Europas lassen die Menschen aufhorchen, denn zerstörerische Kräfte wollen ein gutes Gefüge zum Einsturz bringen. Was dann auf uns zukommen könnte, kann einem wirklich Angst machen.

Europa ist geistig und religiös vor allem vom Judentum, Christentum und der Aufklärung geprägt. Alle wirklich wichtigen geistigen Entwicklungen gingen von diesem Kontinent aus.

Immer wieder ging Europa durch längere dunkle Zeiten, um dann gestärkt und erneuert Werte, Haltungen und Ideen zum Wohl der Menschen voranzubringen.

Der hl. Paulus kann, wie die heutige Lesung zeigt, als ein Ureuropäer angesehen werden, der durch seine Reisen und Gemeindegründungen den Geist Jesu Christi an den Schaltstellen des damaligen „Europa“ eingepflanzt hatte.

Viele Nachfolger und Nachfolgerinnen haben dafür gesorgt, dass aus dem kleinen Pflänzchen ein Wald, eine Plantage, ein Meer von Feldern wurde, die unzählige Menschen geistig ernährten und bis heute ernährt.

Die Idee und die Realität von Europa sind sehr gefährdet. Wir können durch unsere Stimme am heutigen Wahlsonntag und darüber hinaus, wir können durch unser Engagement dem entgegenwirken und dabei als Christen aus unseren christlichen Quellen und der Zusage Jesu, uns den Beistand, den Hl. Geist zu senden, schöpfen.

Es gibt interessante Zusammenhänge zwischen der Idee Europas und christlichen Symbolen, wie folgende Geschichte zeigen möchte: Wie kam es zur Europaflagge?

1983 hatte das europäische Parlament die jetzige Fahne als offizielle EU-Flagge beschlossen. Sie diente bis dahin bereits dreißig Jahre lang dem Europarat als Emblem. Im Dezember 1955 hatte man sich auf 12 Sterne als Zeichen für „Ganzheit und Perfektion“ geeinigt. Die kreisförmige Anordnung stehe für „Einheit“, das Blau kennzeichne den „Himmel der westlichen Welt“, so ist es im damaligen Sitzungsprotokoll nachzulesen.

In der Zeitung „Die Welt“ wird in der Ausgabe vom  26. August 1998 über den Ursprung der Europaflagge unter anderem folgendes erzählt:

„Die Geschichte der Fahne hat ihren Ursprung in der Zeit während des Zweiten Weltkriegs. Paul Lévi, ein Bel­gier jüdischer Abstammung, sah damals angsterfüllt in Leuven zahlreiche Eisenbahnzüge fahren, in denen die Ju­den von der deutschen Gestapo nach Osten in eine unge­wisse Zukunft transportiert wurden. Damals legte Lévi das Gelübde ab, wenn er den Krieg und die Nationalso­zialisten lebend überstehen würde, wollte er zum katholi­schen Glauben konvertieren. Er überlebte und wurde ka­tholisch.

Am 5. Mai 1949 wurde in London der Europarat ge­gründet, und Paul Lévi wurde zum Leiter der Kulturab­teilung des Europarats ernannt. Sechs Jahre später, 1955, diskutierten die Vertreter über eine gemeinsame Flagge. Sämtliche Entwürfe, in denen, etwa nach dem Vorbild der skandinavischen Flaggen, ein Kreuz enthalten war, wur­den von den Sozialisten als ideologisch gebunden und zu christlich verworfen.

Eines Tages kam Lévi bei einem Spaziergang an einer Statue der Mutter Gottes mit dem Sternenkranz vorbei. Durch die Sonne beschienen, leuchteten die goldenen Sterne wunderschön vor dem strahlend blauen Himmel. Lévi suchte daraufhin Graf Benvenuti, ein venezianischer Christdemokrat und damaliger Generalsekretär des Euro­parats, auf und schlug ihm vor, zwölf goldene Sterne auf blauem Grund als Motiv für die Europafahne vorzuschla­gen. Benvenuti war begeistert und wenig später wurde der Vorschlag allgemein akzeptiert. Und so ziert bis heute in allen Staaten der Europäischen Union der goldene Ster­nenkranz Marias die Europafahne.“

(Quellen: welt.de und wikipedia.org)

 

In der Offenbarung des Johannes ist in der Bibel folgendes zu lesen (Offb 12,1):

„Ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“