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In seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangeliums (Mt 5, 38-48) interpretiert unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir die berühmten Worte Jesu: „Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“. 

Hier die Worte der Predigt von Pfarrer Kreitmeir, der am kommenden Donnerstag (27.2.) eine Autorenlesung zu seinem Buch „Der Seele eine Heimat geben“ im Dompfarrheim St. Martin in Eichstätt geben wird:

Der hl. Klemens Maria Hofbauer war ein Priester und Seelsorger zuerst in Warschau und dann in Wien, der nicht nur bei den Armen und Kranken, um die er sich liebend kümmerte, hohes Ansehen genoss, sondern auch große Persönlichkeiten seiner Zeit beeinflusste. Unter ihnen waren zum Beispiel die spätromantischen Dichter Friedrich Schlegel, Clemens von Brentano und Joseph von Eichendorff. Es war eine eher kirchenfeindliche Zeit, in der er zwischen 1751 und 1820 lebte. In Priestersoutane gekleidet bettelte er wieder einmal für die Armen von Wien. Einer, der ihn sah, spuckte ihm voller Hass ins Gesicht. Klemens Maria Hofbauer soll gesagt haben: „Das war nun für mich.“ Und er hielt dem Aggressor den Bettelkorb hin und sagte: „Und jetzt bitte etwas für die Armen.“
Der Mann soll völlig verdutzt dem Priester etwas gegeben haben.

Stellen Sie sich das bitte nun ganz bildlich vor: Der Speichel des anderen, den er ihnen aggressiv ins Gesicht geschleudert hat, läuft so langsam über Stirn, Nase, Wangen und Mund. Und sie haben die hasserfüllten Augen des anderen im Blick.

Nicht nur meine Reaktion wäre dann wohl: Angewidert sein, Zurückschrecken, sich den Speichel wegwischen, Angst haben oder voller Wut bereit zur Gegenwehr, zum Gegenschlag …

Woher hatte dieser Heilige der einfachen Leute diese innere Kraft her?
Woher hatten Menschen wie Nelson Mandela, Martin Luther King und viele andere diese Kraft zur Gewaltlosigkeit?

Der Pastor, Bürgerrechtler und Wegbereiter der Rassengleichberechtigung in den USA, Dr. Martin Luther King, betonte immer wieder:

„Die größte Schwäche der Gewalt liegt darin, dass sie gerade das erzeugt, was sie vernichten will. Statt das Böse zu ver­ringern, vermehrt sie es.

Durch Gewalt kann man den Lügner ermorden; aber man kann weder die Lüge ermorden noch die Wahrheit aufrichten. Durch Gewalt kann man den Hasser ermorden, aber man tötet den Hass nicht.

Gewalt verstärkt nur den Hass. Das ist der Lauf der Dinge. Gewalt mit Gewalt zu vergelten, vermehrt die Gewalt und macht eine Nacht, die schon sternenlos ist, noch dunkler. Dunkelheit kann die Dunkelheit nicht vertreiben; das kann nur das Licht. Hass kann den Hass nicht vertreiben; das kann nur die Liebe. … Und die Liebe ist die einzige Macht, die imstande ist, einen Feind in einen Freund zu verwandeln.“

Die wahrhaft und wirklich verkörperte LIEBE war Jesus von Nazareth, den wir Christen als Christus, als Sohn Gottes und unseren Erlöser glauben.

Wir haben heute von seinen Bergpredigtworten gehört, die seit jeher ein heilsamer Stachel im Fleisch der Menschheit sind.

Sein Zeugnis war und ist bis heute: Gott ist die sich verschenkende Liebe. Wir finden nur zum anderen, weg von uns selbst, unserem Ego, unserer Verletzlichkeit, wenn wir uns von GOTT in diese Bewegung SEINER Liebe mitnehmen lassen. Von alleine können wir es nicht!

Jesus kam nackt und unbewaffnet in diese Welt und verlies sie genauso wieder. In der Zeit dazwischen hinterließ er ein Zeugnis, eine Wahrheit, einen Weg, die nicht zwingen, die uns aber locken, es ähnlich tun zu wollen. Die Sehnsucht nach einer anderen, einer besseren Welt entfacht Jesus immer wieder neu und lässt sie unsterblich werden.

Wer sich an JESUS hält, wer sich auf seine Bewegung der Liebe von seinem Herzen in unser Herz einlässt, der wird erfahren, dass Friede möglich ist: Friede im eigenen Herzen und Friede zwischen Menschen, ja zwischen Feinden, die nur durch die Liebe zu Freunden werden können.

Ein altes Kirchenlied, das wir im Gottesdienst immer wieder singen, bringt diese heilsame Verbindung zwischen Gott und uns in Wort und Melodie. Es tut gut, diese Worte einmal meditativ zu hören, ihnen nach zu spüren und sich von ihnen nähren zu lassen:

WOHL DENEN, DIE DA WANDELN von Cornelius Becker (1602)

Wohl denen, die da wandeln
vor Gott in Heiligkeit,
nach seinem Worte handeln
und leben allezeit;
die recht von Herzen suchen Gott
und seiner Weisung folgen,
sind stets bei ihm in Gnad.

Von Herzensgrund ich spreche:
dir sei Dank allezeit,
weil du mich lehrst die Rechte
deiner Gerechtigkeit.
Die Gnad auch ferner mir gewähr;
zu halten dein Gebote,
verlass mich nimmermehr.

Mein Herz hängt treu und feste
an dem, was dein Wort lehrt.
Herr, tu bei mir das Beste,
sonst ich zuschanden werd.
Wenn du mich leitest, treuer Gott,
so kann ich richtig gehen
den Weg deiner Gebot.

Lehr mich den Weg zum Leben,
führ mich nach deinem Wort,
so will ich Zeugnis geben
von dir, mein Heil und Hort.
Durch deinen Geist, Herr, stärke mich,
dass ich dein Wort festhalte,
von Herzen fürchte dich.

Dein Wort, Herr, nicht vergehet,
es bleibet ewiglich,
so weit der Himmel gehet,
der stets beweget sich.
Dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit
gleichwie der Grund der Erden,
durch deine Hand bereit.