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In seiner Predigt zu Neujahr verweist unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir auf einen hoffnungsvollen Blick auf die Zeit, der in guten wie schweren Lebensumständen Sinn findet.

Hier die Worte seiner Predigt:

So eine Jahreswende vom alten zum neuen Jahr hat schon immer seinen Reiz besessen. Die einen feiern den Wechsel zwischen den Jahren gerne in Gemeinschaft mit Sekt und Feuerwerk, andere haben es lieber besinnlich und leise. Das alte Jahr, das neue Jahr, die Zeit und ihr Geheimnis …

Der bayerische Dichter Ludwig Thoma sah die Jahreswende eher skeptisch (Seinen Text „Jahreswende gibt es HIER).

Der berühmte Physiker Albert Einstein interessiert mehr die Zukunft, wenn er sagt: „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“ Interessant und reizvoll sind diese Worte, aber sind sie richtig?

Ein anderer großer Mann, der Arzt, Psychiater und Philosoph Viktor Emil Frankl, lenkt mit seinem sog. Scheunengleichnis seinen Blick eher auf die Vergangenheit: „Wie steht der durchschnittliche Mensch zur „Zeit“? Er sieht nur das Stoppelfeld der Vergänglichkeit – aber er sieht nicht die vollen Scheunen der Vergangenheit.“

Drei Sichtweisen: skeptisch, mehr die Zukunft, mehr die Vergangenheit im Blick. Und wie ist es bei Ihnen?

Irgendwie stimmen wohl alle Sichtweisen, mir fehlt aber die vertrauensvolle, die, welche mit Hoffnung auf das Kommende blickt.

Und da fällt mir der nächste große Mann ein, der von der Hoffnung folgendes sagt: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.“ Der das sagte war der tschechische Schriftsteller, Menschenrechtler und Politiker Vaclav Havel.

Der hoffnungsvolle Blick auf die Zeit findet in allem, im Vergangenen und im Zukünftigen, im Schweren und im Schönen, in Not und im Reichtum, im Alleinsein und im Eingebundensein, in Gesundheit und Krankheit einen Sinn.

Wer zum hoffnungsvollen Blick auch noch eine gottvertrauende Lebenseinstellung hinzugesellen kann, dem wird alles zum Segen, wie der Theologe Jochen Klepper es so wunderbar beschreibt:

Der du die Zeit in Händen hast,
Herr, nimm auch dieses Jahres Last
und wandle sie in Segen.
Nun von dir selbst in Jesus Christ
die Mitte fest gewiesen ist,
führ uns dem Ziel entgegen.

Da alles, was der Mensch beginnt,
vor seinen Augen noch zerrinnt,
sei du selbst der Vollender.
Die Jahre, die du uns geschenkt,
wenn deine Güte uns nicht lenkt,
veralten wie Gewänder.

Der du allein der Ewge heißt
und Anfang, Ziel und Mitte weißt
im Fluge unsrer Zeiten:
bleib du uns gnädig zugewandt
und führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten.

Mehr dazu unter: pfarreihlmartin.de

All diesen Aussagen großer Männer ist am heutigen Hochfest der Gottesmutter Maria eigentlich und vor allem die innere vertrauensvolle, hoffnungsstarke und tiefgläubige Haltung Marias, der Mutter Jesu, als Krönung aufzusetzen: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ (Lk 2, 19) Sie verstand und begriff wohl nicht alles, was sich in ihrem Leben zugetragen hatte, aber sie sagte JA zu allem, weil sie fest davon überzeugt war, dass Gottes Pläne den längeren Atem haben.

Ihre Haltung möge unserer Haltung gegenüber dem alten und dem neuen Jahr und unserer gesamten Lebenszeit immer wieder etwas von ihrer Strahlkraft abgeben. Wer das Neue mit Blick auf Maria beginnt, beginnt es gut und mit Gottes Segen. Amen.