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In seiner Auslegung zum Sonntagsevangelium an Mariä Lichtmess (Lk 2,22-32) verweist unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir auf Grundhaltungen Kindern gegenüber, die mit Blick auf Jesus sehr wichtig sind.

Hier die Worte seiner Predigt

Es ist immer wieder eine Freude, mitansehen zu können, wie Eltern ihre noch ganz kleinen Kinder zur Taufe bringen, wie sie, die Paten und die Großeltern ganz vorsichtig mit dem neuen Leben umgehen, es behutsam in die Arme nehmen und im Umgang mit dem zarten Kind selbst zart werden.

Ähnliches haben wir gerade im Evangelium gehört, wo die Eltern Jesu ihn zur Beschneidung zum Tempel bringen und ein alter weiser Mann namens Simeon von diesem Auftauchen des Kindes angerührt wertvolle Worte sagt: Ich kann jetzt in Frieden aus dieser Welt scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen, ein Licht, das traurige, verzweifelte, dunkle, ja gottlose Herzen erleuchtet.

Ich stelle mir nun vor, wie Maria und Joseph in einer Mischung von Erschrecken und Freude dieses Erlebnis jeder für sich und dann miteinander besprochen, abgewogen, im Innern als wichtig und wertvoll abgespeichert haben.

Die Grunderfahrung unseres Glaubens ist, dass wir getragen und geliebt sind, auch wenn wir uns genauso wie die, die nicht glauben, abmühen müssen.

Unsere Mühe und unser Bemühen ist aber anders: Wir müssen uns nicht alleine abstrampeln, wir wissen, dass uns da jemand in seiner Liebe begleitet, uns erzieht und uns auch nicht alle Steine aus dem Weg räumt. Jede liebende Mutter, jeder gute Vater weiß, dass das Leben für jedes Kind seine Zumutungen, Belastungen, Einschränkungen und Enttäuschungen bereit hält. Man darf dem jungen Leben nicht alles abnehmen, wenn es selbst stark, lebensfit und widerstandsfähig werden soll.

Der liebenswerte Papst Johannes Paul I., Albino Luciani, erzählt in seinem Buch „Heilige Zeiten. Meditationen zum Kirchenjahr“ eine Geschichte von einer Mutter, die ihr Kind auf eine besondere Art liebt.

Hören Sie selbst: „Ein dreijähriges Kind weinte verzweifelt und zeigte dabei auf eines seiner Füßchen. Das Kindermädchen nahm es in den Arm und zog ihm den kleinen Schuh aus, in dem sich ein winziges Steinchen befand. ‚Ah’, rief daraufhin die Frau aus, ’siehst du? Dieses schlimme Steinchen hat dir so wehgetan. Das böse Steinchen! Wir werden es weit wegwerfen!‘:

‚Zieh Nino den Schuh mit dem Steinchen wieder an! Ich meine das ernst; tu, was ich dir sage!‘ Und sie gehorchte.

Die Mutter ging nun an das andere Ende des Zimmers, drehte sich um und bückte sich nieder; sie öffnete ihre Arme, und mit einem liebevollen Lächeln rief sie ihren Kleinen zu sich: ‚Du hast mich doch so lieb, komm her und umarme mich, ohne zu weinen, mit dem kleinen Steinchen im Schuh!‘

Und das Kind ging, etwas wackelig zwar, aber ohne zu weinen, und warf sich in die Arme der Mutter, die ihm etwas sagte, was es jetzt noch nicht verstand, aber diese Worte hat sie in der Folge immer wieder wiederholt: ‚Du musst es immer so machen wie jetzt. Geh deinen Weg, ungeachtet aller Hindernisse, die es immer im Leben gibt. Denk an die Worte deiner Mutter: Man kommt nicht in den Himmel, außer mit einem Steinchen im Schuh!'“ (Quelle: Albino Luciani, Heilige Zeiten, Meditationen zum Kirchenjahr, 1999, Seite 105f.)

Eltern, Großeltern wollen für ihre Kinder das Beste. Dazu gehört und das wird in unserer modernen Zeit oft vergessen, dass die Kleinen in ihrem Großwerden gestärkt werden, mit den Widrigkeiten des Lebens zu rechnen, mit ihnen gut umgehen zu lernen und daran zu reifen.

Nicht verhätscheln und verwöhnen, sondern fit machen und stärken.

Dabei sind folgende Grundhaltungen neben einer grundsätzlichen Liebe dem Kind gegenüber sehr wichtig (vgl. hkk.de)

  • Für Kinder ist es wichtig, immer wieder erfahren zu dürfen, dass ihre Talente und Fähigkeiten hervorgehoben werden. Der Blick auf die guten Seiten und nicht auf die Defizite fördert.
  • Dem Kind Vertrauen und Sicherheit geben. Positives und fürsorgliches Verhalten der Eltern ermutigt die Kinder zu Eigeninitiativen.
  • Gute und herausfordernde Kontakte zu Gleichaltrigen fordern und fördern den Selbststand.
  • Wärme, emotionale Beziehungen, Zutrauen, Interesse, Akzeptanz, Regeln, Struktur und Kontrolle helfen dem Kind, Vertrauen in die eigene Selbstwirksamkeit zu bekommen. Es lernt dadurch, sich später im Leben zu behaupten und flexibel mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen.

Wenn ich das Gehörte so auf mich wirken lasse, dann wachsen Maria und Joseph noch mehr in meinem Respekt, weil sie Jesus anscheinend all dies und noch viel mehr mitgegeben haben in den 30 Jahren, wo sie zusammen waren.

Jesus war ein Mensch mit großem Vertrauen in seine Selbstwirksamkeit, mit einer inneren und äußeren Wachheit, Flexibilität und Widerstandskraft. Er hatte klare und feste äußere und innere Regeln, Strukturen und feste Angelpunkte.

Jesus war getragen von einer großen Liebe zu seinen Eltern und vor allem zu seinem himmlischen Vater, dessen Nähe ihm immer – sogar in den dunkelsten Zeiten – innerlich gewiss war.

Jesus konnte durch sein so besonderes So-Sein andere Menschen, die ihm begegneten, in ihrem meist verwundeten Anders-Sein in eine heilende Atmosphäre heben, die ihnen Kraft zu Neuanfang, Hoffnung und neuen Wegen eröffnete.

Wem Jesus begegnete, dem öffnete sich sein Herz und damit seine Sehnsucht, anders werden zu wollen, Frieden, endlich Frieden finden zu können.

Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, ein Licht, das die Dunkelheiten erleuchtet und Herrlichkeit für alle, die an Jesus glauben. Amen.

Mehr spirituelle Impulse von Pfarrer Christoph Kreitmeir gibt’s HIER

 

Starker Song von Xavier Naidoo, der mit den Worten der heutigen Predigt von Pfarrer Kreitmeir wunderschön harmoniert: