Image by Werner Heiber from Pixabay

In seiner Auslegung zum Sonntagsevangelium (Mt 18, 15-20) geht unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir darauf ein, wie wir mit Blick auf die Worte Jesu den Umgang miteinander verbessern können, um zu Frieden bringenden Ergebnissen zu kommen.

Hier die Worte seiner Predigt als Audio-Datei und anschließend im Text-Format:

 

 

Es ist schon interessant, dass seit Kain und Abel Zwietracht, Eifersucht, Streit, ja sogar Mord und Totschlag auch im Heiligen Buch der Bibel Themen sind. Warum aber eigentlich nicht? Solange es Menschen gibt, gibt es auch leider diese Schattenseiten menschlichen Daseins. So auch heute im Evangelium, wo Jesus seinen Jüngern Verhaltensmaßnahmen an die Hand gibt, wie man einen anderen bei Fehlverhalten zurechtweisen muss und, wenn alles nichts nützt, wie man dann verfahren sollte:

·       Weise den, der falsch gegen dich gehandelt hat, unter vier Augen zurecht.

·       Wenn das nicht hilft, dann hole Zeugen hinzu. Vielleicht führt das zu guten Entscheidungen.

·       Wenn das nicht hilft, dann sage es der ganzen Gemeinde.

·       Wenn er aber auch nicht auf die Gemeinde hört, dann sei er für dich wie einer, mit dem du nichts zu tun hast (Heide oder Zöllner).

Hochinteressant ist, dass Jesus hier vom „Bruder“ und nicht vom „Feind“ oder „Sünder“ spricht, was für eine grundsätzlich wohlmeinende Kommunikation wichtig ist.

Wie ist das aber heute? Im sog. „Streitatlas für Deutschland“ – so etwas gibt es wirklich – wurden für das Jahr 2019 ca. 2 Millionen Streitfälle ausgewertet, die folgendes zeigen: Bis zu 70 % neigen Männer dazu, Streitfälle mit Hilfe von Anwälten zu verhandeln, dabei sind die 46-55-jährigen und hierbei die Einwohner im Norden und im Westen die Streitlustigsten. Neben den Ehestreitigkeiten, liest sich die Rangliste der Streitfälle folgendermaßen:

Platz 1: Von der Flugbuchung bis zum Autokauf – Verträge.

Platz 2: Krach mit dem Chef oder den Kollegen – Arbeit

Platz 3: Blitzer-Foto, Knöllchen und Co. – Straßenverkehr

Platz 4: Zank mit dem Vermieter, Mieter oder Nachbarn – Wohnen

Platz 5: Vom Hundebiss bis zum Skiunfall – Schadenersatzforderung

Die Tendenz ist seit Jahren steigend, die Art des Streitens wird verbissener und langwieriger. Wer bestens daran verdient, sind Rechtsanwälte, Mediatoren, Gerichte und andere.

Ein altes deutsches Sprichwort wusste das schon, wenn es sagt: „Während immer zwei zanken um ein Ei, steckt´s der Dritte bei.“

Jetzt geht es im täglichen Leben nicht immer gleich um Streit, Anklage und Gericht, es geht aber irgendwie immer wieder um ein Aneinandergeraten von Ansichten und Meinungsverschiedenheiten. Es ist an der Zeit, wieder neu eine Art „Knigge“, eine Hilfestellung im Umgang miteinander aufzustellen, denn Anstand und gute Umgangsformen haben in den letzten Jahren leider zunehmend gelitten.

Richtiges Zurechtweisen und Kritisieren – erinnern Sie sich an die Weisungen Jesu – wollen gelernt werden.

Eine Gesprächsstrategie, die gewünschte Änderungen zwischen den Streitenden im Blick hat, will verfolgt werden. Weder zu zaghaft, noch zu harsch und noch vieles mehr will bedacht sein, um für beide Seiten zu befriedigenden – der Name sagt es schon: um zu Frieden bringenden – Ergebnissen zu kommen.

Wählen Sie die richtige „Therapie“: So bewirkt Ihre Kritik die gewünschte Veränderung

  1. Achten Sie auf das Timing
  2. Geben Sie Ihrem Gegenüber eine Chance
  3. Klären Sie den Wissensstand
  4. Äußern Sie Ihre Kritik motivierend
  5. Seien Sie wohlwollend
  6. Nur unter 4 Augen
  7. Beschreiben Sie, statt zu bewerten
  8. Klären Sie kritische Punkte selbst
  9. Ermutigen Sie zur Wahrheit
  10. Verzichten Sie auf Ironie und kränkende Vergleiche

Zurück zu Jesus und seinen Weisungen für ein richtiges Zurechtweisen. Merken Sie, wie aktuell Jesus damals schon war? Die Tipps sind teilweise verblüffend ähnlich. Amen.