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In seiner Auslegung zur heutigen Sonntagslesung rund um Abraham’s Begegnung mit drei Männern bei den Eichen von Mamre (Gen 18, 1-10) sowie zum heutigen Sonntagsevangelium rund um Marta und Maria (Lk 10, 38-42) geht unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir, der als Klinikseelsorger den Menschen dient, auf sinnstiftende Gastfreundschaft und Fremdenliebe ein.

 

Hier die Worte seiner Predigt:

Waren Sie schon einmal bei Freunden eingeladen und haben Sie sich dabei so richtig wohlgefühlt?
Waren Sie auch schon mal bei unbekannten Menschen eingeladen und durften im Laufe der Zeit erfahren, dass aus Fremden Freunde werden können?
Und haben Sie selbst schon mal Fremde oder Freunde bei sich zu Besuch, zu Gast gehabt und dabei erfahren dürfen, wie schön ein Geben werden kann, wenn es auf dankbare Gegenüber stößt?

Gastfreundschaft ist seit jeher in allen Hochkulturen und Religionen ein sehr hoher Wert, der einem hilft, im Geben und Nehmen den eigenen Horizont zu erweitern, festgefahrene Pfade zu verlassen und sich vom Leben zu Neuem hinlocken zu lassen.

„φιλοξενία – Filoxenia“, so heißt das griechische Wort im Neuen Testament.
Die Bedeutung dieses Wortes lässt einen staunen: Fremdenliebe.
Freunde und Bekannte lieben – Ja, das kennen wir, aber Fremde lieben. Die Gastfreundschaft im Geben und Nehmen hilft uns dabei.

Die Begegnung Abrahams mit den drei Männern bei den Eichen von Mamre, wie wir sie in der Lesung gehört haben, ist höchst erstaunlich. Abraham fährt alles Erdenkliche auf, damit die Fremden bei ihrer Wanderung durch die Wüste sich bei ihm wohlfühlen können. Er ändert seine Tagespläne, nimmt sich viel Zeit für sie und erfährt erst viel später, dass der unerwartete Besuch ein Engelbesuch war. Theologisch verbirgt sich noch eine tiefere Weisheit, nämlich dass das wandernde Volk Israel oft erfahren musste, dass es bei Fremdvölkern nicht gast-freund-schaftlich aufgenommen wurde, selbst aber unbedingt diese Tugend leben soll, weil Gott selbst im Fremden zu Besuch kommen kann.

Tagtäglich erlebe ich dieses Geheimnis im Krankenhaus, wenn ich als Fremder in die Krankenzimmer komme und sehr oft nach einem oder mehreren Besuchsgesprächen kein Fremder mehr bin, sondern ein erwünschter Gast und ein Freund auf Zeit.

Aus Fremden können Freunde werden, wenn auch nur auf Zeit, aber doch während der Wegstrecke, die jetzt zum Bewältigen im Leben dran ist.

Ein Freund hilft ganz unkompliziert, Schweres zu tragen und zu ertragen. Wie sagte Albert Einstein einmal so schön: „Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie Deines Herzens kennt und sie Dir vorspielt, wenn Du sie vergessen hast.“

Ein erwünschter Gast und Freund auf Zeit sein, ein Wegbegleiter, der im Zuhören, im Sich-über-das-Leben-Austauschen im Geben und Nehmen bereichert wird, der Gott ins Spiel bringen kann, der trösten darf, aber auch erfahren kann, dass die Begegnung mit ihm Licht ins Dunkel oder Freude auf Zeit schenken kann.

Jesus, so hörten wir es im heutigen Evangelium, erlebt und lebt heute bei zwei Frauen – Marta und Maria – Gastfreundschaft.

Er wird bewirtet und umsorgt, ihm wird zugehört, an seinen Lippen gehangen. Und er gibt durch sein Da-Sein, seine Nähe und seine Worte den beiden Frauen viel zurück. Jesus erlebt und lebt Gastfreundschaft. Marta, Maria und Lazarus, deren Bruder, werden im Laufe der Zeit seine engsten Freunde.

Marta, Maria, Lazarus und Jesus tauschten sich im Geben und Nehmen, im Reden und Zuhören aus, ergänzten sich im Denken und Fühlen und ihre Freundschaft verschönerte im Laufe der Zeit ihre Herzen.

Dazu möchte ich eine wahre und zu Herzen gehende Geschichte erzählen (Quelle: zeitzuleben.de):

Die Geschichte rund um die Herzen eines jungen und eines alten Mannes gibt es HIER

Narben am Körper bedeuten, dass man gelebt hat.

Narben auf der Seele bedeuten, dass man geliebt hat.

Das zeichnet Freundschaft aus und ist der tiefere Sinn unseres Lebens. Amen.

 

Mehr Gedanken und Impulse von Pfarrer Christoph Kreitmeir gibt es HIER