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Seine heutige Auslegung zum Sonntagsevangelium von einem fürsorglichen Hirten, einer suchenden Hausfrau und einem vergebendem Vater (Lk 15, 1-32) überschreibt der Münchner Stadtpfarrer und Bestsellerautor Rainer Maria Schießler mit den Worten „Gegen den Strom schwimmen“, was er mit einer leidenschaftlichen und freiheitlichen Lebenseinstellung verbindet.

Hier die Worte seines Impuls zum Sonntagsevangelium, den Pfarrer Schießler auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat:

Gegen den Strom schwimmen!

Auf den ersten Blick ist es so einfach: Der verlorene Sohn kommt wieder heim, die Frau findet ihre Münze wieder und der Hirte sein Schaf. Und danach wird ein Fest der Freude gefeiert. Jesus aber ist keinesfalls so naiv, wie es die Gleichnisse auf den ersten Blick vielleicht andeuten mögen. Es gibt kein Fest ohne Ende! Es bildet nur den Übergang zum Alltag, und der kann ganz schön schwer werden.

Ein richtiger Christ zu sein ist auch heutzutage nicht gerade leicht.

Das gilt nicht nur für die Länder, in denen Christen massiv verfolgt werden – und das geschieht in über einem Drittel (!) unserer Welt.

Als Christ schwimmt man sehr häufig gegen den Strom, dem sich viele in unserer Gesellschaft leidenschaftslos anvertrauen und sich nicht darüber wundern, dass es abwärts geht und das Wasser immer ungenießbarer und schmutziger wird.

Es werden immer Christen gesucht, die bereit sind, den neuen Geist, den das Evangelium gebracht hat, zu leben. Das geschieht heute definitiv anders wie vor zwei oder drei Generationen, als man sich den Glauben schlicht vorschreiben ließ.

Heute muss jeder das Licht in die Hand nehmen und sich auf die Suche nach seinem Glauben machen, der wahrhaftig zu sein hat und der dem Evangelium wie dem Leben in unserer modernen Welt entspricht.

Dumpfe Schuldgefühle helfen da nicht weiter, sondern allein die Freude am Christsein und an der großen von Gott geschenkten Freiheit.

Die Kirche ist dazu da, den Menschen auf diesen Weg der Freiheit zu bringen. Ihre Lehre und ihre Führung kann dabei nicht bedeuten – wie in der Vergangenheit üblich – nur Sätze, die mal wichtig und richtig waren, heute aber völlig überholt sind, wiederzukäuen.

 

Pfarrer Schießler war letzte Woche in der BR-Sendung „Ringlstetter“ zu Gast, wo ihn der Moderator Hannes Ringlstetter als „Ausnahmeerscheinung“ ankündigte: