Foto: Image by Gerd Altmann from Pixabay

In seinen Gedanken zu Pfingsten, die wir (mit freundlicher Genehmigung) am heutigen Pfingstmontag gerne übernehmen, plädiert Pfarrer Rainer Maria Schießler den christlichen Anspruch auf Freiheit ernst zu nehmen.

Hier ein beeindruckender Impuls zum Pfingstereignis, den Pfarrer Schießler auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat:

„Komm Heiliger Geist!“

An Pfingsten flehen wir den Hl. Geist an, ja zu uns kommen. Aber, wehe, wenn sich etwas verändert in unserem Leben, in unserer Kirche! Dann heißt es sehr schnell: Das hat jetzt aber gar nichts mit dem Hl. Geist zu tun. Ist alles massiver Werteverfall!

Wir täten gut daran, diesen Heiligen Geist nicht ständig als unverbindliche Floskel, als Alibi für unser Nichts-Tun („der Heilige Geist wird’s schon richten!“) abzuhaken.

Welcher Geist bitteschön? Ist es wirklich Gottes Geist, der sich da auf unseren Kanzeln, an unseren Mikrofonen und Bildschirmen, in Hirtenbriefen und bischöflichen Verlautbarungen zu Wort meldet? Oder sind es doch nur verbrämte, verzierte menschliche Wörter?

Der Apostel Paulus macht dazu eine ganz klare Ansage:

Gott ist Geist; wo aber der Geist Gottes ist, da ist Freiheit (2 Kor 3,17)

Also, dann leben wir doch diese Freiheit:

Gute, alte Wege und Zeiten müssen nicht unbedingt zum Ziel führen. Es braucht immer auch neue Wege, für jede Generation, für jede Kirche, damit die Vergangenheit uns nicht wie ein Klotz am Bein hängt und am Vorwärts- und Weiterkommen hindert.

Viele Gebote, Gesetze und Regeln haben ihre Zeit – und damit auch ein Verfallsdatum. Sie müssen ständig an der Liebe und der Mitmenschlichkeit überprüft werden: Was ist wirklich gut oder schlecht, richtig oder falsch, hilfreich oder hinderlich, menschlich oder unmenschlich.

Echte Eigenverantwortlichkeit bringt mehr an Leben als einfach vorschnell andere als Sündenböcke auszumachen.

Besser ist es den Wind zu prüfen, bewusst die Segel zu setzen, jeden Tag neu zu lernen aus den Erfahrungen von Gestern und so im Heute zu leben. Wir sind keine willenlose Wetterfahne, sondern für unser Klima selbst zuständig, für alle Hochs und Tiefs, sind füreinander da wie Sonne, Wärme und ein erfrischender Regen.

Seien wir daher gut zu uns selbst, denn nur wer sich selbst etwas wert ist, kann auch für andere wertvoll, liebenswert sein, kann teilen und verschenken, was er hat, und erschafft so ein Fundament, auf dem auch andere aufbauen können.

Dann kann sich das Neue an unserer Zeit durchsetzen: Brüderlichkeit, Gewaltfreiheit, Frieden.

Es ist alles schon da, es liegt alles nur an uns!

 

In diesem Zusammenhang hat Papst Franziskus beim Pfingstfest am gestrigen Sonntag auf dem Petersplatz gesagt,

dass ein Christentum ohne den Heiligen Geist ein „freudloser Moralismus“ sei.

Wo der Heilige Geist fehle, sei die Kirche nur eine Organisation, Mission nicht mehr als Propaganda und „Gemeinschaft eine Anstrengung“, so der Papst.

Weiter rief Franziskus zu Gemeinschaft und Einheit auf und betonte:

„Wir brauchen den Geist der Einheit, der uns als Kirche, als Volk Gottes und als brüderliche Menschheit erneuert.“

Quellen kirche-und-leben.de, mk-online.de