Foto: facebook.com/rainer.maria.schiessler (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Rainer Maria Schießler)

In seinem aktuellen Facebook-Impuls grenzt Pfarrer Rainer Maria Schießler inneren vom äußeren Glauben ab. Er beschreibt, dass es im Christentum um viel mehr geht geht als um ein bloßes Befolgen von fest umschriebenen Glaubenssätzen und wie das reine Befolgen von äußeren Vorgaben dem inneren Glauben im Weg steht.

Hier (mit freundlicher Genehmigung) sein Impuls, den Pfarrer Schießler auf seiner Facebook-Seite mit dem Titel „innerer und äußerer Glaube“ veröffentlicht hat: 

Hauptanliegen des 2. Vatikanischen Konzils ist ohne Zweifel die Wiederentdeckung von Jesus Christus, seine Gestalt und seine einmalige Botschaft, und damit des Christentums als eine Religion, der es nicht bloß um fest umschriebene Glaubenssätze geht. Jesus Christus als der Kern des Glaubens – das ist keinesfalls die Rolle rückwärts. Wer sich auf die Mitte besinnt, kommt vorwärts; wer sich festgelegt hat, dreht sich im Kreis.

Der wiederentdeckte Christus wird an eindrucksvollen Zeichen erkannt, u.a. daran, dass Blinde sehen, wie an der Heilung des Blinden am 4. Fastensonntag geschildert. Eine blind gewordene Welt sieht also das Licht aufgehen. Die Dunkelheit wird durchbrochen. Menschen werden hellhörig. Sie suchen Heilung und Heil durch die Frohe Botschaft Jesu.

Der Himmel ist nicht mehr exklusiv; er steht allen offen.

Es geht um das Licht, das den Weg nach innen hell machen will. Ein äußerer Glaube, der sich mit dem Bewahren von Dogmen, mit dem Festhalten von Glaubenssätzen zufriedengibt, der von Autorität und Gehorsam bestimmt ist, kennt und sieht diesen Weg nach innen nicht; und will ihn schon deswegen auch nicht gehen.

Der innere Glaube wächst durch Vertrauen und Erfahrung. Ihm geht es wie der Liebe: Die schönsten Schwüre und lautesten Behauptungen beweisen nichts, wenn sie nicht von den Liebenden im Vertrauen erfahren und erlebt werden.

Ähnlich aber wie ein Blinder, der zwar Auskunft über die Form oder den Geschmack eines Apfels geben kann, dessen Farben ihm aber nichts bedeuten, weiß der innere Glaube, dass man im Dunkeln kein präzises Bild malen kann. Wir brauchen Licht, Erleuchtung.

Daher gewinnt das Christentum nur vom Herzen, also von innen sein eigentliches Profil.

Es darf nicht länger nur um Äußerlichkeiten gehen. Sie stehen oft genug dem Glauben und Vertrauen im Wege. Es geht um das Innen, also schon um die Tatsache, dass Jesus keine Gestalt der Vergangenheit ist wie die übrigen Religionsstifter. Er lebt in den Seinen.

Damit lässt sich (schon vor Ostern) die Frage beantworten, wohin Jesus auferstanden ist. Etwa in den Himmel, wie uns als Kindern gesagt und wie es in den Bildern der Himmelfahrt so sinnenhaft beschrieben wurde? Jesus ist in die Herzen der Seinen auferstanden. Er lebt in ihnen fort. Das sind zugleich der Inhalt und die Berechtigung unserer Auferstehungshoffnung.

Ja „Christus lebt in mir“, können wir mit Paulus bekennen.

Höchstwahrscheinlich steht uns ein „Corona-bedingtes“ Ostern ohne Festgottesdienste, Hochämter und äußerliche Osterbräuche bevor.

Umso wichtiger wird gerade jetzt das ehrliche Bemühen um einen festen, und zwar von Christus erleuchteten tiefen inneren Glauben, der nicht beim äußeren Tun stehen bleibt.

 

Hier ein weiterer aktueller Impuls von Pfarrer Schießler zum heutigen Hochfest „Maria Verkündigung“: