Foto: facebook.com/rainer.maria.schiessler (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Rainer Maria Schießler)

Seinen Impuls zum Sonntagsevangelium (Mt 10, 37-42) betitelte Bestsellerautor Pfarrer Rainer Maria Schießler mit der Frage „Mehr lieben oder nachfolgen?“.

Hier (mit freundlicher Genehmigung) der Impuls von Pfarrer Schießler, den er auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat:

Familie steht ganz oben auf der Wertetabelle, auch in modernen Zeiten wie jetzt. Die Sehnsucht nach der großen Idylle und intakten, problemlosen Beziehungen ist ungebrochen groß. Da kommt einem ein Single wie Jesus heute schon etwas in die Quere mit solchen Worten wie: „wer Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert“.

Jesus von Nazareth spricht öfters so paradox, widersprüchlich und anstößig, um gerade auf diesem Weg zu einer neuen, vielleicht tieferen Sicht nach der einen wie nach der anderen Seite zu kommen.

Er ist kein Familientherapeut. Es geht ihm in erster Linie um das Reich Gottes. Aber auch um des Reiches Gottes willen ist es wichtig, wegzugehen, aufzubrechen, nach Draußen zu gehen, und wäre es nur, um zu sehen, was es sonst noch im Angebot des Lebens gibt.

Die Reich Gottes Botschaft sprengt den familiären Rahmen, lädt alle ein und lässt alle zu, die den Weg des Evangeliums für sich als richtig erkannt haben.

Und dieser Weg liegt nun mal draußen.

Die Familie ist der Raum, in dem das Leben eingeübt und Erfahrungen gesammelt werden können, positiv wie negativ und will gerade nicht ein ausschließlicher Ort sein, wo man mehr geliebt wird als alles andere. So wäre sie eher glatter Missbrauch als das wahre Leben. Darum gibt sie Raum frei für eine neue Gemeinschaft, die keinen Menschen ausgrenzt und ausschließt.

Wo abgewiesen, ausgegrenzt, exkommuniziert wird, lebt und handelt man am Geist und am Wort Jesu vorbei.

Man liebt dann die alten Beziehungen mehr als das neue, offene Leben, das ganz schön fordernd und anstrengend sein kann.

Die Familie Gottes lässt den Menschen in einer größeren Einheit leben, Beziehungen knüpfen, Erfahrungen sammeln und auch das Kreuz annehmen, das eigene wie das der anderen tragen und ertragen helfen.

Dazu darf man nicht auf seinen Altlasten sitzen bleiben und muss verstehen lernen, dass in jede Gemeinschaft ständig investiert werden muss: Liebe, Geduld, Versöhnungsbereitschaft und Gelassenheit genauso wie der Mut, neue Wege zu suchen, wenn wir in eine Sackgasse geraten.