Foto: facebook.com/rainer.maria.schiessler (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Rainer Maria Schießler)

In seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium (Mt 21,28-32) betont Pfarrer Rainer Maria Schießler, dass es in der Nachfolge Jesu um etwas anders geht, als durch Aufsagen von Bibelstellen oder religiöser Formeln zu glänzen.

Hier der Impuls zum Sonntagsevangelium, den Pfarrer Schießler unter dem Titel „Nicht bloß reden!“ auf sei ner Facebook-Seite veröffentlicht hat:

Jesus erzählt Hohepriestern, Schriftgelehrten und Ältesten, also den „Berufs-Frommen“ ein Gleichnis, das sie ganz bewusst hinterfragen will.

Natürlich sind das Leute, denen Religion so was von am Herzen liegt. Aber wie ist das:

Geht ihr nun `in den Weinberg´ oder redet ihr nur?

Selbstverständlich tun sie das! Jesu Zuhörer sind Religionsexperten, die Ja zu Gott sagen, dieses `Ja´ auch tun und öffentlich herzeigen!

Liegt uns Religion, Glaube, die Sache mit Gott wirklich am Herzen?

Heute sagen z.B. immer mehr Leute zum Weinberg „Kirche“ `Nein´- aus welchen Gründen auch immer. Man meint gar, sie wollten ihren Glauben vor einer fehlerhaften Kirche in Sicherheit bringen.

Den Sohn, der zuerst Nein sagt, reute es später, heißt es. Die beiden Brüder unterscheiden sich also nicht einfach nur durch Tun oder Nicht-Tun, sondern durch die Reue, das In-sich-gehen. Da ist also etwas viel Tieferes, was der eine Sohn dem anderen voraushat. Dieses vertiefte Nachdenken über das eigene Leben kann mitunter sehr schmerzlich sein und unterscheidet uns grundlegend von Tieren, Maschinen und Robotern. Der eine Sohn erkennt mit der Zeit sein ungelebtes Leben und er ändert es. Der andere merkt nicht einmal, dass ihm etwas fehlt.

Jesus provoziert so all diejenigen, die ihre Religion nur für sich benutzen,

soz. wie durch ein Reisebüro rundum-sorglos abgesichert und abgeschirmt in einem kugelsicheren Panzerwagen.

Religiöse Systeme aber dürfen bei Jesus keine geschlossenen Konstrukte sein. Ohne Offenheit für Veränderungen und Umkehr und damit der Bereitschaft bei sich selbst damit anzufangen, pervertiert eine Religion zu bloßer äußerer Scheinheiligkeit und einem aufgesetzten strengen Moralkodex, der lediglich Gehorsam nach außen sichtbar einfordert.

Nicht wer „Herr, Herr“ sagt, also nur religiöse Formeln aufsagen kann, kann mein Jünger sein, klagt Jesus am Ende seiner Bergpredigt an, sondern nur wer wirklich den Willen Gottes tut.

Sind wir also bereit, trotz allem Wenn und Aber, doch Ja zu sagen zu seinen „Ver-rücktheiten“? Gottes Weinberg jedenfalls ist kein gesichertes Verhältnis!

Dies gilt nicht nur für religiöse Belange.

Jesus ruft aus falschen Sicherheiten heraus, damit wir nicht in deren Gewohnheiten stecken bleiben.

Die globalen Herausforderungen unserer Zeit, die Verbindung von Schöpfungsverantwortung und Wirtschaftsgerechtigkeit verlangen vom Menschen, dass er sich möglichst rasch aus einem festgefahrenen System befreit und bereit ist zum Umdenken und zur Veränderung.

Weinbergsarbeit heute heißt suchen, wie es weitergeht. Dazu braucht es keinen moralischen oder dogmatischen Kompass, eher schon einen eindeutigen Glauben, einen gesunden Menschenverstand und die Erkenntnis, dass die beste Kritik am Schlechten in der Welt und in der Kirche immer im Tun des Besseren besteht.

Der Mensch allein entscheidet darüber, ob er sein Haus, also seine Existenz auf dieser Erde, auf Sand oder auf Felsen gebaut ist. Eine ehrliche christliche Spiritualität kann der entscheidende Motor hierfür sein, aber nur wenn nicht nur davon geredet wird, sondern wenn sie jeden Einzelnen in seinem Innersten betrifft.

Amen.

 

Hier das Sonntagsevangelium – Das Gleichnis vom willigen und vom unwilligen Sohn (Mt, 21, 28-32)

28 Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg! 29 Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus. 30 Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr – und ging nicht hin. 31 Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. 32 Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.