Foto: facebook.com (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Rainer Maria Schießler)

In seinen Gedanken zum heutigen Sonntag geht der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler der Frage nach:

„Wer ist dieser Gott überhaupt?“ 

und schreibt dazu auf seiner Facebook-Seite folgende Zeilen:

Zugegeben: Früher war alles viel einfacher, als man noch sagen konnte: Das hat Gott gesagt. Das ist der Wille Gottes. Das hat Gott so und nicht anders gemacht. Der tschechische Professor Tomas Halik, er wurde in den kommunistischen Zeiten heimlich zum Priester geweiht, sagt: „Viele, die mit Gott kämpfen, sind ihm näher als die Gleichgültigen.“

Menschen spüren es heute deutlicher als früher, wo alles seine vorgeschriebenen religiösen Bahnen ging, dass sie ohne Gottesbeziehung nicht ganz sind.

Gott und die Menschen miteinander auf einzigartige Weise zu verbinden, das hat Jesus in unsere Welt gebracht. In dieser Nähe und Intensität lässt sich das außerhalb des Christentums so kaum finden.

Heute muss der Glaube daher die Unsicherheit und die Verborgenheit Gottes ertragen können,

Glaube und Zweifel aber sind Geschwister.

Sie brauchen einander.

Wer sich seines Glaubens allzu sicher ist, kann leicht zum Fanatiker werden und davon haben die Religionen derzeit mehr als genug.

Die Kirche hat in der Vergangenheit den unbekannten Gott vorschnell durch Jesus Christus, als den Sohn Gottes, eingetauscht. Vor Jahren schrieb schon ein Kommentator der WELT: „In der Verkündigung Gottes ist die Kirche wenig überzeugend. In den Ritualen des Glaubens spürt man nicht selten eine gewisse Hohlheit, ein Zittern, ein Fremdeln. … Die Kirche hat eine theologische Schwäche.“ Wie also soll man mit einem Gottesbild, das Inhalte des Glaubens anbietet wie vor 200, gar wie vor 500 Jahren eine junge Generation erreichen?

Wieso nicht ganz einfach von diesem Gott reden, so wie es der große Theologe Karl Rahner gemacht hat, wenn er sagt, dass Gott mit jedem Menschen seine Geschichte hat. Also hat auch jeder Mensch seine Geschichte mit Gott. Es braucht viel Freiheit und Mut, sich das zuzugestehen.

Die Fastenzeit könnte ein gelungener Rahmen für diesen Weg der Selbsterkenntnis sein.

 

Wir bedanken uns bei Pfarrer Schießler für die Freigabe seines Impulstexts für PromisGlauben.

Hier noch ein lesenswerten Artikel über die Aktualität des großen deutschen Theologen Karl Rahner mit dem Titel „Warum wir unbedingt Karl Rahner lesen sollten!“