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Seinen Impuls zum heutigen Eangelium am Palmsonntag (Mt 21, 1-11) betitelt Pfarrer Rainer Maria Schießler mit der Headline „Mut zur Sanftheit“. Dabei beschreibt er das Bild vom sanftmütig in Jerusalem einreitenden Jesus in Verbindung mit seiner Botschaft.

Hier (mit freundlicher Genehmigung) der Impuls von Pfarrer Schießler, den er auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat:

„Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und reitet auf einem Eselsfohlen!“ Mit diesem Bild beginnt die heilige Woche. Jesus von Nazareth reitet auf einem geliehenen Esel, dem einfachen Arbeitstier der kleinen Leute in Jerusalem ein, lässt sich von seinen Anhängern als Kyrios, als Herr, als Sohn Davids bejubeln – und provoziert so gnadenlos.

Hier kommt kein römischer Kriegsherr in Rüstung und Waffengewalt auf einem stolzen Reittier. Solche Aufmärsche erlebten die Leute fast täglich. Jesus ist auch kein Anhänger der Zelotenbewegung, die den politischen Umsturz will: „Steck das Schwert in die Scheide!“, fordert er Petrus auf bei seiner Verhaftung am Gründonnerstag. Trotzdem mangelt es dieser Jubelprozession nicht an religionspolitischem Selbstbewusstsein und Würde und sie meinen eine ganz neue, andere Form der Macht: Sanftmut; Mut zur Eselsgeduld; Mut zur großen Vision der Gewaltlosigkeit, für die die Liebe stärker ist als der Hass.

Die Verkündigung Jesu, dass die Sanftmütigen das Land erben werden (3. Seligpreisung der Bergpredigt), spricht die kleinen Leute an, also die, die zu jeder Zeit der Menschheitsgeschichte die eigentlichen Opfer von Gewalt und Unterdrückung waren und sein werden.

Nur mit der sanften Kraft der Demut, dem Mut zum Dienen und zur konsequenten Gewaltlosigkeit, kann der ständig neu aufbrechende Kreislauf der Gewalt und der Wunden durch irrsinnige menschliche Aggressionen unterbrochen werden.

Das ist die neue Ethik Jesu.

Unser Leben ist und bleibt ein Geschenk Gottes, das uns nur anvertraut ist. Wir haben es selbst in die Hand zu nehmen und verantwortlich zu gestalten, immer mit Blick auf Gott und die Mitmenschen.

Selbstgefälligkeit und Selbstzufriedenheit haben da keinen Platz. Wer aber diese sanfte und deutliche Enttarnung unserer Lebenssituation und unseres Lebensstiles durch Jesu Handeln nicht zulassen will oder kann, der muss ihn ablehnen (Passion). Wer die Provokation durch Jesus, die uns herausruft aus den Verkrustungen unseres eigenen Lebens, als Ballast empfindet, der kann ihn nur totschweigen.
Falsche Sehnsüchte an Jesus geknüpft, führen zur Enttäuschung und enden in der Ablehnung.

Doch die Sehnsucht, die Jesus in uns wecken und erfüllen möchte, bleibt für immer, die Sehnsucht nach einem lebendigen Leben, dass befreit ist von der Angst um sich selbst.