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Mit Blick auf die Worte des Apostels Paulus aus der heutigen Sonntagslesung (Gal 6, 14-18) verweist Pfarrer Rainer Maria Schießler auf den Sinn hinter den Worten und Wörtern des Evangeliums und warnt dabei vor einer Leseart der Heiligen Schrift als Gesetzes-Religion.

Hier die Worte seines gestrigen Posts via Facebook (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Schießler):

„Ihr seid eine neue Schöpfung!“

… und wir haben es noch dazu in der Hand!! Paulus bezieht ganz eindeutig Position, weil in der jungen Kirche erneut der Versuch gemacht wird, die Menschen in Klassen einzuordnen, und wäre es nur durch das geheiligte Bundeszeichen der Beschneidung.

Der indische Jesuit Anthony de Mello schreibt: „Nimm dich vor Wörtern in Acht! Auch eine Speisekarte wird nicht euren Hunger stillen und eine Formel nicht euren Durst.“

Manchmal muss uns das Neue Testament wie eine Speisekarte vorkommen. Die Gäste im Restaurant `Kirche´ studieren zwar ihren Inhalt sorgfältig Zeile für Zeile, bestellt wird aber dann etwas, was gar nicht auf der Karte steht.

Hinter den Worten und Wörtern muss der Sinn stehen, die Erfüllung, sonst wären sie höchst gefährlich.

„Verschwiegene Wahrheiten machen giftig“, nannte das Karl Rahner. Nicht nur die Lügen vergiften unsere Welt. Weit schlimmer ist es, wenn nur Teile der Wahrheit verbreitet, andere Teile aber geflissentlich unterdrückt werden. Es geht um die Grenzen in der Kirche, die ausschließen, Fähigkeiten bestreiten und Berufungen verhindern. Nicht das Programm ist falsch.

Der Plan Jesu stimmt, so wie ihn Paulus verstanden hat.

Aber verstehen wir, die „Nachfolger“ ihn richtig?

Sicherlich nicht, wenn wir den Glauben zu einer Gesetzes-Religion machen;

wenn neue Grenzen aufgerichtet werden, die ein Apostel Paulus schon niederreißen wollte; wenn die alte Liturgie, die eine reine Priesterliturgie ist, fröhliche Urständ feiert, bei der das Volk Gottes nur eine Statistenrolle spielt; wenn das allgemeine Priestertum, das durch Taufe und Firmung begründet ist, letztlich nur Makulatur ist.

„Es gibt nicht mehr Mann und Frau, denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus (Gal 3,28)“.

Mogeln wir uns bitte nicht länger an solchen Worten, die das Evangelium Jesu in die Gemeinden übersetzen, vorbei.