Foto: facebook.com/rainer.maria.schiessler (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Rainer Maria Schießler)

Das heutige Sonntagsevangelium (LK 14,25-33) hat es in sich, denn es ist eine der nicht ganz einfachen Stellen im Neuen Testament. Solche Bibelstellen können allzu leicht für die eigene Sache ausgenutzt werden, infolgedessen Menschen unfrei und ängstlich bzw. besetzt und verschlossen agieren, was dann aber nichts mehr mit dem Anspruch und dem roten Faden der Frohen Botschaft zu tun hat.

Pfarrer Rainer Maria Schießler ist es mit seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium gelungen, mit Blick auf den roten Faden des Evangeliums aufzuzeigen, welche Bedeutung diese deutlichen Worte Jesu haben. Dabei sind die Worte Schießlers ganz im Sinne Jesu deutlich am Evangelium orientiert!

 

Hier die Worte zum heutigen Sonntagsevangelium von Pfarrer Schießler, die er auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat:

 

Radikale Nachfolge

Ist es überhaupt möglich, auf so radikale Art, wie ein Jesus von Nazareth es fordert, das Christentum zu leben?

„Radikal“ bedeutet an die Wurzeln gehen.

Wenn wir das Evangelium also leben wollen, müssen wir uns auf die Wurzeln erinnern lassen und notfalls unsere Substanz angreifen, sonst wäre eine Wandlung kaum möglich. Nur wer würde auf seinen ganzen Besitz verzichten?

Oder geht es überhaupt so einseitig um materiellen Besitz, um Hab und Gut, um Haus und Hof?

Das Evangelium Jesu, seine Botschaft, die Zugehörigkeit zu seiner Jüngerschaft ereignet sich nämlich auf einer anderen Ebene, nämlich sagen zu können: Ich bin so frei.

Geld und Gut können uns nichts anhaben. Nichts hält uns fest, nichts kann uns fesseln. Auf diesem Weg sollten wir bleiben. Letztlich ein Leben langes Training.

Es macht tiefen Sinn, wenn das Evangelium nur den Armen verkündet wird, wie es in der Predigt Jesu heißt. Es geht um die spirituelle Armut, also um die Offenheit, die sich dann auch vor der materiellen Armut nicht zurück schreckt. In diesem Sinn kann auch ein Armer sehr reich, also verschlossen sein. Ein Reicher durchaus arm, aber offen für Jesu Wort.

Wer besetzt, verschlossen ist, gibt der Frohen Botschaft keine Chance.

Das ist der Schlüssel zu dem harten Wort Jesu: „Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht ganz frei ist für das Evangelium!“

Es geht um das Evangelium und nicht um die Ziele einer erfolgsorientierten Kirche.

Die Haltung der Offenheit für das Evangelium aber hat Konsequenzen: Nämlich Schwäche zuzulassen, statt Stärke zu demonstrieren. An Stelle der Rechthaberei die eigene Verletzlichkeit zu sehen. Auf der Seite der Wahrheit zu stehen, statt ständig danach zu fragen, ob dies oder das machbar sei. Vor allem aber Achtsamkeit zu üben gegenüber allem, was uns begegnet.