Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Verleihung Ehrenring des Rheinlandes an Pfarrer Meurer-2921, CC BY-SA 4.0

Der Bestsellerautor (u.a. „Irre wir behandeln die falschen“) und Deutschland’s wohl bekanntester Psychiater Dr. Manfred Lütz diskutierte aktuell im evangelischen Magazin Chrismon mit Linken-Chefin Katja Kipping über Atheismus, Sozialismus und das Verhältnis von Staat und Kirche. Dabei brachte der 65-jährige auch seinen persönlichen Glauben zum Ausdruck und erklärte, warum er den atheistischen Glauben für irrational hält.

Auf die Gretchenfrage „Glauben Sie an Gott?“ gleich zu Beginn des Interview-Gesprächs bekannte Manfred Lütz:

„Ja. Ich bin Christ. Ich glaube, dass Gott Mensch geworden ist und mit den Menschen mitleidet.“

Zu seinem Gottesbild gehöre, dass Gott „den Menschen die Freiheit gegeben hat, auch böse zu handeln“, so Lütz weiter. Im Gebet und „in der Begegnung mit ­Menschen“ erlebe er Gott.

So fest im Glauben wie heute stand der Mediziner aber nicht immer. Im Alter von 14 Jahren habe er seinen Glauben verloren und die Bibel „für Kinderkram“ gehalten. Das änderte sich wieder, als er sich vertiefter damit beschäftigte. Dazu betonte der Leiter des Kölner Alexianer-Krankenhauses:

„Später habe ich mich mit Philosophie und Naturwissenschaften beschäftigt und bin auch dadurch wieder zum Glauben gekommen.“

So sei der Glaube an Gott für ihn heute „etwas Ähnliches wie Liebe zu einem Menschen“. Dazu beschrieb er weiter:

„Gottesbeweise sind wie Liebesbeweise, sie sind nicht zwingend, aber es sind die wichtigsten Beweise ­unseres Lebens.“

Wer an Liebe mit wissenschaftlichen Zugang herangehe, habe in seinen Augen nicht verstanden, „was Liebe wirklich ist“, so Lütz. In diesem Zusammenhang sagte er weiter:

„Wenn ich mathe­matische Beweise für Gott will, habe ich nicht verstanden, dass es um etwas Existenzielles geht.“

Glaube sei „viel mehr als Wissen“ und vielmehr „eine innere Gewissheit“, aus der heraus auch „soziales Engagement“ resultiere, hob Manfred Lütz im Verlauf des Gesprächs weiter hervor.

Zu seiner Vorstellung vom ewigen Leben gab der Psychiater und Theologe zu erkennen, dass er glaube, dass „ganz intensive persönliche Momente“ über den Tod hinaus existieren werden, so etwa „Momente, wo ich jemanden liebe, von einer menschlichen Begegnung, von einem Musikstück tief ergriffen bin“ oder „wenn ich selbstlos helfe“.

In diesem Zusammenhang betonte Manfred Lütz, dass er Atheismus irrational finde und stellte dazu folgende Frage:

„Warum setzt man sich für andere ein und nimmt Nachteile in Kauf, wenn mit dem Tod alles aus ist?“

Dabei zeigte er großen Respekt vor Atheisten, die das tun. Denn:

„Eigentlich ist es sogar heldenhafter, wenn ­jemand, der nicht an Gott glaubt, sein Leben einsetzt, aber ich finde das halt unlogisch.“

Weiter begründete er diesbezüglich, dass für einen Atheisten mit dem Tod alles aus ist und es demzufolge „ziemlich rational“ sei, „die Sorge um das eigene Leben nach vorne zu stellen“. Wenn er als Christ hingegen glaube, „dass Gott Liebe ist“, dann seien „Uneigennützigkeit und Gemeinschaft“ genau deshalb wichtig.

Das komplette Doppel-Interview mit Manfred Lütz und Katja Kipping gibt’s unter

chrismon.evangelisch.de

 

In seinem auch Atheisten beeindruckenden Buch Gott – eine kleine Geschichte des Größten“ stellte Manfred Lütz vor Jahren die Argumente für und gegen Gott zusammen.